Indonesien: Starker Erdstoß nahe Anak Krakatau

Tiefes Erdbeben Mw 6,6 erschüttert indonesische Region nahe der Sundastraße und dem Krakatau

Ein starkes und ungewöhnlich tiefes Erdbeben hat in der Nacht zum 12. September die Region nördlich von Java erschüttert. Nach Angaben des EMSC erreichte das Beben eine Magnitude von 6,6 und ereignete sich am 11. September um 21:23 UTC. Das Hypozentrum lag in 359 Kilometern Tiefe bei 5,09° südlicher Breite und 106,90° östlicher Länge. Damit befand sich das Epizentrum etwa 125 Kilometer nördlich von Jakarta und ca. 170 Kilometer östlich beziehungsweise nordöstlich des Vulkans Anak Krakatau, der in der Sundastraße liegt.


Sundastrait. © EMSC/Leaflet

Obwohl die Magnitude als sehr stark einzustufen ist, blieb die Bodenbewegung an der Oberfläche wegen der großen Herdtiefe vergleichsweise gering. Dennoch gingen beim EMSC zahlreiche Wahrnehmungsmeldungen ein. In Bogor, rund 164 Kilometer vom Epizentrum entfernt, wurde ein leichtes Zittern registriert. Aus Cianjur wurde berichtet, dass das Beben deutlich spürbar war. In Kebontiwu beschrieb ein Beobachter das Beben als „groß“ und lang anhaltend. Auch in Kebumen an der Südküste Zentraljavas wurde ein kräftiges Schwanken wahrgenommen. Besonders bemerkenswert ist die große Reichweite der Erschütterungen: Selbst in Palembang auf Sumatra und in Singapur wurden Bewegungen registriert. Ein Beobachter in Singapur berichtete von klappernden Türen. In Padang wurde das Beben ebenfalls wahrgenommen, unter anderem von einem Hotelgast im zehnten Stock eines Hochhauses.

Tektonisch handelt es sich um ein sogenanntes Tiefenbeben. Die Region liegt über der abtauchenden Indisch-Australischen Platte, die unter den Sunda-Bogen und damit unter Java und Sumatra in den Erdmantel abtaucht. In fast 360 Kilometern Tiefe befindet sich der Erdbebenherd bereits weit innerhalb der subduzierten Platte. Das Ereignis steht daher nicht unmittelbar mit einer oberflächennahen Bewegung der Sundrastraße oder einem Bruch der Sunda-Megathrust-Zone in Verbindung.

Mögliche Auswirkungen des Bebens auf Anak Krakatau

Besonders interessant ist die Nähe zum weiterhin aktiven Anak Krakatau. Der Vulkan eruptiert seit Anfang September wiederholt und erzeugte zuletzt hohe Aschewolken. Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen dem tiefen Erdbeben und der aktuellen Eruption ist nicht erkennbar. Die große Herdtiefe spricht vielmehr für einen tektonischen Prozess innerhalb der subduzierten Platte. Dennoch sind hier die gleichen Kräfte am Werk, die auch für die Schmelzbildung verantwortlich sind und Magma erzeugen, das an Vulkanen wie dem Krakatau eruptiert wird.

Starke Erdbeben können sich auf die Aktivität von Vulkanen auswirken. Eine Reaktion des Krakatau auf dieses tiefe Erdbeben ist bis jetzt allerdings nicht zu erkennen. Die Seismizität des Vulkans hat weiter abgenommen und ist nur noch leicht erhöht.

Das VAAC Darwin meldet weiterhin kleine Aschewolken, die vom Krakatau ausgehen und zuletzt FL 050 erreichten, was 1500 m über dem Meeresspiegel entspricht.

Von dem seit letztem Montag vermissten Boot mit 5 Journalisten an Bord, die die Eruptionen des Krakatau dokumentieren wollten, fehlt weiterhin jede Spur.

Tokachidake: Alarmstufe des Vulkans auf „3“ angehoben

Alarmstufe wegen zunehmender Erdbeben am Tokachidake angehoben – Vulkanausbruch droht

Am japanischen Vulkan Tokachidake auf Hokkaido ist die Vulkanwarnstufe am 12. September 2026 von „2“ auf „3“ angehoben worden. Die JMA begründete den Schritt mit einer Zunahme vulkanisch bedingter Erdbeben sowie anhaltenden Anzeichen für eine Aktivierung des Vulkans. Für das Gebiet um den Krater 62-2 gilt eine Zutrittsbeschränkung mit einem Radius von 3 Kilometern um den Krater, wo eine Gefahrenzone eingerichtet wurde.

