Griechenland: Schwarmbeben vor Kefalonia

Schwarmbeben erschüttert griechische Urlaubsinsel Kefalonia

Datum 04.03.2024 | Zeit: 19:18:49 UTC | Lokation: 38.4720.37 | Tiefe: 10 km | Mb 4,5

In einer Bucht im Norden der griechischen Urlaubsinsel Kefalonia manifestieren sich die Epizentren eines Schwarmbebens, das bereits seit mehreren Tagen anhält und aus zahlreichen Einzelbeben besteht. Das stärkste Beben hatte laut GFZ eine Magnitude von 4,5 und ein Hypozentrum in 10 km Tiefe. Gestern gab es ein Beben Mb 3,9  in 9 km Tiefe, dessen Epizentrum 24 km nordnordwestlich der Inselhauptstadt Argostoli verortet wurde. Dort leben knapp 10.000 Menschen. Sie konnten diese und weitere Erschütterungen mit Magnituden im Dreierbereich deutlich wahrnehmen.

Die Bucht, unter der die Erde bebt, ist der Golf von Myrtos. Die Strände der Bucht sind legendär und zählen zu den Schönsten der Welt. Dieser Umstand ist dem starken Kontrast zwischen ungewöhnlich weißem Sandstrand und türkisfarbenem Meer geschuldet. Der weiße Sandstrand rührt von der besonderen Geologie von Kefalonia her: Die Größte der Ionischen Inseln besteht zum größten Teil aus zerklüftetem Kalkgestein, das von der Brandung des Mittelmeeres zu Sand erodiert wird.

Tektonisch betrachtet wird die Insel von der Kefalonia-Transformstörungszone dominiert, die vor der Westküste der Insel verläuft und grob in Nord-Südrichtung streicht. Vor dem Golf von Myrtos beschreibt sie einen kleinen Schlenker gen Osten, so dass sie sich dem Küstenverlauf annähert. Diese Blattverschiebung zeigt sich für den aktuellen Erdbebenschwarm verantwortlich.

Im Jahr 1953 gab es in der Region ein starkes Erdbeben Mw 6,8, das die gesamte Insel um 60 Zentimeter anhob und große Schäden verursachte. Mehrere hundert Menschen starben. Auch in der jüngeren Vergangenheit gab es starke Erdbeben, zuletzt im Jahr 2014. So ist es nicht verwunderlich, wenn die aktuelle Erdbebenserie Ängste vor einem Starkbeben schüren, das sich in naher Zukunft ereignen könnte. Während die Beben einerseits als Vorbeben eines stärkeren Ereignisses interpretiert werden könnten, besteht auch die Möglichkeit, dass sie ein Starkbeben verhindern, indem die vielen schwächeren Beben Spannungen im Untergrund abbauen. Nach wie vor lassen sich Erdbeben wissenschaftlich nicht exakt vorhersagen. Somit bleibt Raum für Spekulationen.

Campi Flegrei: Übung für die Erdbeben-Katastrophe

Mehrtägige Notfallübung des Katastrophenschutzes in der Caldera des italienischen Supervulkans geplant

Aufgrund der anhaltenden Bradyseismos-Phase in der Caldera des süditalienischen Supervulkans Campi Flegrei bei Pozzuoli wird in diesem Frühling eine groß angelegte Notfallübung des Katastrophenschutzes durchgeführt. An mehreren Tagen zwischen April und Mai sollen hunderte Mitarbeiter des Katastrophenschutzes, Freiwillige und Teile der Bevölkerung der Campi Flegrei an den Übungen für den Katastrophenfall beteiligt werden. Trainiert werden drei Erdbeben-Szenarien, die von der Entstehung von leichten Schäden bis zu großen Zerstörungen reichen, bei denen Verkehrswege, Kommunikations- und Versorgungsleitungen der Gegend gekappt werden. Außerdem werden Evakuierungsübungen durchgeführt.

Grund für diese Maßnahme ist die anhaltende Erdbebentätigkeit in der Caldera, die mit einer signifikanten Bodenhebung einhergeht. Beides wird aller Wahrscheinlichkeit nach durch die Intrusion magmatischer Fluide verursacht, die aus größerer Tiefe aufsteigen und das Hydrothermalsystem des Calderavulkans anheizen. Bei den Fluiden handelt es sich in erster Linie um Gas und Wasserdampf. Inwieweit Magma zur Bodenhebung beiträgt ist wissenschaftlich nicht geklärt. Daher wird in den Katastrophenszenarien der Erdbebenfall geübt, nicht aber ein Vulkanausbruch.

