Tschernobyl: Waldbrand nahe der ukrainischen Atomruine

Waldbrand in der Sperrzone von Tschernobyl: Drohnenabsturz entfacht Feuer in hochsensibler Region

In der Sperrzone der Atomruine von Tschernobyl sorgt seit dem 7. Mai 2026 ein großflächiger Waldbrand für Besorgnis in der Nordukraine. Nach Angaben der Behörden fraßen sich die Flammen bereits durch mehr als 1200 Hektar Wald- und Buschland innerhalb des radioaktiv belasteten Sperrgebiets. Obwohl die Lage inzwischen unter Kontrolle sei, bleibt die Situation angespannt. Trockenes Wetter mit starken Winden und die Verminung weiter Teile der Zone erschweren die Löscharbeiten.

Als mutmaßliche Ursache des Brandes gilt der Absturz zweier Drohnen in der Sperrzone. Ukrainische Stellen berichten, dass Wrackteile unbemannter Fluggeräte nahe des Brandursprungs gefunden worden seien. Einige Quellen sprechen von russischen Kampfdrohnen, eine unabhängige Bestätigung dazu liegt bislang jedoch nicht vor. Klar ist: Der Funkenflug nach dem Einschlag dürfte das trockene Unterholz entzündet haben und die Ausbreitung der Flammen wurde durch ungewöhnlich niederschlagsarme Wochen bei geringer Luftfeuchtigkeit begünstigt.

Die Landschaft rund um Tschernobyl gilt trotz ausgedehnter Feuchtgebiete als feueranfällig. Vor allem Kiefernwälder können nach längeren Trockenphasen schnell in Brand geraten. Die Böden sind immer noch stark radioaktiv belastet und durch die Brände kann dieses Material mit Asche und Rauch aufsteigen und sich mit dem Wind verteilen. Hinzu kommt ein besonderes Risiko: Seit Beginn des russischen Angriffskriegs 2022 wurden Teile der Sperrzone vermint. Für Feuerwehrkräfte ist das eine große Gefahr.

Tschernobyl bleibt bis heute ein Symbol für die schwerste Nuklearkatastrophe der Geschichte. Am 26. April 1986 explodierte Reaktorblock 4 des Kernkraftwerks während eines Sicherheitstests. Große Mengen radioaktiven Materials gelangten in die Atmosphäre und kontaminierten weite Teile Europas. Rund um das Kraftwerk entstand eine etwa 30 Kilometer breite Sperrzone, die bis heute nur eingeschränkt zugänglich ist.

Das Atomkraftwerk selbst erzeugt längst keinen Strom mehr. Die verbliebenen Reaktoren wurden schrittweise stillgelegt. Über dem zerstörten Reaktor wurde 2016 eine riesige Stahlhülle errichtet, das sogenannte „New Safe Confinement“, um die Umgebung vor weiterer radioaktiver Freisetzung zu schützen. Aktuelle Messungen zeigen laut Behörden bislang keine erhöhten Strahlungswerte infolge des Waldbrands, doch die Gegend wird weiterhin auf Strahlung kontrolliert.

Taal: Dampfgetriebener Vulkanausbruch

Vulkan Taal zeigt nach kleiner phreatischer Eruption weiterhin seismische Aktivität

Der philippinische Vulkan Taal bleibt nach einer kleineren phreatischen Eruption am 9. Mai 2026 weiterhin unruhig. Wie das Philippinische Institut für Vulkanologie und Seismologie (PHILVOLCS) in seinem jüngsten Datenblatt mitteilte, ereignete sich am Freitag eine sechs Minuten andauernde phreatische Explosion im Hauptkrater. Trotzdem hat sich der Druck im Vulkan nicht signifikant verringert und die Vulkanologen messen weiterhin erhöhte seismische Aktivität unter dem Vulkan.

In den vergangenen 24 Stunden registrierten die Messstationen insgesamt 18 vulkanische Erdbeben, darunter fünf vulkanische Tremorphasen mit einer Dauer von jeweils ein bis zwei Minuten. Bereits am Tag vor der Eruption waren neun vulkanische Erdbeben sowie ein zweiminütiger Tremor aufgezeichnet worden. Nach Angaben der Behörde deutet die anhaltende Seismizität darauf hin, dass sich weiterhin magmatische Prozesse unterhalb des Kraterbereichs auf Volcano Island abspielen.

