Teneriffa: Tausende Erdbeben unter dem Vulkan Teide

Neuer Erdbebenschwarm unter dem Teide: Tausende hybride Signale registriert

Unter dem Teide auf Teneriffa ist es zu einem weiteren Erdbebenschwarm von außergewöhnlicher Intensität gekommen. Seit meinem letzten Update am Mittwochabend (22. Juli) registrierte das seismologische Netzwerk von INVOLCAN bis heute Nachmittag rund 2.000 hybride seismische Ereignisse, die auf konventionellem Weg ausgewertet wurden. Moderne KI-Analysen werden voraussichtlich eine deutlich höhere Anzahl von Ereignissen aus den Seismogrammen identifizieren können. Zeitweise wurden mehr als 300 Signale pro Stunde aufgezeichnet. Keines der Beben wurde von der Bevölkerung verspürt.

EMSC-Shakemap

Auf der Shakemap des EMSC sind die 15 stärksten Erdbeben verzeichnet, die Magnituden zwischen 1,0 und 2,0 erreichten. Das jüngste Ereignisse trat um 19:44 Uhr MESZ auf. Dies zeigt, dass der Erdbebenschwarm auch am Abend weiterhin aktiv ist, was sich ebenfalls in den öffentlich zugänglichen Seismogrammen des IGN widerspiegelt.

Wie bei den vorangegangenen Schwarmbeben konzentrieren sich die Epizentren auf den westlichen Bereich der Caldera Las Cañadas, insbesondere in den Gemeinden Guía de Isora, Vilaflor de Chasna und Santiago del Teide. Die Hypozentren liegen überwiegend in Tiefen zwischen 10 und 15 Kilometern unter dem Meeresspiegel.

Seismogramm. © IGN

Besonders auffällig ist die große Zahl sogenannter hybrider und langperiodischer Ereignisse. Diese unterscheiden sich von gewöhnlichen tektonischen Erdbeben, da sie sowohl Bruchprozesse im Gestein als auch die Bewegung magmatischer Fluide widerspiegeln können. Nach Angaben des IGN gehören die registrierten Signale einer klar identifizierbaren seismischen Familie an und weisen eine hohe gegenseitige Ähnlichkeit auf. Dies spricht für einen wiederkehrenden Prozess im magmatischen System des Vulkans.

Die Vulkanologen interpretieren die Signale als Ausdruck eines hydrothermalen Systems. Diese Interpretation erscheint zumindest für die angegebenen Tiefen von 10 bis 15 Kilometern fraglich. In diesem Tiefenbereich, nahe der Moho-Diskontinuität, sind die Temperaturen so hoch, dass sich das Gestein bereits in der Nähe der Solidustemperatur von Rhyolith befinden dürfte und somit teilweise aufgeschmolzen sein könnte. Ein reines Hydrothermalsystem erscheint dort daher wenig plausibel. Wahrscheinlicher wäre ein hydromagmatisches System, bei dem Fluide mit bereits teilweise geschmolzenem Gestein einer Kristall-Mush-Zone interagieren. Zusätzlich würde Wasser in einem überkritischen Zustand eines Hydrothermalsystems die Schmelztemperatur des Gesteins herabsetzen und die Bildung weiterer Schmelze begünstigen.

Sowohl INVOLCAN als auch das IGN verweisen darauf, dass derzeit keine Hinweise auf eine unmittelbar bevorstehende Eruption vorliegen. Die aktuellen Signale seien mit Fluidbewegungen in der Tiefe vereinbar und entsprächen einem Muster, das bereits während ähnlicher Episoden in den Monaten Februar, März und Juni beobachtet wurde. Weder kurzfristig noch mittelfristig habe sich nach Meinung der Wissenschaftler die Wahrscheinlichkeit eines Vulkanausbruchs erhöht. Dem Widerspreche ich erneut, denn jedes Schwarmbeben sowie die permanent erhöhte Seismizität der letzten Monate zeigen, dass sich Magma in der Tiefe ansammelt, wodurch sich natürlich die Wahrscheinlichkeit einer Eruption stetig erhöht.

INVOLCAN selbst bezeichnet die Episode als einen weiteren Beleg dafür, dass der Mechanismus hinter der seit Monaten erhöhten Seismizität unverändert anhält und bislang keine Anzeichen eines Abklingens erkennen lässt. Die derzeitige Aktivität markiert damit einen neuen Höhepunkt der anhaltenden seismisch-vulkanischen Unruhe auf Teneriffa.

