Erdbeben in Deutschland: Mb 2,6 bei Biberbach

Erdbeben in Deutschland – Katastrophenschützer in Oberschwaben ziehen Lehren aus Übung und Realität

Ein schwaches Erdbeben hat am Montagvormittag die Region südlich von Ulm erschüttert. Das Beben erreichte eine Magnitude von 2,6 und hatte sein Epizentrum rund 28 Kilometer süd-südwestlich von Ulm, unweit von Biberach an der Riß. In etwa 22 Kilometern Tiefe entstanden, blieb das Ereignis nach bisherigen Erkenntnissen ohne Schäden und wurde nur bestenfalls vereinzelt wahrgenommen. Dennoch reiht es sich in eine Serie jüngerer seismischer Aktivitäten im südwestdeutschen Raum ein.

Bereits in der vergangenen Woche war es im Raum Filderstadt und Reutlingen zu einem stärkeren Erdbeben mit einer Magnitude von 3,0 gekommen, das vielerorts deutlich spürbar war. Auch wenn beide Ereignisse schadenlos verliefen, verdeutlichen sie, dass Erdbeben in Baden-Württemberg kein rein theoretisches Risiko darstellen.

Vor diesem Hintergrund erhält eine kürzlich durchgeführte Katastrophenschutzübung im Zollernalbkreis besondere Bedeutung. Die Landkreise Zollernalb, Ortenau und Biberach simulierten gemeinsam ein schweres Erdbebenszenario. Nach der Alarmierung durch die Integrierte Leitstelle Zollernalb arbeiteten die Führungsstäbe im Feuerwehrhaus Hechingen unter realitätsnahen Bedingungen zusammen. Mehr als 50 Teilnehmende waren in die Übung eingebunden.

Dass der Landkreis Biberach in das Szenario einbezogen wurde, hat möglicherweise auch geologische Gründe. In der Region wurde ein sogenannter miozäner Seismit nachgewiesen – ein bis zu 15 Meter tiefer sedimentärer Gang, der entstand, als bei einem prähistorischen Erdbeben Sande und Mergel der Oberen Süßwassermolasse verflüssigt und durch Spalten nach oben gepresst wurden. Die Entstehung dieser Struktur wird mit dem Meteoriten­einschlag im heutigen Steinheimer Becken in Verbindung gebracht, der vermutlich ein starkes lokales Erdbeben auslöste. Der Befund gilt als Beleg dafür, dass die Region bereits in der Erdgeschichte erheblichen Erschütterungen ausgesetzt war, die sich in dieser Stärke tektonisch bedingt allerdings kaum wiederholen dürften.

Im Mittelpunkt der Übung standen die überregionale Koordination, belastbare Entscheidungsprozesse und die Sicherstellung der Einsatzfähigkeit über längere Zeiträume hinweg. Die Verantwortlichen zogen ein positives Fazit und kündigten an, die Zusammenarbeit im Katastrophenschutz weiter zu vertiefen – nicht zuletzt vor dem Hintergrund der jüngsten realen Erdbeben.

Vesuv: Weiteres Erdbeben Md 2,1 im Gipfelbereich

Vesuv, der Golf von Neapel und die Campi Flegrei (links) auf einem Bild. Irre, was da an Häusern zwischen den gefährlichsten Vulkanen Europas steht. © EMSC/Leaflet

Weiteres Erdbeben erschüttert Vesuv-Gipfelregion – Magnitude Md 2,1

Gestern Vormittag ereignete sich um 10:35 UTC am Vesuv ein weiterer Erdstoß mit einer Magnitude im Zweierbereich. Konkret hatte das Beben eine Magnitude von 2,1 und einen Erdbebenherd in nur rund 200 Metern Tiefe. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich Tiefenangaben üblicherweise auf den Meeresspiegel beziehen und nicht auf die jeweilige Landoberfläche. Das Epizentrum lag am westlichen Kraterrand des Gran Cono.




Bereits am Freitag hatte es unter der Westflanke des Gran Cono ein vergleichbares Beben gegeben. Theoretisch hätten diese Erschütterungen aufgrund ihrer geringen Herdtiefe gespürt werden können, entsprechende Wahrnehmungsmeldungen liegen jedoch nicht vor.

