Tiefes Erdbeben Mw 6,6 erschüttert indonesische Region nahe der Sundastraße und dem Krakatau
Ein starkes und ungewöhnlich tiefes Erdbeben hat in der Nacht zum 12. September die Region nördlich von Java erschüttert. Nach Angaben des EMSC erreichte das Beben eine Magnitude von 6,6 und ereignete sich am 11. September um 21:23 UTC. Das Hypozentrum lag in 359 Kilometern Tiefe bei 5,09° südlicher Breite und 106,90° östlicher Länge. Damit befand sich das Epizentrum etwa 125 Kilometer nördlich von Jakarta und ca. 170 Kilometer östlich beziehungsweise nordöstlich des Vulkans Anak Krakatau, der in der Sundastraße liegt.

Obwohl die Magnitude als sehr stark einzustufen ist, blieb die Bodenbewegung an der Oberfläche wegen der großen Herdtiefe vergleichsweise gering. Dennoch gingen beim EMSC zahlreiche Wahrnehmungsmeldungen ein. In Bogor, rund 164 Kilometer vom Epizentrum entfernt, wurde ein leichtes Zittern registriert. Aus Cianjur wurde berichtet, dass das Beben deutlich spürbar war. In Kebontiwu beschrieb ein Beobachter das Beben als „groß“ und lang anhaltend. Auch in Kebumen an der Südküste Zentraljavas wurde ein kräftiges Schwanken wahrgenommen. Besonders bemerkenswert ist die große Reichweite der Erschütterungen: Selbst in Palembang auf Sumatra und in Singapur wurden Bewegungen registriert. Ein Beobachter in Singapur berichtete von klappernden Türen. In Padang wurde das Beben ebenfalls wahrgenommen, unter anderem von einem Hotelgast im zehnten Stock eines Hochhauses.
Tektonisch handelt es sich um ein sogenanntes Tiefenbeben. Die Region liegt über der abtauchenden Indisch-Australischen Platte, die unter den Sunda-Bogen und damit unter Java und Sumatra in den Erdmantel abtaucht. In fast 360 Kilometern Tiefe befindet sich der Erdbebenherd bereits weit innerhalb der subduzierten Platte. Das Ereignis steht daher nicht unmittelbar mit einer oberflächennahen Bewegung der Sundrastraße oder einem Bruch der Sunda-Megathrust-Zone in Verbindung.
Mögliche Auswirkungen des Bebens auf Anak Krakatau
Besonders interessant ist die Nähe zum weiterhin aktiven Anak Krakatau. Der Vulkan eruptiert seit Anfang September wiederholt und erzeugte zuletzt hohe Aschewolken. Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen dem tiefen Erdbeben und der aktuellen Eruption ist nicht erkennbar. Die große Herdtiefe spricht vielmehr für einen tektonischen Prozess innerhalb der subduzierten Platte. Dennoch sind hier die gleichen Kräfte am Werk, die auch für die Schmelzbildung verantwortlich sind und Magma erzeugen, das an Vulkanen wie dem Krakatau eruptiert wird.
Starke Erdbeben können sich auf die Aktivität von Vulkanen auswirken. Eine Reaktion des Krakatau auf dieses tiefe Erdbeben ist bis jetzt allerdings nicht zu erkennen. Die Seismizität des Vulkans hat weiter abgenommen und ist nur noch leicht erhöht.
Das VAAC Darwin meldet weiterhin kleine Aschewolken, die vom Krakatau ausgehen und zuletzt FL 050 erreichten, was 1500 m über dem Meeresspiegel entspricht.
Von dem seit letztem Montag vermissten Boot mit 5 Journalisten an Bord, die die Eruptionen des Krakatau dokumentieren wollten, fehlt weiterhin jede Spur.