Das IGN überwacht die Entwicklung mit seinem dichten Messnetz aus mehr als 100 Stationen kontinuierlich und hat die zuständigen Zivilschutzbehörden informiert. Neben der Seismizität werden auch Bodenhebungen sowie geochemische Veränderungen beobachtet, um mögliche Änderungen des Vulkansystems frühzeitig zu erkennen. Nach aktuellem Kenntnisstand bleibt die Aktivität jedoch Teil der bereits seit Monaten anhaltenden vulkanischen Unruhe unter dem Teide, ohne dass sich daraus derzeit eine erhöhte Eruptionsgefahr ableiten lässt.

Teneriffa: Erneut erhöhte Seismizität detektiert

Erdbebenaktivität unter Teneriffa erneut erhöht – Schwarmbebentätigkeit detektiert

Nachdem es in der letzten Woche einen Rückgang der Erdbebenaktivität gegeben hatte, obgleich das Niveau immer noch deutlich überdurchschnittlich war, zog die Seismizität in den letzten Tagen erneut an. Allein in den letzten 3 Tagen gab es ca. 40 Beben mit Magnituden ab 1,0. Die Anzahl schwächerer Erdbeben ist noch nicht bekannt. Der Großteil der Erdbebenaktivität konzentriert sich erneut auf den südwestlichen Bereich der Caldera Las Cañadas im Gipfelbereich des Vulkans Teide. Die Herdtiefen liegen zwischen 10 und 16 Kilometern und stehen mit dem Aufstieg magmatischer Fluide in Verbindung. Eine unmittelbare Ausbruchsgefahr gibt es noch nicht. Urlauber können ihre Sommerferien auf Teneriffa genießen, dennoch sollte man sich informiert halten.

Teneriffa. © IGN

Die Häufung der Erdbeben in einem begrenzten Gebiet sowie das Auftreten mehrerer kleiner Erdbebenschwärme ist auffällig und hängt mit dem seit gut 10 Jahren messbaren Wiederaufladungsprozess des Teide-Vulkans zusammen. Besonders am 21. und 22. Juli wurden zahlreiche Mikrobeben registriert, die in den Seismogrammen kleine Peaks erzeugen.

In der Vorwoche gab es weniger Erdbeben als in den Wochen davor, dennoch wurden unter Teneriffa 283 Erdbeben detektiert. Die maximale Magnitude betrug 2,0 bei einem Beben zwischen Teneriffa und Gran Canaria. Die gesamte dabei freigesetzte seismische Energie lag bei 0,007 Gigajoule.

Trotz der zunehmenden Unruhe zeigen andere Überwachungsdaten derzeit keine deutlichen Veränderungen. Nach Angaben von GUAYOTA wurden in der vergangenen Woche keine relevanten Bodenverformungen festgestellt. Die geochemischen Messungen zeigen weiterhin erhöhte diffuse Kohlendioxid-Emissionen. Seit 2016 wird ein Prozess der langsamen Druckzunahme im vulkanisch-hydrothermalen System beobachtet. Die Vulkanologen meinen, dass solche Prozesse in aktiven Vulkansystemen auf kurzen und mittleren Zeitskalen normal sein können.

Auf den anderen Inseln der Kanaren gab es ebenfalls einige Erdbeben, wobei die Aktivität insgesamt als niedrig eingestuft werden kann. So wurden auf La Palma nur 2 Erschütterungen detektiert.

Der vulkanische Alarmstatus bleibt auf allen Inseln unverändert: Die Warnstufen auf Teneriffa, El Hierro, Lanzarote und Gran Canaria stehen weiterhin auf Grün. Lediglich La Palma befindet sich aufgrund anhaltender Veränderungen nach der Eruption weiterhin auf Gelb. Die aktuelle Aktivität auf Teneriffa wird eng überwacht, liefert bislang jedoch keine eindeutigen Anzeichen für eine unmittelbar bevorstehende Eruption.