Rote Gefahrenzone von Campi Flegrei und Pozzuoli

Zusätzlich zu den Katastrophenübungen sollen Gebäudeinspektionen im roten Risikogebiet durchgeführt werden, um deren Erdbebenanfälligkeit einzuschätzen. Das Gleiche gilt auch für unterirdische Leitungen: Wasser- und Abwassernetze wurden in den letzten Monaten aufgrund der Bodenerhöhung beschädigt. Gas- und Stromleitungen sollen aber in einem guten Zustand sein, da hier schon moderne Technologien eingesetzt wurden.

Übrigens leben in der roten Zone ca. 500.000 Menschen. Im gesamten Gefahrengebiet sind es 840.000 Personen, die in der Campi Flegrei von einer Katastrophe direkt betroffen wären. Unnötig zu erwähnen, dass sich starke Erdbeben auch auf den gesamten Raum Neapel auswirken würden.

Im Durchschnitt hebt sich der Boden in der Caldera bis zu einem Zentimeter pro Monat. So sind seit 2011 bereits 116 Zentimeter Bodenhebung zusammengekommen.

In der letzten Woche gab es wieder überdurchschnittlich viele schwache Erdbeben. Das INGV meldete in seinem jüngsten Bulletin 50 Beben. Das Stärkste hatte eine Magnitude von 3,2 und konnte von der Bevölkerung wahrgenommen werden.



Erdbeben und Überflutungen treffen den Iran

Erdbeben Mw 5,4 erschüttert den Iran und trifft überflutetes Gebiet

Datum 05.03.2024 | Zeit: 04:20:11 UTC | Lokation: 27.052 ; 59.413 | Tiefe: 10 km | Mw 5,4

Heute Morgen erschütterte ein Erdbeben der Magnitude 5,4 den Süden des Irans. Der Erdstoß kann als moderat bis stark eingestuft werden und ausreichend stark, um Schäden an der Infrastruktur hervorzurufen. Entsprechende Meldungen gibt es aber noch nicht. Das Hypozentrum befand sich in einer Tiefe von 10 Kilometern. Das Epizentrum wurde 58 km nordwestlich von Fannūj verortet. In dem Ort in der Provinz Sistan und Belutschistan leben gut 13.000 Menschen. Die Daten stammen vom EMSC und könnten noch korrigiert werden.

Das Erdbeben ist nicht die einzige Naturkatastrophe, mit der die Menschen der Provinz Sistan und Belutschistan aktuell zu kämpfen haben, denn in den letzten Tagen wüteten in der ansonsten trockenen Region heftige Unwetter. Sie sorgten für Überschwemmungen, die bis ins angrenzende Pakistan hineinreichen. Vielerorts brach die Strom- und Wasserversorgung zusammen. Davon ist auch die pakistanische Hafenstadt Gwadar betroffen, die ein wichtiges Handelszentrum am Golf von Oman darstellt.

In Gwadar wurden letzte Woche Zehntausende Menschen aufgrund der Überflutungen evakuiert. Sie wurden mit Hilfe des Militärs in Sicherheit gebracht. In den letzten Jahren wurde die Region besonders häufig von Überflutungen katastrophalen Ausmaßes betroffen. Meteorologen sehen einen Zusammenhang mit dem Klimawandel.

Auch Erdbeben gibt es in der Region am Golf von Oman oft. Häufig verursachen bereits moderate Erdstöße Schäden und Todesopfer. Grund für die Erdbeben ist die konvergente Plattengrenze zwischen der Arabischen Platte und dem Eurasischen Kontinent. Der aktuelle Erdstoß manifestierte sich allerdings nicht direkt an der Küste, sondern etwas weiter im Landesinneren, hinter der Makran-Subduktionszone. Dort verlaufen lokale Störungszonen, die einerseits ein Back-Arch-Basin abgrenzen und andererseits mit der Zendan-Transformstörung assoziiert sein könnten. Die Tektonik des Irans ist sehr komplex und wird von zahlreichen Erdkrustenblöcken bestimmt, in denen die Erdkruste hier zerbrochen ist. Entlang der Grenzen der Blöcke manifestieren sich häufig die Erdbeben.

