Neuer Erdbebenschwarm unter dem Teide: Tausende hybride Signale registriert
Unter dem Teide auf Teneriffa ist es zu einem weiteren Erdbebenschwarm von außergewöhnlicher Intensität gekommen. Seit meinem letzten Update am Mittwochabend (22. Juli) registrierte das seismologische Netzwerk von INVOLCAN bis heute Nachmittag rund 2.000 hybride seismische Ereignisse, die auf konventionellem Weg ausgewertet wurden. Moderne KI-Analysen werden voraussichtlich eine deutlich höhere Anzahl von Ereignissen aus den Seismogrammen identifizieren können. Zeitweise wurden mehr als 300 Signale pro Stunde aufgezeichnet. Keines der Beben wurde von der Bevölkerung verspürt.

Auf der Shakemap des EMSC sind die 15 stärksten Erdbeben verzeichnet, die Magnituden zwischen 1,0 und 2,0 erreichten. Das jüngste Ereignisse trat um 19:44 Uhr MESZ auf. Dies zeigt, dass der Erdbebenschwarm auch am Abend weiterhin aktiv ist, was sich ebenfalls in den öffentlich zugänglichen Seismogrammen des IGN widerspiegelt.
Wie bei den vorangegangenen Schwarmbeben konzentrieren sich die Epizentren auf den westlichen Bereich der Caldera Las Cañadas, insbesondere in den Gemeinden Guía de Isora, Vilaflor de Chasna und Santiago del Teide. Die Hypozentren liegen überwiegend in Tiefen zwischen 10 und 15 Kilometern unter dem Meeresspiegel.

Besonders auffällig ist die große Zahl sogenannter hybrider und langperiodischer Ereignisse. Diese unterscheiden sich von gewöhnlichen tektonischen Erdbeben, da sie sowohl Bruchprozesse im Gestein als auch die Bewegung magmatischer Fluide widerspiegeln können. Nach Angaben des IGN gehören die registrierten Signale einer klar identifizierbaren seismischen Familie an und weisen eine hohe gegenseitige Ähnlichkeit auf. Dies spricht für einen wiederkehrenden Prozess im magmatischen System des Vulkans.
Die Vulkanologen interpretieren die Signale als Ausdruck eines hydrothermalen Systems. Diese Interpretation erscheint zumindest für die angegebenen Tiefen von 10 bis 15 Kilometern fraglich. In diesem Tiefenbereich, nahe der Moho-Diskontinuität, sind die Temperaturen so hoch, dass sich das Gestein bereits in der Nähe der Solidustemperatur von Rhyolith befinden dürfte und somit teilweise aufgeschmolzen sein könnte. Ein reines Hydrothermalsystem erscheint dort daher wenig plausibel. Wahrscheinlicher wäre ein hydromagmatisches System, bei dem Fluide mit bereits teilweise geschmolzenem Gestein einer Kristall-Mush-Zone interagieren. Zusätzlich würde Wasser in einem überkritischen Zustand eines Hydrothermalsystems die Schmelztemperatur des Gesteins herabsetzen und die Bildung weiterer Schmelze begünstigen.
Sowohl INVOLCAN als auch das IGN verweisen darauf, dass derzeit keine Hinweise auf eine unmittelbar bevorstehende Eruption vorliegen. Die aktuellen Signale seien mit Fluidbewegungen in der Tiefe vereinbar und entsprächen einem Muster, das bereits während ähnlicher Episoden in den Monaten Februar, März und Juni beobachtet wurde. Weder kurzfristig noch mittelfristig habe sich nach Meinung der Wissenschaftler die Wahrscheinlichkeit eines Vulkanausbruchs erhöht. Dem Widerspreche ich erneut, denn jedes Schwarmbeben sowie die permanent erhöhte Seismizität der letzten Monate zeigen, dass sich Magma in der Tiefe ansammelt, wodurch sich natürlich die Wahrscheinlichkeit einer Eruption stetig erhöht.
INVOLCAN selbst bezeichnet die Episode als einen weiteren Beleg dafür, dass der Mechanismus hinter der seit Monaten erhöhten Seismizität unverändert anhält und bislang keine Anzeichen eines Abklingens erkennen lässt. Die derzeitige Aktivität markiert damit einen neuen Höhepunkt der anhaltenden seismisch-vulkanischen Unruhe auf Teneriffa.
Das IGN überwacht die Entwicklung mit seinem dichten Messnetz aus mehr als 100 Stationen kontinuierlich und hat die zuständigen Zivilschutzbehörden informiert. Neben der Seismizität werden auch Bodenhebungen sowie geochemische Veränderungen beobachtet, um mögliche Änderungen des Vulkansystems frühzeitig zu erkennen. Nach aktuellem Kenntnisstand bleibt die Aktivität jedoch Teil der bereits seit Monaten anhaltenden vulkanischen Unruhe unter dem Teide, ohne dass sich daraus derzeit eine erhöhte Eruptionsgefahr ableiten lässt.