Während Mikrobeben am Vesuv zur Tagesordnung gehören, sind Erdbeben mit Magnituden ab 2 relativ selten, insbesondere in einem so kurzen zeitlichen Abstand. Die aktuellen Erschütterungen könnten daher Hinweise darauf liefern, dass sich Prozesse im Vulkansystem verändern. Tatsächlich kam vor gut einem Jahr die langjährige Deflation im Küstenbereich des Vulkans zum Stillstand, während sie im Gipfelbereich weiterhin anhält. Sollten sich langfristige Trends, die bislang auf ein fortschreitendes Abkühlen des Vulkansystems hindeuten, allmählich umkehren, stünde dieser Prozess jedoch noch ganz am Anfang. Kurz- und mittelfristig ist die Wahrscheinlichkeit eines Vulkanausbruchs im Großraum Neapel weiterhin sehr gering; es besteht kein Anlass zur Beunruhigung.

Situation in der Campi-Flegrei-Caldera unweit des Vesuvs

Besorgniserregender ist die Situation hingegen in den benachbarten Campi Flegrei. Dort wurden in der vergangenen Woche vergleichsweise wenige Erdbeben registriert, was bereits Hoffnungen auf ein Abklingen der seismischen Krise nährte – die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Solange jedoch die Bodenhebung anhält, ist ein Ende der Krise nicht in Sicht. Seit dem Wochenende zieht die Erdbebenaktivität erneut an: Seit gestern wurden wieder 23 schwache Erschütterungen registriert. Die meisten davon waren Mikrobeben. Die stärkste Erschütterung ereignete sich heute Morgen mit einer Magnitude von 1,9. Das Hypozentrum lag in 2,8 Kilometern Tiefe im nördlichen Bereich des Hebungszentrums. Die Bodenhebung setzt sich mit einer Geschwindigkeit von etwa 25 Millimetern pro Monat fort. Auch Gasemissionen und Temperaturen bleiben auf hohem Niveau.

Anders als am Vesuv könnten sich in den Campi Flegrei – und hier am wahrscheinlichsten im Bereich der Solfatara – phreatische Eruptionen ereignen. Mittelfristig ist auch ein magmatisch bedingter Vulkanausbruch nicht auszuschließen.

Vesuv: Erdbeben Md 2,0 im Nordosten

Erdbeben Md 2,0 am Vesuv erschütterte den Nordosten – Hypozentrum nahe der Oberfläche

Datum: 12.12.2025 | Zeit: 21:26:28 UTC | Koordinaten 40.825 ; 14.433 | Tiefe: 0,6 km | Md 2,0

Gestern Abend um 21:26:28 UTC wurde der Vesuv von einem Erdbeben der Magnitude 2,0 erschüttert. Das Epizentrum befand sich unter der Nordostflanke des Gran Cono, der sich aus dem Friedhof mehrere Vorgängervulkane erhebt. Die Herdtiefe betrug nur 600 m unter dem Meeresspiegel. Es folgten 2 weitere schwache Erschütterungen. Gestern gab es insgesamt 6 Beben unter dem Schicksalsberg Neapels.

Vesuv

Aus seismischer Sicht ist 2025 ein ordinäres Jahr am Vesuv mit einer Erdbebentätigkeit, die nur leicht über dem langjährigen Mittel liegt: Bis jetzt wurden 755 Erschütterungen lokalisiert. Anders sah es im letzten Jahr aus, als es mit 1124 lokalisierten Beben überdurchschnittlich häufig bebte. Obwohl die meisten Erschütterungen vulkanotektonische Signale erzeugen und somit eigentlich von Gesteinsbruch infolge von Fluidbewegungen erzeugt werden sollten, sind die INGV-Vulkanologen der Meinung, dass es sich um Setzungsbeben handelt, die von einem gegenteiligen Prozess als der Aufheizung des Vulkansystems zeugen. Grund zu dieser Annahme liefert eine leichte Subsidenz, bei der sich der Gipfel um ca. 15 mm pro Jahr absenkt, wobei die Senkungsrate ähnlich wie im Yellowstone saisonal unterschiedlich ausfällt, was auf Schwankungen des Druckes im Hydrothermalsystem hindeutet.