Erdbeben Mw 6,7 erschüttert Macquarie-Insel nahe Antarktis

Starkes Erdbeben in der Nähe der subantarktischen Macquarie-Insel

Datum 03.03.2024 | Zeit: 16:16:57 UTC | Lokation: -59.371 ; 159.026 | Tiefe: 10 km | Mw 6,7

Die Region der entlegenen Vulkaninsel Macquarie wurde von einem starken Erdbeben der Magnitude 6,7 erschüttert. Das Hypozentrum lag in 10 km Tiefe. Das Epizentrum wurde 1547 km südsüdwestlich von Bluff in Neuseeland lokalisiert. Politisch betrachtet gehört die Insel zum australischen Bundesstaat Tasmanien und liegt etwa auf halben Weg zwischen Neuseeland und der Antarktis. Die höchste Erhebung der Insel wird vom Mount Hamilton gebildet. Bei dem etwa 430 m hohen Berg handelt es sich um einen Vulkan aus Basalt, der vor ca. 600.000 Jahren aktiv war. Eine Gefahr, dass der Vulkan durch das Erdbeben wieder aktiv werden könnte, besteht praktisch nicht. Allerdings könnte es submarine Vulkane geben, die aktiviert werden könnten.

Die Insel liegt auf dem mittelozeanischen Rücken, der die kontinentale Naht zwischen Australien, der Antarktis und der Platte des Pazifiks markiert. Die Plattengrenze ist divergent, was bedeutet, dass sich die Kontinentalplatten voneinander entfernen. Für ein Beben an einem divergenten Ozeanrücken war der Erdstoß ungewöhnlich stark.

Mount Hamilton ist nicht der einzige Vulkan im Einzugsbereich der Antarktis: bekannter sind hier die beiden aktiven Vulkane Big Ben, der auch Mawson Peak genannt wird und auf Heard Island liegt, sowie der Mount Erebus auf der antarktischen Ross-Insel. Beide Vulkane sind für ihre Lavaakkumulationen im Krater bekannt. Bei der Akkumulation im Erebus handelt es sich um einen kleinen Lavasee, während es sich im Schlot des Big Ben vermutlich eher um eine Lavalinse handelt.

Macquarie Island liegt nahe am Rand des versunkenen Kontinents Zealandia, wird jedoch nicht als Teil davon betrachtet, da es sich beim Macquarie Ridge eher um eine ozeanische Kruste als um eine kontinentale Kruste handelt.

Es ist der einzige Ort auf der Erde, an dem Gesteine aus dem Erdmantel aktiv über den Meeresspiegel freigelegt werden. Diese einzigartigen Freilegungen umfassen hervorragende Beispiele von Kissenbasalten und anderen extrusiven Gesteinen. Aufgrund dieser einzigartigen geologischen Lage wurde es 1997 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.

Campi Flegrei mit Erdbeben am 03.03.24

Erdbeben M 3,4 nahe der Solfatara sorgt für Aufregung in Pozzuoli

Datum 03.03.2024 | Zeit: 09:01:55 UTC | Lokation: 40.8165 ; 14.159 | Tiefe: 2,94 km | Mb 3,4

Heute Morgen ereignete sich in der Caldera Campi Flegrei ein spürbares Erdbeben der Magnitude 3,4. Der Erdstoß wurde um 10.02 Uhr Ortszeit in einer Tiefe von fast 3 Kilometern lokalisiert. Das Epizentrum befand sich südöstlich der Solfatara im Küstenbereich der Via Napoli zwischen Pozzuoli und Bagnoli. Das Erdbeben konnte von den Anwohnern der Region deutlich wahrgenommen werden und sorgte einmal mehr für Beunruhigungen. Obwohl der Erdstoß in den lokalen Medien als stark beschrieben wird, handelte es sich noch um ein schwaches, bestenfalls als moderat einzustufendes Erdbeben, das gerade oberhalb der Wahrnehmbarkeitsschwelle lag. Das Attribut „stark“ kann man höchstens insofern anwenden, als dass Erdbeben größer als 3 im Zusammenhang mit der aktuellen Aktivität relativ selten sind. Es ist also stärker als die Mehrzahl der üblichen Beben, von denen es auch wieder mehrere gab. Seit gestern registrierte das seismische Netzwerk des INGVs 29 Beben, von denen die meisten Magnituden im Bereich der Mikroseismizität hatten.