Kermadec: Erdbebenserie entlang der Plattengrenze

Erdbebenserie entlang der Tonga-Kermadec-Subduktionszone – seismische Aktivität auf einer der dynamischsten Plattengrenzen der Erde

Datum: 21.07.2026 | Zeit: 12:14:33 UTC | Koordinaten: -29.473 ; -176.892 | Tiefe: 10 km | Mw 5,6

Im Südpazifik ereignete sich innerhalb weniger Stunden eine wissenschaftlich interessante Serie von 6 moderaten bis starken Erdbeben. Die Epizentren reihen sich nahezu linienförmig wie Perlen einer Kette auf, die sich über mehr als 2.000 Kilometer Länge entlang der Tonga-Kermadec-Subduktionszone erstreckt. Das stärkste Beben erreichte am 21. Juli um 12:14 UTC eine Magnitude von 5,6 und lag in der zu Neuseeland gehörenden Kermadec-Region. Das Hypozentrum lag in nur 10 Kilometern Tiefe. Das Epizentrum befand sich 940 Kilometer südlich der tongaischen Hauptstadt Nukuʻalofa.

Tonga-Kermadec-Graben. © EMSC/Leaflet

Bereits zuvor hatte sich südlich der Kermadec-Inseln ein Erdbeben der Magnitude 5,0 ereignet. Wenige Stunden später folgte ein weiteres Beben der Magnitude 5,0 im Bereich der Samoa-Inseln. Ergänzt wurde die Serie durch ein Erdbeben der Magnitude 4,9 nördlich von Tonga, dessen Herd mit 114 Kilometern deutlich tiefer lag als die übrigen Ereignisse.

Die Anordnung der Erdbeben folgt der Tonga-Kermadec-Subduktionszone, einer fast 2.500 Kilometer langen Plattengrenze zwischen der Pazifischen und der Australischen Platte. Hier taucht die Pazifische Platte mit einer der weltweit höchsten Konvergenzraten von bis zu 24 Zentimetern pro Jahr unter die Australische Platte ab. Die dabei entstehenden Spannungen werden regelmäßig in Form von Erdbeben freigesetzt.

Besonders interessant ist der Unterschied zwischen den Herdtiefen. Die flachen Erdbeben bei den Kermadec-Inseln und Samoa entstanden vermutlich unmittelbar an der Plattengrenze oder in der oberen ozeanischen Kruste. Das tiefere Tonga-Beben dagegen ereignete sich innerhalb der bereits in den Erdmantel abgesunkenen Pazifischen Platte. Solche sogenannten Intraslab-Erdbeben entstehen durch Spannungen und Verformungen innerhalb der subduzierten Lithosphäre.

Obwohl die Erdbeben nahezu auf einer Linie liegen, gibt es derzeit keine Hinweise darauf, dass sie unmittelbar miteinander verbunden waren oder eine zusammenhängende Bruchausbreitung darstellen. Vielmehr verdeutlichen sie die außergewöhnlich hohe seismische Aktivität entlang dieser Plattengrenze. Die Tonga-Kermadec-Zone zählt weltweit zu den erdbebenreichsten Regionen und erzeugt regelmäßig starke Erschütterungen bis hin zu Magnituden über 8. Gleichzeitig speist die Subduktion einen ausgedehnten vulkanischen Inselbogen mit zahlreichen aktiven – teils untermeerisch liegenden – Vulkanen, wodurch die Region sowohl geologisch als auch vulkanologisch zu den aktivsten Gebieten der Erde gehört.

Vulcano: Erdbeben vor der Südküste des Vulkans

Erdbeben vor Vulcano – INGV sieht derzeit keine Anzeichen einer erneuten vulkanischen Zuspitzung

Unmittelbar vor der Südküste der Äolischen Insel Vulcano hat sich ein kleiner Erdbebenschwarm ereignet. Am 18. Juli ein kleiner Erdbebenschwarm ereignet. Innerhalb von knapp 20 Minuten registrierte das INGV fünf Erdstöße mit Magnituden zwischen 1,1 und 2,4. Die stärksten Beben erreichten Magnituden 2,3 und 2,4. Die Hypozentren lagen in Tiefen zwischen 11 und 19 Kilometern etwa 7 bis 9 Kilometer südöstlich von Porto di Ponente im Meeresgebiet vor der Insel. Bereits am 12. Juli war westlich von Vulcano ein weiteres Beben der Magnitude 1,4 registriert worden, während am 6. Juli ein kaum messbares Mikrobeben direkt im Bereich der Insel auftrat. Die Beben zeigen, dass sich nach einer ruhigen Phase innerhalb von 2 Wochen die Aktivität steigerte.