Tokachidake (Archiv)

Die vulkanische Aktivität des Tokachidake ist bereits seit Monaten erhöht. Seit März registrieren Messungen eine Bodenhebung, die auf eine Inflation in mittlerer Tiefe unter dem Vulkan hindeutet. Seit April wird zudem eine erhöhte Schwefeldioxidfreisetzung festgestellt. Zu Spitzenzeiten wurden mehr als 2500 Tonnen des vulkanischen Gases ausgestoßen. Zuletzt wurden ca. 1000 Tonnen pro Tag registriert.

Auch die thermische Aktivität am Krater ist seit dem 17. August verstärkt. Langperiodische seismische Signale treten bereits seit längerer Zeit auf. Aufgrund dieser Entwicklung war die Warnstufe am 18. Juni von 1 auf 2 erhöht worden.

Seit dem 17. August wurden außerdem fünf stärkere vulkanische Erdbeben registriert. Zwei ereigneten sich am 20. August, zwei weitere am Samstagmorgen. Das jüngste Beben gegen 08:20 Uhr erreichte an der Messstation Iouzawa eine maximale Amplitude von etwa 24 Mikrometern. Nach Einschätzung der JMA könnte es am Fuß des Berges wahrgenommen worden sein. Trotz der vergleichsweise geringen Zahl der Ereignisse bewertet die Behörde deren Stärke und die Kombination mit den anderen Aktivitätsparametern als besorgniserregend.

Mit der Warnstufe 3 wurde das Gebiet, in dem bei einer Eruption mit großen ballistischen Gesteinsbrocken gerechnet werden muss, von etwa 1,5 auf rund drei Kilometer erweitert. Betroffen sind unter anderem Biei, Kamifurano, Furano, Minamifurano und Shintoku. Der Berg ist für Bergsteiger gesperrt. Vulkanasche und kleinere Gesteinsfragmente können zudem in Windrichtung deutlich weiter verfrachtet werden.

Der Tokachidake eruptierte zuletzt 1988 und 1989. Besonders gefürchtet ist jedoch die Katastrophe von 1926, als ein phreatischer Ausbruch eine Schlammlawine auslöste, die 144 Menschen das Leben kostete. Die damaligen Verhältnisse mit einer mächtigen Schneedecke sind im September allerdings nicht gegeben. Zum Zeitpunkt der aktuellen Warnstufenerhöhung war der Gipfel von Wolken verhüllt, sodass die JMA keine direkte Beobachtung des Kraters vornehmen konnte.

Costa Rica: Erdbebensequenz vor der Küste

Erdbebensequenz erschüttert Costa Rica – mehrere Beben nahe der Pazifikküste

In Costa Rica hat sich seit dem 10. September eine ausgeprägte Erdbebensequenz entwickelt. Das stärkste Ereignis erreichte am 10. September um 08:26:54 UTC die Magnitude 5,0. Das Hypozentrum lag nach EMSC/USGS in nur etwa 10 Kilometern Tiefe bei 9,03° Nord und 84,06° West, gut 55 Kilometer südwestlich von San Isidro und etwa 100 Kilometer südlich von San José. Am Abend folgte in 16 Kilometern Tiefe das zweitstärkste Beben M 4,8. Beide Beben wurden von den Küstenbewohnern verspürt.

Costa Rica. © EMSC/Leaflet

Dem Beben der Magnitude 5,0 gingen bereits mehrere schwächere Erdstöße voraus. Im spürbaren Magnitudenbereich lagen auch zwei Beben der Magnituden 3,5 und 3,4. Weitere Ereignisse ereigneten sich im Raum der zentralen und südlichen Pazifikregion Costa Ricas. Am Abend folgte bei 9,07° Nord und 84,26° West ein weiteres stärkeres Beben der Magnitude 4,8 in 16 Kilometern Tiefe. Auch am 11. September setzte sich die Aktivität mit Beben bis Magnitude 3,4 und 2,9 fort. Die räumliche Verteilung spricht allerdings nicht für eine vollkommen kompakte Nachbebenserie an einem einzigen Punkt, sondern für eine breitere Aktivierung von Störungsstrukturen.