Neben den vulkanotektonischen Erdbeben werden sporadisch langperiodische Erdbeben detektiert, die direkt von Fluidbewegungen zeugen. Auch wenn es keine direkten Anzeichen für ein Aufheizen des magmatischen Systems unter dem Vesuv gibt, bleibt der Vulkan ein Schicksalsberg, der das Leben hunderttausender Anwohner bedroht, wobei die Zahl der bedrohten Menschen durchaus höher sein kann als die Modellrechnungen belegen, denn hier geht man von einer Eruption von der Größenordnung des Pompeji-Ausbruches aus, der im Vergleich zum Avellino-Ausbruch vor ca. 3900 Jahren vergleichsweise klein war.

In diesem Zusammenhang finde ich es bemerkenswert, dass sich nur ca. 300 Jahre später eine weitere bedeutende Eruption im Mittelmeerraum zutrug: die bronzezeitliche Eruption von Santorin, die sogar den Untergang der minoischen Kultur beschleunigte.

Starkes Erdbeben in Japan trifft Honshus Ostküste

Starkes Erdbeben Mw 6,7 vor der Nordküste Honshus in Japan – Tsunamialarm gegeben

Datum: 12.12.2025 | Zeit: 02:44:13 UTC | Koordinaten 40.962 ; 142.767 | Tiefe: 20 km | Mw 6,7

Am 12. Dezember 2025 um 11:44 Uhr Ortszeit hat ein starkes Erdbeben der Magnitude 6,7 die Region vor der Ostküste der Präfektur Aomori erschüttert. Das Hypozentrum lag rund 20 km tief im Pazifik, etwa 118 km nordöstlich von Hachinohe und 172 km östlich-nordöstlich von Aomori. Damit lag das Epizentrum in der gleichen Region wie das starke Erdbeben Mw 7,5 vom Montag und manifestierte sich östlich der Straße von Tsugaru, jener Meerenge zwischen Honshu und der Nordinsel Hokkaido. Genau genommen handelt es sich also um ein starkes Nachbeben, von denen es mehrere gibt.

Japan. © EMSC/Leaflet

Die Erschütterungen waren in vielen Teilen Nord- und Nordostjapans deutlich zu spüren, besonders entlang der Pazifikküste. Auf der japanischen Intensitätsskala erreichte das Beben stellenweise einen Wert von 4.

Kurz nach dem Ereignis gab die Japan Meteorological Agency (JMA) eine Tsunamiwarnung für die Küsten von Hokkaido sowie die Präfekturen Aomori, Iwate und Miyagi aus. Erste Wellen von etwa 20 Zentimetern Höhe wurden an den Küsten Hokkaidos und Aomoris registriert. Die Behörden mahnten die Bevölkerung in Küstennähe zur Vorsicht und forderten dazu auf, Warnmeldungen aufmerksam zu verfolgen, auch wenn zunächst keine größeren Wellen beobachtet wurden. Verletzte oder Schäden wurden bislang nicht gemeldet; die Kernkraftwerke Higashidori und Onagawa arbeiteten nach Angaben des Betreibers Tohoku Electric Power Co. ohne Auffälligkeiten.

Tektonisch betrachtet stand das Erdbeben mit der Subduktion entlang des Japangrabens in Verbindung, der hier aus dem Kurilen-Kamtschatka-Graben hervorgeht: Vor der Küste Nordostjapans taucht die Pazifische Platte mit einer Geschwindigkeit von mehreren Zentimetern pro Jahr unter die Nordamerikanische Platte (bzw. die Okhotsk-Mikroplatte, die oft als Teil der Nordamerikanischen Platte betrachtet wird) ab. Durch diesen Prozess entsteht auch Magma, das an den Vulkanen Nordjapans austritt.

Auffällig ist auch, dass es seit dem starken Erdbeben am Montag vermehrt schwache Erdbeben in Mitteleuropa gibt. Möglich, dass durch die starken Erschütterungen in Japan Mikrospannungen an den europäischen Störungszonen entstanden sind.

Das Beben ereignete sich nur wenige Tage nach einem schwereren Erdbeben der Magnitude 7,5, das am Montag den Nordosten Japans getroffen hatte. Bei diesem Ereignis wurden 30 Menschen verletzt, mehrere Gebäude und Straßen erlitten Schäden, und auch hier waren Tsunamiwarnungen ausgesprochen worden. Die JMA hatte bereits damals vor der Möglichkeit weiterer starker Nachbeben gewarnt.