Vulcano

Die Lage der Erdbeben ist bemerkenswert, da sie sich nicht unter dem Bereich des Kraters befinden, sondern deutlich südöstlich in größerer Tiefe. Damit unterscheidet sich die Erdbebensequenz von den flachen Erdbebenschwärmen, die häufig mit Veränderungen im hydrothermalen System aktiver Vulkane verbunden sind. Stattdessen könnten tektonische Spannungen im Untergrund für die Erschütterungen verantwortlich sein. Tatsächlich manifestierten sich die Beben im Bereich der bekannten Tindari-Letojanni-Störungszone, obgleich die Tiefe der Erdbeben für tektonische Erschütterungen relativ groß ist. Nicht auszuschließen ist, dass die Erdbeben durch einen beginnenden Magmenaufstieg getriggert wurden, der die Störungszone aktivierte.

Das Monatsbulletin für den Juni, in dem das INGV die Überwachungsparameter veröffentlichte, zeigte, dass sich Vulcano insgesamt stabil verhielt, und enthüllte keine Anzeichen einer erneuten Verschärfung der Situation. Die Temperaturen der Fumarolen am Krater nahmen an einigen Messstellen leicht ab, während sie an anderen geringfügig zunahmen. Die höchste Temperatur lag bei 253 Grad.

Die Kohlendioxid- und Schwefeldioxid-Emissionen blieben auf einem mittleren Niveau, während die chemische Zusammensetzung der Gase keine Hinweise auf einen verstärkten Zustrom frischen Magmas in der Tiefe erkennen ließ. Wichtig bei der Einordnung der Werte ist, dass sich die einzelnen Werte im Vergleich zur Eskalation der Situation im letzten Jahr auf einem mittleren Niveau bewegen: Für einen Vulkan, der nicht eruptiert, sind sie sehr wohl noch hoch: Der Schwefeldioxid-Ausstoß liegt bei 2800 Tonnen am Tag, was mehr ist, als so mancher eruptierender Vulkan hervorbringt. Auch der Kohlendioxid-Ausstoß von fast 5900 g/Quadratmeter am Tag ist deutlich erhöht. Die Werte zeigen, dass es in Tiefen von ca. 5 Kilometern einen entgasenden Magmenkörper gibt.

Die Tiltstation SLT zeigt seit April eine kontinuierliche Änderung der Bodenneigung: Die X-Komponente nahm bis Anfang Juli um rund 15 Mikroradiant zu, während die Y-Komponente gleichzeitig um etwa 40 Mikroradiant abnahm. Ein solcher gegenläufiger Verlauf deutet auf eine langsame Kippbewegung des Untergrunds hin. Das INGV bewertet diese Entwicklung jedoch nicht als Zeichen einer vulkanischen Inflation. Auch die GNSS-Messungen zeigen keine signifikanten Bodenhebungen oder andere großräumige Deformationen.

Insgesamt spricht die Datenlage gegen eine unmittelbar bevorstehende Eruption. Dennoch bleibt Vulcano einer der am intensivsten überwachten Vulkane Italiens. Nach den Unruhephasen der Jahre 2021 bis 2022 und 2025 beobachten die Vulkanologen jede Veränderung des hydrothermalen Systems und der Seismizität weiterhin mit großer Aufmerksamkeit.

Kanada: Erdbeben Mw 5,6 vor Vancouver Island

Erdbeben der Magnitude 5,6 erschüttert Juan-de-Fuca-Platte vor Vancouver Island in Kanada

Datum: 20.07.2026 | Zeit: 06:41:31 UTC | Koordinaten: 49.533 ; -129.207 | Tiefe: 7 km | Mw 5,6

Vor der Westküste Kanadas hat sich am 20. Juli 2026 ein moderates, aber tektonisch interessantes Erdbeben ereignet. Der Erdstoß erreichte eine Magnitude von 5,6 und wurde um 06:41:31 UTC registriert. Das Epizentrum lag 190 Kilometer südwestlich von Port McNeill auf Vancouver Island. Der Erdbebenherd befand sich in nur 7 Kilometern Tiefe und damit innerhalb der oberen Erdkruste.