Polizei und Katastrophenschutz suchen nach Schäden

Es wurden bislang keine Schäden gemeldet und eigentlich sind auch keine nennenswerten Schäden zu erwarten. Trotzdem wurde direkt nach dem Ereignis damit begonnen, Kontrollen in der gesamten Stadt durchzuführen. Sie werden in Zusammenarbeit von Polizei und Zivilschutz durchgeführt. Auch wenn das Erdbeben für sich genommen zu schwach war, um größere Schäden zu verursachen, so kann es im Laufe der Zeit doch zu Schäden an der Infrastruktur kommen, da die zahllosen schwachen Erschütterungen und nicht zuletzt die damit einhergehenden Bodenbewegungen den Untergrund destabilisieren können, wodurch klassische „Bergbauschäden“ entstehen können.

Das aktuelle Erdbeben steht im Zusammenhang mit dem Bradyseismos und kann eine Folge von Gesteinsbruch aufgrund der Ansammlung magmatischer Fluide in der Tiefe sein. Mit ein Grund dafür, dass die wahrnehmbaren Erdbeben im Golf von Pozzuoli bei der Bevölkerung Sorgen vor einem Vulkanausbruch schüren. Ob die Sorgen berechtigt sind, darüber sind sich die Wissenschaftler nicht einig, doch der Grundtenor ist, dass zumindest kurzfristig gesehen kein Vulkanausbruch bevorsteht. Auf längerer Sicht besteht aber die Möglichkeit, weshalb bereits erste Vorkehrungen zum Schutz der Bevölkerung getroffen wurden. Ob diese ausreichen ist eine andere Frage.

Die alten Säulen des Marcellums aus der Römerzeit, tragen Spuren von Bohrmuscheln. Sie belegen, dass die Säulen früher teilweise im Meer standen und sich der Boden soweit abgesenkt hatte.

Campi Flegrei und die Erdbeben am 27.02.24

Seismische Aktivität bleibt erhöht – Bodenhebung bei 10 mm im Monat

Bodenhebung und Seismizität halten auch diese Woche im Bereich des süditalienischen Calderavulkans Campi Flegrei an. Seit dem 25. Februar haben sich 27 schwache Erdstöße ereignet. Viele der Beben lagen südöstlich der Solfatara. Die meisten Beben hatten Magnituden im Bereich der Mikroseismizität. Der stärkste Erdstoß brachte es auf Mb 1,6 in 2,2 km Tiefe. Das Epizentrum dieses Bebens lag westlich der Solfatara.

Dem heute veröffentlichten Wochenbericht des INGVs ist zu entnehmen, dass es auch während des Beobachtungszeitraums vom 19. bis 25. Februar 2024 zahlreiche Erdbeben gab. Es wurden 32 Erschütterungen registriert. Die Stärkste brachte es auf Mb 1,8. Auffällig ist, dass die etwas stärkeren Erdbeben überwiegend in Tiefen von mehr als 2 km lagen und sich im unteren Bereich des Hydrothermalsystems abspielen, wo es bereits an die stabilere Gesteinsschicht stößt, die ein ernstes Hindernis für magmatische Fluide darstellt.

Die Bodenhebung betrug auch in der vergangenen Woche 10 mm pro Monat. Seit 2011 hob sich der Boden um 1155 mm. Die Hebungsrate ist stabil geblieben. Am deutlichsten tritt die Hebung entlang der Küste in Augenschein, wo der Meeresboden im Hafen von Pozzuoli bereits so weit angehoben wurde, dass er sich in einem Bereich zumindest bei Ebbe Überwasser befindet. Davon konnte ich mich erst vor 2 Wochen selbst überzeugen. Auch die Spundwände erheben sich viel höher aus dem Wasser, als ich es von früheren Besuchen in Erinnerung hatte.

Es gab keine nennenswerten Schwankungen in der Geochemie der Gase. Das Gleiche gilt für die Temperatur der Pisciarelli-Fumarole, deren Durchschnittswerte bei 95 Grad lagen. Der Vulkan befindet sich nach wie vor in einer Tätigkeitsphase, die als Bradyseismos bezeichnet wird. Der Motor hinter diesem Phänomen könnte ein sich vergrößernder Magmenkörper sein, der tiefer als 5 Kilometer in der Erdkruste feststeckt.