Besonders auffällig ist die Entwicklung der vergangenen Tage: Zwischen dem 5. und 7. Mai wurden insgesamt 22 vulkanische Erdbeben verzeichnet, nachdem am 4. Mai 20 Beben registriert worden waren. Im Vergleich dazu lag die Zahl der Ereignisse im vorangegangenen Dreitageszeitraum lediglich bei neun. Vulkanische Erdbeben entstehen durch magmatische oder magma-bezogene Prozesse im Untergrund, während Tremore als kontinuierliche niederfrequente Schwingungen gelten, die auf Bewegung von Fluiden oder Gasen hinweisen und oft mit Vulkanausbrüchen einhergehen.

Neben der erhöhten Seismizität und den direkten Folgen der phreatischen Eruption meldet PHILVOLCS schwache Dampfausgasungen aus dem Hauptkrater, deren Wolken in Richtung Südwesten verfrachtet wurden. Der Schwefeldioxid-Ausstoß lag zuletzt bei 653 Tonnen pro Tag. Zudem wurde auf der Vulkaninsel eine leichte kurzfristige Bodenhebung festgestellt – ein Hinweis auf anhaltende Druckveränderungen im Untergrund.

Trotz der Aktivität bleibt die Alarmstufe bei 1 und signalisiert weiterhin eine niedrige Unruhephase. Eine unmittelbar bevorstehende größere Eruption wird derzeit nicht erwartet. Dennoch warnen die Behörden vor möglichen plötzlichen Dampfexplosionen, die ohne längere Vorwarnzeit auftreten können. Die anhaltende Seismizität verdeutlicht die anhaltende Gefahr einer solchen Eruption.

Hawaii: Neues von den Vulkanen Mauna Loa und Kilauea

Bodenhebung am Kilauea schneller als zuvor – Zunahme der Seismizität am Mauna Loa

Am Kilauea zeigt sich in der Vorbereitungsphase für die 47. Lavafontänen-Episode bereits wieder rot illuminierter Dampf über dem südlichen Förderschlot im Halemaʻumaʻu-Krater. Die Geschwindigkeit der Bodenhebung hat sich signifikant beschleunigt, und der nächste Vulkanausbruch könnte näher sein, als man anhand vorheriger Eruptionsintervalle vermuten würde. Auch am Nachbarvulkan Mauna Loa gibt es Anzeichen einer Beschleunigung des Aufladungsprozesses, der direkt nach dem Ende der letzten Eruption im Jahr 2022 begonnen hatte.



Kilauea. © HVO

Die jüngste Lavafontänen-Episode am Kilauea liegt gerade einmal fünf Tage zurück, da mehren sich bereits die Anzeichen, dass die nächste bald wieder beginnt: Aufgrund der Inflationsdaten legte das HVO das Prognosefenster für den nächsten Ausbruch auf den Zeitraum zwischen Montag, dem 11. Mai, und Donnerstag, dem 14. Mai. Morgen rechne ich noch nicht mit der nächsten Eruption, doch Mittwoch erscheint mir durchaus realistisch. Neben der Bodenhebung wurden zuletzt etwa 40 tägliche Erdbeben festgestellt. Sie manifestieren sich nicht nur im Gipfelbereich, sondern auch entlang des Südwest-Rifts sowie unter der Südflanke des Vulkans. Sollte die Episode 47 in den nächsten Tagen starten, hätte sich das Pausenintervall von gut 3 Wochen im März auf ca. eine Woche verkürzt.

Mauna Loa mit Zunahme der Erdbebenaktivität

Seit März stellen die Vulkanologen des HVO eine Zunahme der Erdbebenaktivität am Mauna Loa fest, die sich im April weiter beschleunigte: Im März wurden 86 Erdbeben registriert, im April waren es bereits 132. Der Trend setzte sich auch im Mai fort: Allein in den letzten sieben Tagen hat es 42 Erdbeben gegeben, die stark genug für eine Lokalisierung waren und Eingang in die Shakemap fanden.