Die jüngsten Erschütterungen richten die Aufmerksamkeit erneut auf das Risiko eines möglichen Mega-Erdbebens in Japan. Im September schätzte das nationale Erdbebenuntersuchungsgremium die Wahrscheinlichkeit eines solchen Ereignisses im Nankai-Graben innerhalb der nächsten 30 Jahre auf 60 bis 90 Prozent. Ein Mega-Beben könnte einen gewaltigen Tsunami auslösen und verheerende Folgen haben.

Die Behörden betonen, dass zwar keine konkrete Vorhersage möglich sei, das Risiko eines weiteren starken Bebens jedoch weiterhin bestehe. Die Bevölkerung wird aufgefordert, Vorbereitungen zu prüfen und Notfallpläne aktuell zu halten. Besucher Japans sollten sich ebenso auf mögliche Katastrophenszenarien vorbereiten. Dazu gehört, auf die Bausubstanz von Hotels zu achten, möglichst nicht an der Küste zu verweilen und sich Fluchtwege zu höher gelegenem Terrain einzuprägen.

Vogtland: Weitere spürbare Erdbeben im Cheb-Becken

 

Intensivierte Erdbebenserie im Vogtland – unterschiedliche Magnituden im Umlauf

Das Vogtland ist weiterhin in Bewegung: Seit dem 20. November ist die seismische Aktivität erhöht und es kommt zu einem Schwarmbeben, dessen Schwerpunkt sich Anfang Dezember in einer zweiten Phase etwas nach Norden verlagert hat. Seit 3 Tagen werden nicht nur ungewöhnlich viele Mikrobeben registriert, sondern auch mehrere spürbare Erschütterungen mit Magnituden größer 2. Die stärkeren Beben sind für die Bevölkerung spürbar, verursachten bis jetzt aber keinen nennenswerten Schaden.

Schwarmbeben

Die verschiedenen Erdbebendienste geben unterschiedliche Magnituden an, was für einige Verwirrung sorgen kann: Während das stärkste Erdbeben gestern Abend um 23:39:05 UTC laut EMSC eine Magnitude von 3,5 hatte, kommt der gleiche Erdstoß beim Seismischen Institut der Tschechischen Akademie der Wissenschaften auf M 3,1. Das Sächsische Landesamt für Umwelt, das mit Daten der TU Bergakademie Freiberg gefüttert wird, registrierte hingegen zwei Erdbeben, die sich innerhalb eines Bruchteils einer Sekunde manifestierten und die Magnituden 2,7 und 2,1 gehabt haben sollen. Entweder wurde bei den Freibergern ein Fehler gemacht oder die beiden anderen Institute addierten die Amplituden der beiden Erdbeben zu einer Erschütterung.

Darüber hinaus kann es noch andere Gründe für abweichende Magnitudenangaben geben. Einer liegt in den verschiedenen Magnitudenskalen und Messmethoden: Während das Sächsische Landesamt für Umwelt sowie das tschechische Forschungsnetz WEBNET meist die lokale Magnitude (ML) angeben, verwenden internationale Einrichtungen wie das European-Mediterranean Seismological Centre (EMSC), das meist auf GFZ-Netze zugreift, häufig die Raumwellen-Magnitude (Mb). Anders als sonst üblich sind im aktuellen Vogtland-Schwarm die Mb-Werte meist höher als die ML-Werte.

Das kann daran liegen, dass die stärkeren Beben überwiegend extrem flach (etwa 1–5 Kilometer Tiefe) liegen und die ML auf lokalen Bodenamplituden basiert, die durch geologische Besonderheiten gedämpft sein können. Die Mb-Messung hingegen nutzt P-Wellen, die sich in der Tiefe ausbreiten und von einem größeren Netzwerk weiter entfernt gemessen werden. Dadurch erscheinen sie vergleichsweise stärker, wobei aber auch größere Messungenauigkeiten bei schwachen Erdbeben entstehen können. Zudem messen Mb und ML unterschiedliche Frequenzbereiche, was weitere Abweichungen erklärt.