Bei den Erdbebendiensten und örtlichen Polizeidienststellen gingen Wahrnehmungsmeldungen teils besorgter Bürger ein. Ein Beobachter in Daniel Flores, nur 32 Kilometer vom Epizentrum entfernt, berichtete, dass das Bett schwankte. In Escazú, rund 92 Kilometer entfernt, wurde eine kurzweilige Erschütterung registriert. Schäden wurden nicht gemeldet.

Die Region liegt in einer tektonisch hochaktiven Zone Mittelamerikas, die praktisch täglich von zahlreichen Erdbeben erschüttert wird. Am Mittelamerikanischen Tiefseegraben wird die ozeanische Cocos-Platte unter die Karibische Platte beziehungsweise den Panama-Block subduziert. Im südlichen Costa Rica trifft diese Plattengrenze auf die komplexe Region um den Cocos-Rücken und die Panama-Fracture-Zone. Dadurch entstehen sowohl Subduktionsbeben als auch zahlreiche flache Krustenbeben innerhalb des darüberliegenden Plattenblocks.

Die geringe Herdtiefe der aktuellen stärkeren Beben spricht zunächst für eine Aktivierung oberflächennaher Störungen entlang der Plattengrenzen. Ein direkter Zusammenhang mit Magmenbewegungen ist nicht erkennbar, obwohl die tektonischen Prozesse, die die Erdbeben auslösten, auch für die Magmenbildung mitverantwortlich sind.

Dennoch ist die Nähe zu mehreren aktiven Vulkanen interessant. Vom Epizentrum des stärksten Bebens liegen die Vulkane Irazú und Turrialba ungefähr 110 bis 120 Kilometer entfernt. Auch die oft in den Schlagzeilen stehenden Vulkane Poás und Rincón de la Vieja liegen im Wirkungskreis des Erdbebens. Dass hierdurch Vulkanausbrüche getriggert werden, ist allerdings wenig wahrscheinlich.

Die aktuelle Erdbebensequenz ist damit vor allem als tektonisches Geschehen im komplexen Plattenrandbereich Costa Ricas einzuordnen. Eine vulkanische Ursache lässt sich aus den vorliegenden Daten nicht ableiten.

Island: Erdbebenaktivität am 11. September

Erdbeben auf Island verteilen sich über die gesamte Insel

Die Erdbebenaktivität auf Island bewegt sich weiterhin auf einem mittelhohen Niveau, und die IMO-Shakemap ist entsprechend relativ bunt: Innerhalb von 48 Stunden wurden mehr als 100 Beben registriert, die sich auffallend homogen über die bekannten Erdbebenzonen Islands verteilen, ohne ausgeprägte Erdbebenschwärme zu bilden. Das stärkste Beben der letzten Stunden hatte eine Magnitude von 2,7 und manifestierte sich an der Tjörnes-Fracture-Zone vor der Nordküste Islands. Während die Erdbebentätigkeit hier nichts Ungewöhnliches ist, finde ich die anhaltende Seismizität in der Krafla-Region durchaus bemerkenswert.

Island. © IMO

Weiter südlich liegen der Tafelvulkan Herdubreid und die Caldera Askja, wo die Seismizität in den letzten Tagen ebenfalls erhöht ist. Während die Bodenhebung an der Messstation OLAC, die ziemlich im Zentrum der Askja-Caldera liegt, zum Erliegen gekommen ist, verzeichnet die Messstation JONC im Norden des Gebiets eine anhaltende Hebung, die aller Wahrscheinlichkeit nach durch sich im Untergrund akkumulierende magmatische Fluide verursacht wird.

Ein weiterer interessanter Bebenspot ist der Gletscher Vatnajökull, unter dem sich mehrere Zentralvulkane befinden. Hier konzentriert sich die Bebentätigkeit weiterhin auf Bárðarbunga und Grímsvötn. An beiden Vulkanen gibt es anhaltende Bodenhebungen, die allerdings aufgrund der Eisbedeckung schwer zu quantifizieren sind. Die Bodenhebungen verlaufen relativ langsam und sind keine Anzeichen für unmittelbar bevorstehende Eruptionen.