Mauna Loa. © HVO

Parallel zu den Erdbeben hat auch die Bodenhebung zugenommen. Der Vulkan bläht sich infolge der Inflation von Magma in einem flach liegenden Reservoir langsam, aber stetig auf und bereitet damit die nächste Eruption vor. Die seismischen Schwerpunkte lagen weiterhin unterhalb der Gipfelcaldera Mokuʻāweoweo sowie in der oberen Südwest-Riftzone. Trotz dieser Entwicklungen bleibt die Vulkan-Warnstufe auf „Normal“, der Farbcode für die Luftfahrt steht unverändert auf „Grün“.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der nächste Ausbruch des Kilauea beziehungsweise die nächste Episode des seit Weihnachten 2024 anhaltenden Vulkanausbruchs nur noch Tage entfernt sein dürfte. Am Mauna Loa werden wir trotz der beschleunigten Entwicklung vermutlich nicht so schnell eine Eruption sehen. Wahrscheinlich wird es noch Jahre dauern, bis der Vulkan bereit für den nächsten Ausbruch ist. Manchmal entwickeln sich die Dinge allerdings schneller als erwartet.

Bemerkenswert ist, dass die HVO-Vulkanologen zu den wenigen institutionellen Forschern gehören, die noch konkrete Prognosen wagen – etwas, das heute aus Angst vor Fehlern und möglichen Klagen kaum noch vorkommt.

Mayon: Lavadom bleibt aktiv

Lavadom am Mayon bleibt aktiv: Lavaströme, Ascheemissionen und strombolianische Eruptionen

Der auf der philippinischen Insel Luzon liegende Vulkan Mayon bleibt auch am 10. Mai aktiv und zeigt weiterhin deutliche Anzeichen magmatischer Aktivität. Nach Angaben des Instituts PHILVOLCS geht die effusive Eruption am Lavadom weiter, die Alarmstufe bleibt auf Level 3, was auf eine Phase intensiver Unruhe mit erhöhter Wahrscheinlichkeit gefährlicher Eruptionen hinweist.
Am Sonntagmorgen registrierte das VAAC Tokio eine neue Ascheemission des Vulkans. Laut einer VONA-Meldung begann die Eruption um 09:05 UTC, wobei Vulkanasche bis auf 2700 Meter Höhe über dem Meeresspiegel aufstieg. Die Aschewolke driftete in Richtung West-Südwest, was vor allem für den regionalen Flugverkehr von Bedeutung ist. Satellitendaten des Wettersatelliten Himawari-9 bestätigten die Aktivität nahezu in Echtzeit.

Bereits seit Anfang des Jahres fließen auf den Flanken des nahezu symmetrischen Stratovulkans mehrere Lavaströme. Diese bewegen sich durch die Schluchten von Basud über eine Länge von 3,8 Kilometern, Bonga mit 3,2 Kilometern sowie Mi-isi mit rund 1,6 Kilometern. Von den Lavafronten gehen Schuttlawinen und pyroklastische Dichteströme ab. Begleitet wird die Effusion von episodischer strombolianischer Aktivität und kurzlebigen Lavafontänen, so wie es gestern wieder beobachtet wurde.

Innerhalb der vergangenen 24 Stunden verzeichnete PHIVOLCS elf vulkanisch bedingte Erdbeben, darunter drei Tremorphasen von bis zu 133 Minuten Dauer. Hinzu kamen 313 Steinschlagsignale sowie zwölf Signale pyroklastischer Dichteströme, die auf Instabilitäten und potenziell gefährliche Prozesse hindeuten. Besonders die Entstehung größerer pyroklastischer Ströme bleibt eine Gefahr.

Die Schwefeldioxid-Emission lag zuletzt bei 2443 Tonnen pro Tag, während aus dem Krater eine moderate Gas- und Dampffahne rund 200 Meter über den Gipfel aufstieg und ebenfalls nach Westen bis West-Südwesten verweht wurde.

Die Behörden warnen eindringlich vor einem Betreten der 6-Kilometer-Sperrzone rund um den Vulkan. Gefahren bestehen insbesondere durch pyroklastische Ströme, Lavaflüsse, ballistische Auswürfe, Steinschläge sowie Lahare bei starken Niederschlägen.