Ursache der Beben sind tektonische Spannungen in einem geologisch komplexen Gebiet, in dem alte Störungszonen mit aufsteigenden Fluiden, etwa CO₂, interagieren. Diese lösen Erdbebenschwärme aus, die sich über Wochen ziehen und häufig mehrere Hundert oder sogar Tausende Erschütterungen umfassen. Solche Schwarmbeben sind im Vogtland kein neues Phänomen.

Deutschland: Erdbeben am Laacher See und anderswo

Erdbeben in Deutschland. © EMSC/Leaflet

Mehrere Erdbeben in Deutschland und Umgebung: Laacher-See-Vulkan, Filderstadt und Vogtland besonders betroffen

Seit gestern haben sich mehrere interessante Erdbeben in Deutschland und den Grenzregionen des Landes zugetragen, die ich hier kurz zusammenfassen möchte. Im Kontext von Vnet besonders interessant sind vier Mikrobeben südlich des Laacher-See-Vulkans, die sich seit gestern Abend bei Ochtendung ereignet haben. Das stärkste hatte eine Magnitude von 0,8 und eine Herdtiefe von 13 Kilometern. Das Epizentrum wurde 12 km westlich von Koblenz verortet. Bei Ochtendung verläuft die gleichnamige Störung, und Geoforscher vermuten, dass die Erschütterungen durch veränderte Spannungen infolge von Fluidbewegungen entstehen. Die Beben blieben an der Erdoberfläche folgenlos, passen aber in das Muster erhöhter Seismizität in der östlichen Vulkaneifel, das wir seit mehr als einem Monat beobachten können.

Laccher-See-Vulkan. © EMSC

Weitaus stärker war ein Erdstoß, der sich in der Nacht zum Dienstag 15 km östlich von Filderstadt in Baden-Württemberg abspielte. Das Beben der Magnitude 3,0 hatte eine Herdtiefe von nur 6 Kilometern und riss Anwohner mit spürbaren Erschütterungen und grollenden Geräuschen aus dem Schlaf. Das Erdbeben war mit einer Störung am Rand des Albtraufs assoziiert. Hierbei handelt es sich um die Steilstufe, die die Schwäbische Alb gegen das tiefer gelegene Land in Richtung Stuttgart abgrenzt.

Als dritten Bebenspot möchte ich das Vogtland aufführen, über das ich in den vergangenen Wochen öfter geschrieben habe. Der Erdbebenschwarm bei Luby und Kostelní auf der tschechischen Seite des Vogtlands hat sich weiter verstärkt. Es gab Hunderte Mikrobeben und allein in den letzten 24 Stunden sechs Beben mit Magnituden ab 2,0. Das stärkste Beben brachte es heute Vormittag sogar auf Mb 3,0. Das Epizentrum wurde 10 km südlich vom deutschen Klingenthal verortet. Es hatte eine Herdtiefe von nur 2 Kilometern und wurde von den Bewohnern der Gegend deutlich wahrgenommen. Zeugen beschrieben neben spürbaren Erschütterungen auch ein starkes Grollen. Wie auch die Beben in der Vulkaneifel vermutet man hier, dass sie durch tiefe magmatische Prozesse ausgelöst werden, die Fluide entlang von Störungszonen aufsteigen lassen und letztendlich die Beben an den Störungen auslösen.

Betrachtet man die weiter gefasste Shakemap, erkennt man, dass es auch eine Reihe schwacher Erdbeben bei Trier und Basel gab. Ein noch weiteres Blickfeld enthüllt mehrere Beben in Frankreich und Polen. Ein außergewöhnlich aktiver Bebentag für Mitteleuropa.

Island: Erdbeben Mb 5,0 am Reykjanes-Ridge

Mittelstarkes Erdbeben Mb 5,0 erschüttert Reykjanes-Ridge bei Island – bis jetzt keine Auswirkungen auf Svartsengi

Am Morgen des 9. Dezember 2025 ereignete sich in der Region südwestlich von Reykjavík ein Erdbeben der Magnitude 5,0. Der Erdstoß mit einer Tiefe von etwa 10 Kilometern wurde um 10:12 Uhr UTC registriert und lag rund 328 Kilometer süd-südwestlich der isländischen Hauptstadt sowie etwa 286 Kilometer südwestlich von Grindavík. Trotz der Stärke des Erdbebens gibt es bislang keine Wahrnehmungsmeldungen, da das Epizentrum offshore und weit entfernt von besiedelten Regionen liegt.