Anhaltende Erdbebentätigkeit wird auch im Süden Islands registriert, etwa in dem Gebiet zwischen Torfajökull und Hekla, während es im Westen der Insel weiterhin am Langjökull und am Grjótárvatn bebt.

Auf der Reykjanes-Halbinsel im Südwesten ereigneten sich die meisten Beben im Krýsuvík-System und vor der Küste bei Reykjanestá. Im Svartsengi-System ist es nach wie vor auffällig ruhig, obgleich die Bodenhebung weiterhin konstant anhält und sich im Untergrund Magma ansammelt. Die Gefahr eines Vulkanausbruchs ist also noch nicht gebannt.

Great Sitkin: Alaskas Domvulkan ist weiter aktiv

Lavadom des Great Sitkin wächst seit Jahren weiter – Lavaströme gesichtet

Auf der zu Alaska gehörenden Inselkette der Aleuten hält die ungewöhnlich lang anhaltende Eruption des Great-Sitkin-Vulkans an. Wie das AVO jüngst berichtete, wird der seit Juli 2021 im Gipfelkrater des Vulkans wachsende Lavadom weiter gespeist und es bilden sich kurze Lavaströme an der Domflanke. Die Eruption verläuft überwiegend effusiv und damit vergleichsweise ruhig: Statt großer Explosionen quillt zähflüssige Lava aus dem Fördersystem und baut im Krater einen mächtigen Lavadom auf.



Great Sitkin. © HVO

Der Lavadom ist in den vergangenen Jahren immer weiter gewachsen und hat inzwischen den größten Teil des Gipfelkraters ausgefüllt. Dabei bleibt die Aktivität nicht auf das unmittelbare Domwachstum beschränkt. Die austretende Lava breitet sich über den Kraterbereich hinaus aus und bildet Lavaströme, die in die angrenzenden Täler vorstoßen. Damit verändert die seit Jahren andauernde Eruption die Gestalt des Gipfelbereichs des Great Sitkin nachhaltig.

Aktuelle Beobachtungen zeigen, dass sich die Lava weiterhin langsam ausbreitet. Besonders aufschlussreich sind satellitengestützte Radardaten, die auch bei Bewölkung Aufnahmen des Vulkans ermöglichen. Anfang September konnte damit eine weitere Ausdehnung der Lava in östliche Richtung festgestellt werden. Der Prozess ist allerdings sehr langsam und unterscheidet sich deutlich von schnell fließenden Lavaströmen, wie sie z.B. auf Hawaii vorkommen.

Auch thermische Signale bestätigen die anhaltende Lavaaktivität. Auf klaren Webcam-Aufnahmen war zuletzt zudem Dampf über dem Gipfeldom zu erkennen. Die Seismizität blieb dagegen gering; innerhalb eines Tages wurden lediglich einzelne kleinere Erdbeben registriert. Hinweise auf eine unmittelbar bevorstehende explosive Aktivitätszunahme gibt es derzeit nicht.

Neue Fotos stammen von einer Expedition des AVO, die mit Hilfe eines Hubschraubers Mitte August durchgeführt wurde. Die Luftaufnahmen zeigen den kegelförmigen Dom im Krater des Vulkans, von dem eine Dampffahne ausging.

Der Great Sitkin wird kontinuierlich mit seismischen und Infraschallsensoren, Webcams sowie Satelliten überwacht. Die Vulkanologen können dadurch sowohl das Wachstum des Doms als auch die weitere Ausbreitung der Lavaströme verfolgen.

Great Sitkin, dessen Alarmstatus auf „Orange“ steht, ist nicht der einzige aktive Vulkan Alaskas. Shishaldin steht auf Alarmstufe „Gelb“ und ist überwiegend seismisch unruhig. In den letzten 2 Tagen wurde auch in der Katmai-Region erhöhte Seismizität registriert, doch hier wurde die Warstufe noch nicht erhöht.