Vulkanausbruch am Puracé fördert Asche auf 5200 m Höhe

Aschefall am Puracé in Kolumbien – Behörden warnen vor Annäherung an die Krater

Am kolumbianischen Vulkan Puracé kam es zu einer Eruption, bei der Vulkanasche bis in eine Höhe von 5200 Metern aufstieg. Die Aschewolke breitete sich mit einer Geschwindigkeit von 19 km/h nach Westen aus. Bereits am 9. Mai berichteten Anwohner von Ascheniederschlag in Gebieten rund um die Vulkankette Puracé–Los Coconucos. Überwachungsdaten bestätigen eine anhaltende Unruhe des Vulkansystems. Die Behörden halten die Warnstufe weiterhin auf Gelb und mahnen zu erhöhter Vorsicht.

Eine aktuelle VONA-Meldung (Volcano Observatory Notice for Aviation) des VAAC Washington aus der Nacht zum 10. Mai weist auf eine Ascheemission hin. Demnach wurde gegen 04:20 UTC eine Aschewolke beobachtet, die – vom Meeresspiegel aus gemessen – bis auf etwa 5,2 Kilometer Höhe aufstieg. Die Aschewolke wurde vom Satelliten GOES-19 detektiert.

Jaime Raigosa, Koordinator des Vulkanologischen und Seismologischen Observatoriums von Popayán, erklärte in einer aktuellen Stellungnahme des SGC, dass der Komplexvulkan weiterhin aktiv sei, sich jedoch nach wie vor in der gelben Alarmstufe befinde. Zugleich riefen die Behörden eindringlich dazu auf, sich den Kratern von Puracé, Curiquinga und Piocollo nicht zu nähern.

Das jüngste Wochenbulletin des Servicio Geológico Colombiano (SGC) veröffentlichte geophysikalische Daten, die bereits auf erhöhte Unruhe hinwiesen. Im Zeitraum vom 28. April bis 4. Mai registrierten die Messstationen anhaltende seismische Signale, die auf die Bewegung vulkanischer Fluide hindeuten. Besonders auffällig waren sogenannte Langperiodenbeben und Tremorimpulse unterhalb des Puracé-Kraters in weniger als einem Kilometer Tiefe. Diese Erdbeben deuten auf Fluidbewegungen und Entgasungsprozesse von Magma hin.

Zudem wurden Tremorsignale und vulkanotektonische Erdbeben unter den Nachbarkratern Piocollo und Curiquinga registriert. Dies sind Hinweise darauf, dass auch diese Vulkane erwachen könnten. Außerdem wurden erhöhte Schwefeldioxid-Emissionen gemessen. Im Bereich der drei Vulkankrater – die entlang eines von Nordwest nach Südost verlaufenden Störungssystems aufgereiht sind – hält ein langsamer Deformationsprozess an. Dieses Phänomen wurde bereits nach der eruptiven Phase am Curiquinga im Januar 2025 beobachtet.

Die geophysikalischen Daten deuten darauf hin, dass die Krater entlang der Los-Coconucos-Vulkankette aktiv bleiben und ihre Aktivität sogar verstärken könnten.

Salton Sea: Erdbebenschwarm an gefährlicher Naht in Kalifornien

Erdbeben Mb 4,2 am Salton-Sea – Schwarm schürt Sorgen vor „the Big One“

Datum: 10.05.2026 | Zeit: 02:22:07 UTC | Koordinaten:  32.972 ; -115.583 | Tiefe: 10 km | Mb 4,3

Ein ungewöhnlich intensiver Erdbebenschwarm erschüttert derzeit die Region südlich des Salton Sea in Südkalifornien. Innerhalb weniger Stunden registrierte das seismische Netzwerk des USGS mehr als 100 Erschütterungen im Gebiet von Brawley im Imperial County. Das bislang stärkste Ereignis erreichte eine Magnitude von 4,3 und war bis in größere Entfernungen spürbar. Das EMSC verortete das Beben 5 km west-südwestlich von Brawley, in einer Tiefe von 10 Kilometern.