Erdbeben Reykjanes-Ridge. © EMSC

Das Erdbeben manifestierte sich an jenem Teil des Mittelatlantischen Rückens, der als Reykjanes-Ridge bekannt ist: hierbei handelt es sich um jenen Teil des submarinen Gebirges, der bei Island aus der Tiefe des Ozeans aufsteigt und die gleichnamige Halbinsel bildet, auf der wir seit 2021 die intensive vulkanische Aktivität sahen. Die Insel liegt genau auf dem divergenten Mittelatlantischen Rücken, jener kontinentalen Naht, an der die Eurasische und die Nordamerikanische tektonische Platte auseinanderdriften. Dieses Auseinanderbrechen der Erdkruste führt regelmäßig zu Erdbeben und vulkanischer Aktivität, da hier Magma aus dem Erdmantel an die Oberfläche steigt und neue Kruste bildet.

Island ist somit nicht nur ein Stück Land, sondern eine lebendige Schnittstelle zweier Kontinentalplatten. Die kontinuierliche Bewegung von etwa zwei Zentimetern pro Jahr verursacht Spannungen in der Erdkruste, die sich immer wieder in Form von Erdstößen entladen, wie es heute wieder passiert ist.

Der Erdstoß stand zwar in einem tektonischen Zusammenhang mit den Geschehnissen auf der Reykjanes-Halbinsel, zeigte bis jetzt aber keine Auswirkungen auf die im Untergrund brodelnde magmatische Aktivität. Unter dem Svartsengigebiet hebt sich der Boden langsam weiter, wobei die aktuellen GNSS-Messwerte eine weitere Verlangsamung der Heberate andeuten. Entweder verlangsamt sie sich, weil aus dem tiefen Reservoir weniger Schmelze aufsteigt, oder weil der flach liegende Magmenspeicher aufgrund des hohen Gegendrucks der bereits vorhandenen Schmelze nicht mehr neues Magma aufnehmen kann. Theroretisch müsste der Druck groß genug sein um eine neue Eruption zu triggern.

Aufgrund des schlechten Wetters auf Island – heute Morgen gab es um Reykjavik herum Schneechaos – können schwache Erdbeben nicht detektiert werden, so dass die IMO-Shakemap ungewöhnlich leer ist.

Japan: sehr starkes Erdbeben vor Hokkaido

Sehr starkes Erdbeben Mw 7.6 vor der Küste Hokkaidō in Japan – Tsunamiwarnung und mehrere Verletzte

Heute Nachmittag ereignete sich um 14:15 UTC (23:15 JST) in der japanischen Region Hokkaidō ein sehr starkes Erdbeben der Magnitude Mw 7.6. Das Hypozentrum lag bei den Geokoordinaten 41.035° N, 142.148° E in einer Tiefe von 58 km. Das Epizentrum wurde 81 km nordnordöstlich von Hachinohe verortet. Der nächstgelegene Besiedlungsschwerpunkt ist Aomori, etwa 121 km vom Epizentrum entfernt. Das Beben schreckte viele Menschen aus dem Schlaf, die aufgeregt auf die Straßen liefen. Ersten Berichten zufolge kam es zu Schäden und Verletzten. Es folgten mehrere Nachbeben. Eine Tsunamiwarnung wurde ausgegeben: das Warnzentrum hielt Wellenhöhen von bis zu 3 m für möglich.

Japan. © EMSC

Bereits kurz nachdem die Tsunamiwarnung für die Küstenregionen der Präfekturen Hokkaidō, Aomori und Iwate herausgegeen worden war, wurden an mehreren Häfen erste Tsunamiwellen registriert. Sie erreichten an der Küste von Aomori und Hokkaidō etwa 40 cm Höhe.

In der Küstenstadt Hachinohe in der Region Aomori meldeten Medien mehrere Verletzte. Unter den Opfern befinden sich Gäste eines Hotels, die offenbar von herabgefallenen Teilen verletzt wurden. Es kam zu Panikartigen Zuständen während der Evakuierung aus Hotels und Wohnhäusern.