Vulkan Lewotolok eruptiert in hoher Frequenz

Lewotolok eruptiert weiterhin ungewöhnlich häufig – 322 Explosionen an einem Tag

Der indonesische Vulkan Lewotolok liegt auf der Insel Lembata und bleibt außergewöhnlich aktiv. Allein am heutigen Freitag, 11. September 2026, wurden bis zum frühen Nachmittag bereits sieben größere Eruptionen registriert. Dabei erreichten die Aschewolken Höhen von bis zu 700 Metern über dem Gipfel. Das entspricht einer Höhe von etwa 2.100 Metern über dem Meeresspiegel. Hinzu kommen weitere Explosionen, die nicht explizit in den Meldungen des VSI erwähnt werden. So wurden am 10. September 322 seismische Explosionssignale registriert.

Lewotolok

Die Eruptionen lösen VONA-Meldungen beim Darwin Volcanic Ash Advisory Centre aus. Die jüngste Meldung heute bestätigt die Eruptionen und wies Vulkanasche in einer Höhe von 2100 m über dem Meeresspiegel nach. Die Asche bewegte sich mit dem Wind in westliche Richtungen. Das VAAC geht ausdrücklich davon aus, dass die Eruptionen weiterhin anhalten werden.

Bereits in der Nacht wurden mehrere explosive Eruptionen dokumentiert, die rotglühende Tephra förderten und kurz hintereinander erfolgten. Um 02:08 Uhr Ortszeit wurde eine erste Explosion registriert, kurz darauf folgte um 02:21 Uhr eine weitere Eruption. Am Morgen ereigneten sich weitere Ausbrüche um 07:09, 08:02 und 09:06 Uhr. Um 13:20 Uhr kam es erneut zu einem Ausbruch, bei dem eine etwa 500 Meter hohe, graue und dichte Aschewolke beobachtet wurde. Die Ausbrüche dauerten zwischen 60 und 94 Sekunden und erzeugten jeweils deutliche Signale auf dem Seismografen.

Auch die seismischen Daten des Vortages verdeutlichen die außergewöhnliche Aktivität. Am 10. September registrierte das indonesische Vulkanobservatorium insgesamt 322 Eruptions- beziehungsweise Ausbruchs-Beben. Hinzu kamen 84 Entgasungsereignisse, fünf harmonische Tremorphasen sowie zwölf nicht-harmonische Tremorphasen. Außerdem wurden sechs vulkanotektonische Beben in geringer Tiefe und zwei tiefere vulkanische Erdbeben aufgezeichnet.

Die hohe Zahl der Eruptionen ist damit nicht auf einzelne stärkere Ausbrüche beschränkt, sondern Ausdruck einer anhaltend intensiven Aktivitätsphase. Obgleich der Lewotolok bereits seit Monaten sehr munter ist, steigerte sich die Eruptivität nochmals am 24. August; gut 9 Tage nach dem starken Erdbeben Mw 7,7 auf der Nachbarinsel Flores, wo es immer noch viele Nachbeben gibt.

Am Vulkan bestehen zudem ältere Lavaströme beziehungsweise Lavaablagerungen an der Südost- und Nordostflanke. Der Lewotolok zeigt damit derzeit eine anhaltend hohe eruptive Aktivität, wobei sich die einzelnen Ausbrüche bislang auf relativ geringe Höhen beschränken.

Kilauea: Lavafontänen-Episode 55 lässt auf sich warten

Lavafontänen-Episode 55 lässt auf sich warten – Unreguläre Bodendeformation am Kilauea beobachtet

Am Kilauea auf Hawaii deutet weiterhin vieles auf den Beginn der nächsten Lavafontänen-Episode hin. Doch die für Episode 55 erwartete Eruption lässt auf sich warten. Besonders auffällig ist die Entwicklung der Bodenhebung: Nachdem der Gipfelbereich am 7. September einen Höchststand von etwa 13,2 Mikroradiant erreicht hatte, setzte eine leichte Deflation ein. Seitdem bewegt sich die Bodenverformung weitgehend seitwärts und schuf somit eine ausgeprägte Plateauphase. Damit verharrt der Kilauea auf einem Inflationsniveau, bei dem nach dem bisherigen Eruptionsmuster eigentlich mit dem Beginn der Lavafontänen gerechnet werden könnte.