Brawley. © EMSC

Der Erdbebenschwarm konzentriert sich auf ein kleines Gebiet westlich von Brawley, das gut 40 Kilometer nordnordwestlich von Mexicali entfernt liegt. Auffällig ist die hohe Frequenz, in der die Erdbeben auftreten: Zahlreiche Ereignisse der Magnitude 2 bis 3 erschienen im Minutentakt, darunter mehrere Beben um Magnitude 3,5 bis 3,9. Die meisten Hypozentren lagen in Tiefen zwischen 5 und 12 Kilometern.

Tektonisch betrachtet manifestiert sich der Erdbebenschwarm an einer der gefährlichsten kontinentalen Nahtstellen Nordamerikas. Sie ereignen sich in der sogenannten Brawley Seismic Zone, einem seismisch hochaktiven Übergangsbereich zwischen der südlichen San-Andreas-Verwerfung und der Imperial Fault. Hier trifft die seitliche Bewegung der Pazifischen und Nordamerikanischen Platte auf ein Gebiet, in dem sich die Erdkruste zusätzlich auseinanderdehnt – eine geologische Besonderheit, die die Region anfällig für Schwarmbeben macht und mit der Durmid-Ladder-Structur assoziiert ist. Hierbei handelt es sich um eine Störungszone, die wie eine Leiter angelegt ist und sich entlang des Salton Sea erstreckt.

„Die Gegend ist berüchtigt für solche Sequenzen“, betonen Seismologen seit Jahren. Bereits 2012 und 2020 kam es in der Nähe des Salton Sea zu ähnlich dichten Schwärmen, ohne dass ein katastrophales Hauptbeben folgte. Dennoch rückt mit jedem stärkeren Schwarm die Frage nach dem lange erwarteten „Big One“ auf der südlichen San-Andreas-Verwerfung in den Fokus und besorgt Forscher wie Anwohner gleichermaßen. Man sitzt quasi auf einer tektonischen Zeitbombe, die früher oder später explodieren wird.

Campi Flegrei: Übersicht der Aktivität im April

Campi Flegrei mit leichtem Anstieg der Seismizität – Gasausstoß bleibt hoch

Am süditalienischen Calderavulkan nahm die Seismizität nach einer ruhigen Phase in den letzten drei Tagen wieder etwas zu und es wurden 27 schwache Erdbeben registriert. Der stärkste Erdstoß hatte eine Magnitude von 1,0. Stärker war ein Erdbeben Md 1,9, das sich am 5. Mai kurz vor Mitternacht ereignet hatte und die Erhöhung der Seismizität einläutete. Die Tätigkeit könnte sich in den nächsten Tagen weiter zuspitzen, was in das bisherige Verhaltensmuster des Vulkans passen würde.

Pisciarelli (Archiv)

Die jüngst veröffentlichten Überwachungsdaten für den April zeichnen ein komplexes Bild: Einerseits scheint sich die Dynamik des Bradyseismus im Frühjahr 2026 etwas verlangsamt zu haben, andererseits bleiben zentrale geochemische und geophysikalische Parameter weiterhin auf hohem Niveau und bestätigen den langjährigen Trend der Druckbeaufschlagung. Die Frage, ob sich die Caldera tatsächlich beruhigt oder lediglich eine weitere Phase zyklischer Schwankungen durchläuft, beschäftigt derzeit Geowissenschaftler und Hobbyvulkanologen gleichermaßen und ist natürlich auch für die Anwohner der Caldera von großem Interesse.

Aus dem INGV-Bulletin für den April geht hervor, dass sich insgesamt 314 Erdbeben ereigneten, die meisten konzentrierten sich auf 2 Schwarmbeben Anfang des Monats. Das stärkste Erdbeben am 8. April hatte eine Magnitude von Md 3,4. Im Vergleich zu den besonders intensiven Monaten in 2025 bedeutet dies zwar einen Rückgang der seismischen Aktivität, doch bleibt die Zahl der registrierten Ereignisse im langjährigen Vergleich deutlich erhöht. Seit 2018 dokumentieren die Wissenschaftler einen langfristigen Trend zunehmender Seismizität, sowohl hinsichtlich der Anzahl der Beben als auch der freigesetzten Energie.