Rasche Evakuierungen wurden veranlasst, der Zugverkehr wurde zeitweise eingestellt, Stromausfälle und Unterbrechungen in Teilen der Infrastruktur wurden berichtet. Trotz der Warnung vor einem stärkeren Tsunami wurden größere Überflutungen bislang nicht bestätigt.

Die Hypozentraltiefe von 58 km weist auf ein Zwischenbeben innerhalb der subduzierten Pazifischen Platte hin, die vor der Ostküste Nordjapans unter die Platte Nordamerikas abtaucht. Die Subduktionszone am Japangraben stellt eine südwestliche Verlängerung des Kamtschatka-Kurilengrabens dar, wo es vor der Südspitze Kamtschatkas Ende Juli ebenfalls eine Starkbebenserie gegeben hatte.

Diese tektonische Situation macht die Region um Hokkaidō und das nördliche Honshū besonders anfällig für starke Erdbeben — und gelegentlich auch für Tsunamis. Doch in diesem Fall blieb das Worst-Case-Szenario glücklicherweise aus: Die registrierten Tsunamiwellen waren deutlich kleiner als prognostiziert, und größere Schäden sind derzeit nach ersten Berichten ausgeblieben.

Türkei: Erdbeben Mb 5,1 beim Urlaubsort Antalya

Mittelstarkes Erdbeben erschüttert Urlaubsort Antalya in der Türkei – Erdbebenherd in großer Tiefe

Datum: 08.12.2025 | Zeit: 10:21:32 UTC | Koordinaten 37.016 ; 30.802 | Tiefe: 95 km | Mb 5,1

Am 8. Dezember 2025 um 10:21 Uhr UTC ereignete sich in der westlichen Türkei ein Erdbeben der Magnitude 5,1. Das Epizentrum lag bei 37,016 Grad nördlicher Breite und 30,802 Grad östlicher Länge, etwa 15 Kilometer nordnordöstlich von Antalya und rund 176 Kilometer südwestlich von Konya. Das Beben hatte eine Herdtiefe von etwa 95 Kilometern, was auf ein Beben in der Asthenosphäre hinweist. Die Daten sind frisch und könnten noch korrigiert werden.

In der Region um Antalya mit etwa 758.000 Einwohnern wurden die Erschütterungen des Erdbebens gegen 13:21 Uhr Ortszeit deutlich gespürt. Dem EMSC liegen zahlreiche Wahrnehmungsmeldungen vor. Obwohl das Epizentrum in bebautem Gebiet in einem Vorort von Antalya lag, gibt es bis jetzt keine Berichte über größere Schäden. Aufgrund der großen Tiefe wirkte sich die Erschütterung an der Oberfläche moderat aus, sodass mit größeren Schäden nicht zu rechnen ist.

Die tektonische Situation der Region ist komplex, weicht aber von dem Setting der beine großen Blattverschiebungen in Norden und Osten des Landes ab, weshalb die Gefahr von Erdbebenkatastrophen in den Touristenhochburgen um Antalya niedriger eingeschätzt wird, als in den Regionen der beiden anatolischen Verwerfungen.

Die betroffene Region liegt zwischen der Eurasischen Platte im Norden, der Afrikanischen Platte im Süden und der Arabischen Platte im Südosten, wobei die kleinere Anatolische Platte dazwischen eingekeilt ist. Die Arabische Platte bewegt sich nordwestwärts und kollidiert im Osten der Türkei mit der Eurasischen Platte. Dieser Druck schiebt die Anatolische Platte gewissermaßen nach Westen, was als tektonischer „Escape“ bezeichnet wird.

Diese Bewegung zusammen mit dem Zurückgleiten der Afrikanischen Platte unter das Mittelmeer – ein Vorgang, der als „Slab Rollback“ bekannt ist – verursacht eine komplexe Dehnungszone in Westanatolien. Die Erdkruste wird hier auseinandergezogen, was zu Grabenbrüchen führt an denen es überwiegend schwache und mittelstarke Erdbeben gibt.

Das aktuelle Beben mit einer Tiefe von 95 Kilometern ist höchstwahrscheinlich auf Spannungen in der subduzierten afrikanischen Lithosphäre zurückzuführen, die als „Antalya-Slab“ unter dem südlichen Anatolien liegt. Diese Slab ist segmentiert und weist Risse auf, an denen sich Spannungen lösen können – was zu tiefen Erdbeben führt.