Kanada. © EMSC/Leaflet

Anders als viele stärkere Erdbeben an der Westküste Nordamerikas lag das Ereignis nicht direkt an der eigentlichen Cascadia-Subduktionszone, sondern im Inneren der angrenzenden Juan-de-Fuca-Platte. Das Epizentrum befand sich im nördlichen Bereich dieser ozeanischen Platte, die zwischen der Pazifischen und der Nordamerikanischen Platte liegt. Solche intraplatten Erdbeben entstehen durch die Spannungen, die sich innerhalb der deformierten ozeanischen Kruste aufbauen, während sich die Platte auf ihre Subduktionszone zubewegt.

Die Region vor Vancouver Island gehört zu den seismisch aktivsten Gebieten Kanadas. Die Juan-de-Fuca-Platte wird mit mehreren Zentimetern pro Jahr unter die Nordamerikanische Platte geschoben. Dieser Prozess findet an der Cascadia-Subduktionszone statt, einer mehrere hundert Kilometer langen Störungszone vor der Küste von British Columbia, Washington und Oregon in den USA, wo es ebenfalls häufig bebt.

Besondere Aufmerksamkeit erhält die Region, weil Geowissenschaftler hier langfristig ein sogenanntes Megabeben erwarten. Die Cascadia-Zone kann Spannungen über Jahrhunderte speichern und anschließend in einem sehr starken Erdbeben entladen. Das letzte bekannte große Ereignis ereignete sich am 26. Januar 1700 und hatte schätzungsweise eine Magnitude von etwa 9,0. Es löste einen Tsunami aus, der sogar die Küste Japans erreichte. Ein vergleichbares Megaerdbeben heute hätte wahrscheinlich dramatische Auswirkungen auf die Region und Küsten entlang des nördlichen Pazifiks.

Das aktuelle Beben der Magnitude 5,6 steht jedoch nicht unmittelbar mit einer bevorstehenden großen Ruptur der Cascadia-Zone in Verbindung. Es zeigt vielmehr, dass das gesamte Plattensystem vor Vancouver Island weiterhin aktiv ist und zunehmend unter Spannungen gerät. Schäden oder nennenswerte Wahrnehmungen wurden wegen der abgelegenen Lage des Epizentrums bislang nicht gemeldet.

Peru: Mindestens 5 Tote durch Erdbeben Mw 5,5

Erdbeben der Magnitude 5,5 erschüttert Peru – Tote und Schäden in der Region Junín

Datum: 19.07.2026 | Zeit: 02:24:36 UTC | Koordinaten: -12.052 ; -75.287 | Tiefe: 5 km | Mw 5,5

Ein moderates bis starkes Erdbeben hat in der Nacht zum 19. Juli 2026 die zentralperuanische Andenregion Junín erschüttert. Nach Angaben des EMSC erreichte der Erdstoß eine Magnitude von 5,5. Die Erschütterung ereignete sich um 02:24:36 UTC, entsprechend 21:24 Uhr Ortszeit am 18. Juli. Das Epizentrum befand sich im Gebiet Central Peru, etwa 9 Kilometer westlich von Huancayo, einer Stadt mit rund 376.000 Einwohnern, und etwa 190 Kilometer östlich der Hauptstadt Lima.  Die Herdtiefe wurde mit 10 Kilometern angegeben, wodurch die Erdbebenenergie relativ oberflächennah freigesetzt wurde und starke Bodenbewegungen verursachen konnte.

Peru. © EMSC/Leaflet

Die Folgen des Bebens waren stärker, als man anhand der moderaten Magnitude vermuten würde. Besonders betroffen waren die ländlichen Gemeinden im Umfeld von Huancayo und Chupaca, darunter der Bezirk Chongos Bajo mit dem Ortsteil Pumpunya. Medienberichten zufolge kamen mindestens fünf Menschen ums Leben, zahlreiche weitere wurden verletzt. Mehrere Gebäude hielten den Erschütterungen nicht stand und stürzten teilweise ein oder erlitten schwere Schäden. Bilder dokumentierten, dass unter den beschädigten Gebäuden auch eine Kirche ist. Besonders anfällig waren traditionelle Häuser aus Lehmziegeln und Mauerwerk, die in vielen Andendörfern noch weit verbreitet sind. Zudem wurden Straßen durch herabstürzende Felsen und kleinere Hangrutsche beeinträchtigt.