Besonders auffällig ist die Entwicklung der Bodenhebung. Im Frühjahr 2025 steigerte sie sich temporär auf 30 Millimeter pro Monat. Seitdem sank sie zunächst auf 25 Millimeter und liegt seit Februar 2026 nur noch bei rund 10 Millimetern pro Monat. Insgesamt hob sich der Boden im Zentrum der Caldera seit Beginn der aktuellen Unruhephase im Jahr 2005 bereits um 165 Zentimeter. Mehr, als in den Hebungsphasen des letzten Jahrhunderts festgestellt wurden.

Kohlendioxid Pisciarelli

Im Bereich des Doms am Monte Olibano sind die Bodendeformationen besonders stark ausgeprägt und verhalten sich anders als in den anderen Hebungsbereichen: Die GNSS- und Tiltmeterdaten zeigen seit einiger Zeit Abweichungen vom „normalen“ radialen Hebungsmuster. Die Anomalie könnte auf anders ablaufende Druckprozesse im Untergrund hindeuten, die möglicherweise von einer Fluidansammlung in geringerer Tiefe verursacht werden.

Für viele Beobachter wirken die Verlangsamung der Bodenhebung und die Verringerung der Seismizität wie ein Zeichen der Entspannung. Doch die geochemischen Daten zeigen, dass es sich um eine trügerische Ruhe handeln könnte: Das hydrothermale System unter der Solfatara unterliegt weiterhin einer fortschreitenden Erwärmung und Druckzunahme. Besonders die hohe Konzentration von Kohlenmonoxid in den Fumarolen gilt als wichtiger Temperaturindikator. Nach Berechnungen des INGV stieg die Temperatur des oberflächennahen hydrothermalen Systems seit den frühen 2000er-Jahren von etwa 215 auf 255 Grad Celsius an. Im Bereich der Solfatara kletterte des Ausstoß an CO₂ um 100 Tonnen am Tag auf 1300 t/d. Das ist z.B. deutlich höher als am eruptierenden Stromboli, wo aktuell ca. 520 Tonnen des Gases am Tag austreten.

Die Gaszusammensetzung deutet weiterhin auf einen starken magmatischen Einfluss hin. Hohe CO₂/H₂O-Verhältnisse sowie Veränderungen der Schwefelgeochemie werden von den Forschern als mögliche Hinweise auf die Entgasung eines aufsteigenden Magmenkörpers in ca. 6 Kilometern Tiefe interpretiert. Gleichzeitig nehmen in Pisciarelli die Schwierigkeiten beim Monitoring zu: Die Schlamm- und Fumarolenzonen haben sich so stark erweitert, dass einige Messpunkte inzwischen nicht mehr sicher zugänglich sind.

Betrachtet man die Daten, erscheint es derzeit unwahrscheinlich, dass die Campi Flegrei in eine echte Ruhephase eintreten. Vielmehr sprechen die Werte für zyklische Fluktuationen innerhalb einer anhaltenden Unruheperiode. Solche zyklischen Entwicklungen sind für große hydrothermal geprägte Calderavulkane typisch.

Island: Erdbebenschwarm bei Hrómundartindi im Hengill-System

Erdbebenschwarm im Hengill-System auf Island – leicht steigende Seismizität bei Svartsengi

Auf Island wurden in den letzten 48 Stunden 137 Erschütterungen registriert. Davon manifestierten sich 47 im Bereich des Vatnajökull an den Zentralvulkanen Bárðarbunga und Askja. Aber auch im Westen Islands gab es Beben, unter anderem am Grjótarvatn nördlich von Borgarnes. Auffällig ist zudem ein Erdbebenschwarm bei Hrómundartindur im Hengill-System unweit des Þingvallavatn, wo 26 Beben mit Magnituden unter Mb 1,5 registriert wurden. Hier läuft das noch zu Reykjanes gehörende Hengill-Spaltensystem aus. Weiter westlich bebt es bei Krýsuvík, Reykjanestá und sogar im Gebiet von Svartsengi/Fagradalsfjall und Grindavík.