Erdbeben M4,6 im Westen der Türkei

Erdbeben Mb 4,6 erschüttert Marmara-Region zwischen Izmir und Istanbul

Datum 27.02.2024 | Zeit: 13:09:57 UTC | Lokation: 40.291 ; 26.852 | Tiefe: 13 km | Mb 4,6

Heute Mittag manifestierte sich an der Küste des Marmara-Meeres in der Türkei ein moderates Erdbeben der Magnitude 4,6. Das Hypozentrum befand sich in einer Tiefe von 13 Kilometern. Das Epizentrum wurde 20 km ostsüdöstlich von Gelibolu lokalisiert, einem Ort an der Küste des Marmarameeres. In dieser Region endet die große Nordanatolische Verschiebung, die sich für den Erdstoß verantwortlich zeigt. Ein Starkbeben im westlichen Teil der großen Blattverschiebung wird seit Jahren erwartet, und so könnte das moderate Beben ein Vorspiel zu einer stärkeren Erschütterung gewesen sein. Ob was nachkommt, werden die nächsten Tage und Wochen zeigen.

Der Erdstoß wurde in einem Umkreis von mehr als 200 Kilometern deutlich wahrgenommen und beim EMSC gingen zahlreiche Wahrnehmungsmeldungen ein. Besonders viele Bebenzeugen meldeten sich aus dem Ballungsraum Istanbul, wo latent eine gewisse Sensibilität in Bezug auf Erdbeben besteht, denn ein Starkbeben hier hätte katastrophale Folgen. Die Höhe der Opferzahlen würde wahrscheinlich jene der Erdbebensequenz von Gaziantep überschreiten, wo es vor einem Jahr zur Katastrophe kam und mehr als 57.000 Menschen ihr Leben verloren. Die Spuren der Katastrophe sind auch heute noch längst nicht alle beseitigt und der Wiederaufbau der Region hat erst begonnen. Dafür wurde dieser Tage ein Baumagnat wegen Pfusch am Bau verurteilt: Bauvorschriften waren nicht eingehalten worden, weswegen zahlreiche Gebäude wie Kartenhäuser einstürzten. Ähnliches wird bei einem starken Erdbeben am Marmarameer erwartet.

Doch nicht nur im Nordwesten der Türkei bebte es heute: nach wie vor gibt es viele Nachbeben entlang der Ostanatolischen Verwerfung, die sich für die Erdstöße im letzten Jahr verantwortlich zeigte. Fasst man die Shakemap des EMSC etwas weiter, dann sieht man auch zahlreiche Erschütterungen in der griechischen Ägäis, aber auch einige Beben nördlich von Sizilien. Hier möchte ich zwei Erschütterungen M 2,0 hervorheben, die sich östlich des Inselvulkans Stromboli im Tyrrhenischen Meer ereigneten. Auch östlich von Vulcano gab es ein Erdbeben.

Erdbebenserien bei den Azoren und den Kanarischen Inseln

Verlässt man den Mittelmeerraum Richtung Atlantik, dann erkennt man auf der Erdbebenkarte eine kleine Erdbebenserie, die sich bei den Azoren zutrug. Auch die Kanarischen Inseln waren nicht frei von Erschütterungen. Hier ereigneten sich mehrere schwache Beben zwischen den beiden Inseln Teneriffa und Gran Canaria. Auf El Hierro gab es ein Erdbeben M 2,4 in 11 km Tiefe.

Indonesien: Erdbeben MW 5,6 erschüttert Java

Erdbeben Mw 5,6 vor Sundastrait in Indonesien

Datum 25.02.2024 | Zeit: 13:07:03 UTC | Lokation: -7.34105.9 | Tiefe: 23 km | Mw 5,6

Gestern erschütterte ein Erdbeben der Magnitude 5,6 den südlichen Einfahrtsbereich zum Sundastrait. Die Meerenge liegt zwischen den beiden großen Inseln Java und Sumatra und beherbergt den Inselvulkan Anak Krakatau. Das Epizentrum wurde lokalisiert. Das Hypozentrum befand sich in 23 km Tiefe. Ein zweites Beben brachte es auf Mw 5,3 in 48 km Tiefe. Es gab zahlreiche Nachbeben. Die beiden Hauptbeben konnten in einem weiten Umfeld gespürt werden. Meldungen über Schäden liegen nicht vor.