Die Angst vor Nachbeben führte dazu, dass viele Bewohner ihre Häuser verließen und die Nacht im Freien verbrachten. Wegen der niedrigen Temperaturen in der hoch gelegenen Andenregion errichteten Familien provisorische Lager und machten Lagerfeuer, um sich warmzuhalten. Rettungskräfte und Behörden begannen mit der Erfassung der Schäden und warnten davor, instabile Gebäude zu betreten.

Tektonisch liegt Junín in einer der aktivsten Erdbebenzonen der Erde. Peru befindet sich am Pazifischen Feuerring, wo die ozeanische Nazca-Platte mit hoher Geschwindigkeit unter die kontinentale Südamerikanische Platte abtaucht. Diese Subduktion ist die Ursache für die gewaltige Gebirgsbildung der Anden und häufig auch für die Erdbeben des Landes. Der aktuelle Erdstoß stand aber nur indirekt mit dieser Subduktionszone in Verbindung, denn er manifestierte sich an einer lokalen Störungszone des Westlichen-Anden-Überschiebungssystems (West Andean Thrust System) am Rand der Anden.

Mexiko: Starkes Erdbeben Mw 7,3 vor der Küste

Starkes Erdbeben Mw 7,3 erschüttert Mexikos Pazifikküste – Tsunamiwarnung, Vulkane werden beobachtet

Datum: 17.07.2026 | Zeit: 14:48:41 UTC | Koordinaten: 14.687 ; -92.859 | Tiefe: 25 km | Mw 7,3

Ein starkes Erdbeben der Magnitude 7,3 hat die Pazifikküste des mexikanischen Bundesstaates Chiapas erschüttert. Das Epizentrum lag vor der Küste nahe der Grenze zu Guatemala im Bereich des Mittelamerikagrabens. Dort taucht die Cocos-Platte unter die Nordamerikanische Platte ab. Das Beben ereignete sich in mittlerer Tiefe und war in weiten Teilen Südmexikos sowie in Guatemala und El Salvador deutlich zu spüren. Obwohl die Erschütterungen vielerorts Panik auslösten und Gebäude vorsorglich evakuiert wurden, blieben größere Schäden nach ersten Berichten aus. Vorsorglich wurde Tsunami-Alarm gegeben.

Mexiko. © EMSC/Leaflet

Das Epizentrum wurde vom EMSC 47 km west-südwestlich von Puerto Madero in Mexiko verortet. Die Herdtiefe befand sich in 25 Kilometern, was zwar eine mittlere Tiefe ist, aber eigentlich zu tief für ein großes Tsunamirisiko. Dennoch wurden Wellen bis zu 1 m Höhe für möglich gehalten. Die Warnung wurde inzwischen aufgehoben.

Auf das Hauptbeben folgte eine intensive Nachbebenserie. Innerhalb von nur drei Stunden registrierten die Seismometer mindestens acht mittelstarke bis starke Nachbeben. Bereits 30 Minuten nach dem Hauptstoß ereignete sich ein Nachbeben der Magnitude 6,0 in 10 Kilometern Tiefe, gefolgt von mehreren Erschütterungen über Magnitude 5. Die räumliche Konzentration der Beben auf ein relativ kleines Gebiet vor der Küste spricht dafür, dass sich entlang derselben Bruchzone weitere Spannungen abbauen. In den kommenden Tagen und Wochen ist mit weiteren Nachbeben zu rechnen.

Tektonisch ist die Erdbebenserie typisch für die aktive Subduktionszone vor Südmexiko. Die ozeanische Cocos-Platte bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von etwa sieben bis acht Zentimetern pro Jahr unter die Nordamerikanische Platte. Dabei bauen sich enorme Spannungen auf, die sich schließlich in Form von Erdbeben entladen. Gleichzeitig speist die Subduktion den mittelamerikanischen Vulkanbogen, zu dem zahlreiche aktive Vulkane gehören, von denen mehrere im Wirkungskreis des Bebens liegen.

Dem Epizentrum am nächsten liegt der Vulkan Tacaná, dessen Gipfel ca. 90 Kilometer nordöstlich des Epizentrums aufragt. Wissenschaftliche Untersuchungen belegten bereits nach dem großen Chiapas-Erdbeben von 2017, dass  sich die Erschütterungen auf die Seismizität des Vulkans auswirkten und ihrerseits vulkanotektonische Beben am Vulkan triggerten, allerdings blieb eine Eruption aus.