Tatsächlich betrachtet gab es in der vergangenen Woche statistisch gesehen täglich ein Beben im Bereich zwischen der Blauen Lagune und Grindavík, also dort, wo die Bodenhebung weiterhin anhält. Die stärkste Bodenhebung wird an der Messstation HS02 registriert, wo sie inzwischen fast 40 cm beträgt. Die Station befindet sich südwestlich der Blauen Lagune. Eine genauere Analyse der Hebungsdaten zeigt zudem, dass sich der Boden in Grindavík seit November um 7 cm angehoben hat. Im Westen bei Eldvörp beträgt die Hebung seit August 25 cm, im Osten an der Basis des Fagradalsfjall hingegen nur 5 cm.

Damit deutet sich an, dass sich das Magma derzeit stärker nach Westen ausbreitet als nach Osten, wo es bislang entlang der Sundhnúkur-Spalte eruptierte. Das sagt einiges über die Schwächezonen in der Region aus, bedeutet aber gleichzeitig, dass ein Ausbruch in westlicher Richtung nicht abwegig erscheint, da sich im Untergrund offenbar Veränderungen vollziehen. Möglicherweise hat sich der Untergrund im Osten durch die Magmaintrusionen so stark verfestigt, dass sich das Magma künftig einen anderen Weg suchen muss. Die Vulkanologen des IMO halten einen Ausbruch entlang der Sundhnúkur-Spalte dennoch weiterhin für das wahrscheinlichste Szenario.

Die Erdbeben in den übrigen hier genannten Regionen gehen momentan ohne größere Bodendeformationen einher. Daher scheint das Risiko einer Eruption an einem der anderen isländischen Vulkane trotz der erhöhten Seismizität derzeit eher gering zu sein.

Mexiko: Tornado in Puebla

Tornado überrascht Hochlandgemeinde in Puebla – Hagel- und Sturmschäden in Cuyoaco

Ein ungewöhnlich starkes Unwetter hat die Gemeinde Cuyoaco im mexikanischen Bundesstaat Puebla getroffen. Am Abend des 8. Mai bildete sich innerhalb weniger Minuten ein Tornado, der von zahlreichen Anwohnern gefilmt wurde und zeitweise nahe der Schnellstraße 129D Amozoc–Virreyes sowie der Verbindung nach Teziutlán sichtbar war. Begleitet wurde das Ereignis von schweren Gewittern und ungewöhnlich großem Hagel.

Tornado

Nach bisherigen Angaben wurden keine Verletzten oder Todesopfer gemeldet. Trotzdem hinterließ das Wetterextrem moderate Schäden: Mehrere Wohnhäuser verloren Teile ihrer Dächer oder Blechabdeckungen, landwirtschaftliche Flächen wurden durch Hagelschlag beschädigt. Besonders Gemüse- und Feldkulturen in den offenen Agrarflächen rund um Cuyoaco litten unter dem starken Hagel, der teilweise die Größe von Tischtennisbällen erreichten. Einsatzkräfte des Katastrophenschutzes kontrollierten betroffene Ortsteile und überprüften mögliche Gefahrenquellen an Straßen und Gebäuden.

Meteorologisch betrachtet entstand der Tornado im Zusammenhang mit kräftigen Gewitterzellen, die sich durch den Zusammenstoß feucht-warmer Luft aus dem Golf von Mexiko mit kühlerer Höhenluft entwickelten. Die Jahreszeit begünstigt solche Entwicklungen: Im späten Frühjahr treten in Zentralmexiko häufig energiereiche Gewitter auf, oft begleitet von Hagel und starken Fallböen. Ob es sich um einen klassischen Tornado oder eher um einen sogenannten „Landspout“ – eine schwächere, bodennahe Tornadoform – handelte, ist bislang nicht offiziell geklärt. Die begrenzten Schäden sprechen eher für ein schwächeres Ereignis.

Die Region um Cuyoaco gilt nicht als klassisches Tornadogebiet, ist aber keineswegs ungeeignet für die Bildung solcher Phänomene. Die Gemeinde liegt auf rund 2.300 Metern Höhe in einer offenen Hochlandebene östlich von Puebla, eingerahmt von vulkanischen Gebirgszügen und weiten landwirtschaftlichen Flächen. Diese Topografie kann lokale Windscherungen und Temperaturgegensätze verstärken. Zwar treten Tornados hier deutlich seltener auf als im Norden Mexikos oder in den Great Plains der USA, doch starke Gewitter mit kurzlebigen Wirbeln sind in der Region keineswegs unbekannt.