Die Tektonik der Region wird durch die Subduktionszone am 2250 km langen Sundagraben geprägt. Entlang des bis zu 7290 m tiefen Grabens taucht die Australische Platte unter die kleineren Platten ab, die dem Eurasischen Kontinent vorgelagert sind. Dabei kommt es zu Spannungen im Untergrund, die durch Erdbeben abgebaut werden. Tiefe und Ort der aktuellen Beben sprechen dafür, dass sich die Beben aufgrund des Spannungsabbaus an einem bereits subduzierten Krustenstück ereigneten. In größeren Tiefen schmilzt die subduzierte Erdkruste partiell und es entsteht das Magma, das an den Vulkanen hinter der Subduktionszone als Lava eruptiert wird.

Einer der Vulkane, der seine Existenz diesem Prozess verdankt, ist der Inselvulkan Anak Krakatau. der ca. 120 km vom Epizentrum des aktuellen Erdbebens entfernt liegt. Eine Reaktion des Vulkans auf das Erdbeben gab es bis jetzt allerdings nicht, könnte aber noch erfolgen. Momentan ist die vulkanisch bedingte Seismizität am Anak Krakatau moderat, mit bis zu 50 schwachen Beben am Tag. Bis Anfang des Monats war sie deutlich höher und während des Januars wurden täglich über 200 vulkanisch bedingte Beben festgestellt. Sie zeugten von unterirdischen Bewegungen Magmatischer Fluide, ein Indiz dafür, dass sich im Speichersystem des Vulkans eine größere Menge Schmelze gesammelt haben könnte. Eruptionen sind somit nicht ausgeschlossen.

Island Erdbeben bei Svartsengi, Fagradalsfjall und Bardarbunga

Bardarbunga mit Erdbeben Mb 3,1

Datum 23.02.2024 | Zeit: 18:57:46 UTC | Lokation: 64.623 ; -17.397 | Tiefe: 7,8 km | Mb 3,1

Seismisch gesehen ist auf Island heute wieder einiges los. Insgesamt registrierte IMO innerhalb von 48 Stunden 139 Erschütterungen auf der Insel im Nordatlantik. Das stärkste Einzelbeben brachte es auf eine Magnitude von 3,1 und manifestierte sich am Ostrand der Bardarbunga-Caldera. Das Hypozentrum befand sich in fast 8 Kilometern Tiefe. Ein größerer Erdbebenschwarm bliebt aus und auch der benachbarte Vulkan Grimsvötn zeigte sich vergleichsweise ruhig. Beide Vulkane liegen unter dem Gletscher Vatnajökull. Er bildet die größte zusammenhängende Eismasse Europas und ist doppelt von Eisschmelze bedroht: einmal sorgt die geothermale Energie des Eises für Eisschwund, zum anderen setzt der Klimawandel dem Eisbestand des Gletschers zu. So habe ich in den letzten Jahrzehnten selbst beobachten können, wie sich die Gletscherzungen immer weiter zurückziehen und wie es immer weniger Eisberge auf der Gletscherlagune Jökulsarlon gibt. Wo ich früher das Ballet der Eisberge filmen konnte, dümpeln heute nur noch ein paar Eisklötze wie in einem Longdrinkglas rum.

Neben den Erdbeben unter dem Vatnajökull interessieren uns Vulkanspotter natürlich die Erschütterungen auf der Reykjaneshalbinsel, die als Indikatoren für Bodenhebung und Magmenaufstieg gelten. In den letzten Stunden gab es an verschiedenen Spaltensystemen der Halbinsel Erdbeben. Am prägnantesten waren sie im Svartsengi-Gebiet, südwestlich des Fagradalsfjalls und im Krysuvik-System. Hier wurden 110 Beben festgestellt, die in kleinen Schwärmen auftraten. während bei Svartsengi sicher ist, dass die Erdbeben im direkten Zusammenhang mit der Magmenintrusion stehen, bleibt die Ursache der Erschütterungen an den beiden anderen Lokationen unklar. Ich halte es für wahrscheinlich, dass die Erschütterungen am Fagradalsfjall und im Krysuvik-Spaltensystem wenigstens indirekt mit den Magmenbewegungen bei Svartsengi im Zusammenhang stehen, da die enormen Bodenbewegungen dort das Spannungsfeld in einem größeren Umkreis beeinflussen und Störungszonen aktivieren können. Besonders am Fagradalsfjall können Erdbeben aber auch direkt eine Folge von Magmenbewegungen bleiben, da es hier eine leichte Bodenhebung gibt. So könnte es sein, dass wir bald auch hier wieder einen Vulkanausbruch sehen werden.