Auch der etwa 175 Kilometer entfernte Santiaguito in Guatemala dürfte besonders aufmerksam überwacht werden. Der Lavadom gehört zu den aktivsten Vulkanen Mittelamerikas und befindet sich in einer kontinuierlichen Eruptionsphase. Ob sich das aktuelle Erdbeben tatsächlich auf die vulkanische Aktivität auswirkt, werden die Messdaten der kommenden Tage zeigen. Nach dem derzeitigen Kenntnisstand gibt es jedoch keine Hinweise auf bevorstehende neue Vulkanausbrüche.

Neuseeland: Erdbebenserie erschütterte die Südinsel

Erdbebenserie erschüttert den Süden der neuseeländischen Südinsel – Stärkstes Beben Mw 5,9

Datum: 16.07.2026 | Zeit: 09:14:54 UTC | Koordinaten: -45.025 ; 167.665 | Tiefe: 68 km | Mw 5,9

Eine Serie von Erdbeben hat am Donnerstagmorgen den äußersten Süden der neuseeländischen Südinsel erschüttert. Die stärkste Erschütterung erreichte eine Magnitude von 5,9 und ereignete sich um 09:14 UTC in ca. 68 Kilometern Tiefe. Innerhalb der folgenden 30 Minuten registrierten die seismischen Netzwerke mindestens sieben weitere Nachbeben mit Magnituden zwischen 3,2 und 4,1. Die Epizentren lagen dicht beieinander westlich der Region Fiordland und wurden vom EMSC 38 km nord-nordwestlich von Te Anau verortet. Die Daten sind als vorläufig anzusehen und könnten korrigiert werden.

Update: Die Werte wurden korrigiert und hier ergänzt. Zuerst wurde ein Beben Mb 5,6 gemeldet. Zudem wurde vorsorglich Tsunamialarm gegeben.

Neuseeland. © EMSC/Leaflet

Das EMSC erhielt zahlreiche Wahrnehmungsmeldungen von Bebenzeugen. Die meisten beschrieben das Hauptbeben als deutlich spürbar, aber vergleichsweise sanft. Häufig wurde von einem kurzen Ruck mit anschließendem rollenden Schütteln von bis zu 15 Sekunden Dauer berichtet. In Orten im Süden der Südinsel schwankten Möbel und Lampen, vereinzelt fielen kleinere Gegenstände um. Schäden wurden zunächst nicht bekannt. Die Intensität der Erschütterungen nahm mit der Entfernung vom Epizentrum schnell ab.

Tektonisch sind die Erdbeben Teil der äußerst aktiven Plattengrenze zwischen der Australischen und der Pazifischen Platte. Im Bereich von Fiordland geht die überwiegend seitliche Bewegung entlang der Alpine Fault weiter nördlich in die Puysegur-Subduktionszone über. Dort taucht die Australische Platte unter die Pazifische Platte ab. Dieser Übergangsbereich gehört zu den seismisch aktivsten Regionen Neuseelands und erzeugt regelmäßig mittelstarke bis starke Erdbeben. Die Herdtiefe des Hauptbebens von 60 Kilometern spricht dafür, dass der Bruch innerhalb der absinkenden Platte stattfand.

Die Nachbeben sind ein typisches Merkmal solcher Ereignisse. Sie entstehen, weil sich das Spannungsfeld in der Erdkruste nach dem Hauptstoß neu verteilt. Dass mehrere Erschütterungen innerhalb kurzer Zeit auftraten, deutet daher nicht zwangsläufig auf eine weitere Eskalation hin, sondern entspricht dem üblichen Verlauf einer Nachbebenserie.

Neuseeland liegt auf dem Pazifischen Feuerring und zählt weltweit zu den Regionen mit der höchsten seismischen Aktivität. Der Vulkanismus Neuseelands konzentriert sich allerdings auf die Nordinsel und es gibt keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Erdbeben im Süden und den Vulkanen im Norden. Dort ist in den letzten Monaten vor allem der Whakaari auf White Island aktiv gewesen und emittiert viel Gas mit gelegentlichem Ascheinhalt. Der Alarmstatus steht auf 2.

Philippinen: Erdbeben Mw 6,2 löste Tsunamialarm aus

Starkes Erdbeben erschütterte erneut den Süden der Philippinen – Kurzzeitig Tsunamialarm ausgerufen

Datum: 14.07.2026 | Zeit: 15:49:41 UTC | Koordinaten: 5.362 ; 125.200 | Tiefe: 55 km | Mw 6,2

Ein starkes Erdbeben der Magnitude 6,2 hat am späten Dienstagabend die Küstenregion südlich der philippinischen Insel Mindanao erschüttert. Das Hypozentrum lag nach Angaben des EMSC in 55 Kilometern Tiefe, etwa 84 Kilometer südöstlich von General Santos. Das philippinische Institut DOST-PHIVOLCS bestimmte eine Magnitude von 6,3 bei einer Herdtiefe von 33 Kilometern und lokalisierte das Epizentrum vor der Küste von Davao Occidental.

Philippinen. © EMSC/Leaflet

Das Beben ereignete sich um 23:49 Uhr Ortszeit und war in weiten Teilen des südlichen Mindanao deutlich zu spüren. Vorsorglich veröffentlichte DOST-PHIVOLCS unmittelbar nach dem Ereignis eine Tsunami-Warnung für die Küstengebiete der Provinzen Sarangani und Davao Occidental sowie für die Stadt General Santos. Die Behörden warnten vor möglichen geringfügigen Meeresspiegelschwankungen und empfahlen Anwohnern in Küstennähe erhöhte Aufmerksamkeit. Während einer dreistündigen Beobachtungsphase überwachten Pegelmessstationen die Entwicklung des Meeresspiegels. Da weder Messstationen noch Augenzeugen ungewöhnliche Wellen registrierten, wurde die Warnung kurz nach Mitternacht (Ortszeit) wieder aufgehoben.

Nach ersten Berichten liefen zahlreiche Menschen aus Gebäuden ins Freie. Vereinzelt wurden herabgefallene Gegenstände und kleinere Gebäudeschäden gemeldet. Größere Zerstörungen oder Todesopfer wurden nicht bekannt. Aufgrund der Magnitude rechnen Seismologen mit weiteren Nachbeben.

Die Region war bereits vor wenigen Wochen von einer schweren Erdbebenkatastrophe heimgeuscht worden. Am 8. Juni 2026 ereignete sich nahezu am selben Abschnitt der Plattengrenze ein Erdbeben der Magnitude 7,8. Dabei kamen mindestens 35 Menschen ums Leben, Hunderte wurden verletzt, Gebäude stürzten ein und Erdrutsche richteten schwere Schäden an. General Santos wurde besonders stark getroffen. Das Hauptbeben löste zudem einen kleinen Tsunami aus und zog eine intensive Nachbebensequenz nach sich. PHIVOLCS registrierte bereits unmittelbar nach dem Hauptbeben zahlreiche Nachbeben, die sich über Wochen fortsetzten. Auch in den Tagen vor dem jetzigen Erdbeben war die Region weiterhin seismisch aktiv, sodass sich das aktuelle Ereignis in eine anhaltende Erdbebenserie einfügt.

Tektonisch gehört Süd-Mindanao zu den aktivsten Erdbebengebieten der Erde. Hier treffen die Philippinische Seeplatte, die Sunda-Platte und mehrere Mikroplatten aufeinander. Entlang des Mindanao-Grabens und der Cotabato-Subduktionszone wird ozeanische Kruste in den Erdmantel geschoben. Die dabei entstehenden Spannungen entladen sich regelmäßig in starken Erdbeben. Die vergleichsweise große Herdtiefe des aktuellen Bebens deutet darauf hin, dass der Bruch innerhalb der bereits abtauchenden ozeanischen Platte stattfand. Solche intermediären Erdbeben sind oft über große Entfernungen spürbar, verursachen an der Oberfläche jedoch meist geringere Schäden als flachere Ereignisse vergleichbarer Magnitude.

Vulkane im Wirkungskreis der Erdbeben

Die Philippinen und das angrenzende Indonesien sind Teil des Pazifischen Feuerrings und als solche nicht nur von Erdbeben betroffen, sondern auch von Vulkanausbrüchen. Auf den Philippinen sind aktuell Bulusan, Kanlaon, Mayon und Taal aktiv bzw. stehen unter besonderer Beobachtung der Vulkanologen. Im Norden Indonesiens machen gerade Awu und Karangetang von sich reden, aber auch Dukono und Ibu. Diese Vulkane liegen im Wirkungskreis der starken Erdbeben in Südmindanao und könnten entsprechend auf die Erschütterungen reagieren.