Am 7. September waren die Vorläuferzeichen besonders deutlich und es sah so aus, als würde der Vulkan unmittelbar vor der Eruptionshochphase stehen: Am Nordschlot des Halemaʻumaʻu-Kraters fanden mehrere intensive Lavaüberläufe statt und die Aktivität nahm deutlich zu. Insgesamt wurden bis zum 10. September 50 Lavaüberläufe registriert. Sie dauerten zwischen 15 Minuten und gut zwei Stunden und wurden teilweise von bis zu zehn Meter hohen Domfontänen gespeist. Gleichzeitig wurden Tremor und regelmäßige Gas-Piston-Signale registriert.

Lavaspattering

Ungewöhnlich war auch eine intensive Spatteringphase am Westschlot, die sich am 9. September manifestierte. Dort wurde lebhaftes Spattering beobachtet, wie es in dieser Form während der aktuellen eruptiven Sequenz bislang nicht dokumentiert worden war. Auch am Südschlot traten gelegentlich Flammen und Spatter auf. Zwischen den Überläufen war an allen drei Schloten weiterhin Glut sichtbar.

Dennoch fehlt bislang der entscheidende Impuls zum Start der Lavafontänenphase. Nach Angaben des HVO blieb die Bodenhebung zuletzt nahezu unverändert. Am Morgen des 10. September lag die Neigung am UWD-Tiltmeter bei etwa 12,4 Mikroradiant und damit nur rund 0,3 Mikroradiant unter dem Ausgangswert von Episode 54. Die Wissenschaftler weisen explizit darauf hin, dass die Gipfelinflation seit dem 25. August ungewöhnlich unregelmäßig verläuft, was Prognosen zum Eruptionsstart erschwert.

Das Prognosefenster für Episode 55 wurde deshalb mehrfach nach hinten verschoben und lag zuletzt beim 10. bis 11. September. Am 10. September wurden zwar weiterhin kurze Vorläuferlavaflüsse registriert, doch eine erneute deutliche Inflation blieb aus. Zu beachten gilt, dass die Zeitangaben in Ortszeit erfolgen, die 12 Stunden hinter der MESZ liegt. Auf Hawaii ist noch der 10. September.

Forscher berechnen Geschwindigkeit einer Erdbeben-Rissbildung

Kamera filmt Entstehung einer Erdbebenverwerfung in Echtzeit – Forscher ermitteln Ausbreitungsgeschwindigkeit der Rissbildung

Eine Überwachungskamera hat beim schweren Erdbeben in der japanischen Präfektur Kumamoto erstmals die Entstehung einer oberirdischen Verwerfung mit hoher zeitlicher Auflösung aufgezeichnet. Eine jetzt veröffentlichte Studie zeigt, dass sich der größte Teil der gemessenen Bodenverschiebung innerhalb von weniger als einer Sekunde entwickelte. Besonders interessant ist der geologische Schauplatz: Das Erdbeben ereignete sich in unmittelbarer Nähe des Vulkans Aso, einem der aktivsten Vulkansysteme Japans.



Das Erdbeben vom 28. Juli 2026 erreichte eine Magnitude von 7,1 und hatte sein Hypozentrum in etwa 16 Kilometern Tiefe. Es verursachte starke Schäden und eine ausgeprägte Nachbebenaktivität. Nach Angaben der japanischen Erdbebenforschung erstreckt sich die Aktivitätszone über rund 50 Kilometer in nordöstlich-südwestlicher Richtung. Die Hauptbruchzone folgt dabei dem tektonisch aktiven Hinagu-Störungssystem.

Die von Bogdan Enescu und Kollegen untersuchten Aufnahmen stammten von einer Kamera, diesich nahe einer Oberflächenverwerfung befand. Obwohl nur eine Kopie der ursprünglichen Aufnahme verfügbar war, konnten die Wissenschaftler die Bewegung mit zwei unabhängigen Bildanalyseverfahren rekonstruieren. Zur Anwendung kam das Verfahren Optical Flow und eine auf Bildkorrelation basierenden Methode. Beide Verfahren lieferten nahezu identische Ergebnisse.

Vor Ort wurde eine bleibende horizontale Verschiebung von 1,05 Metern sowie eine vertikale Bewegung von 0,90 Metern gemessen. Insgesamt wurde die gegenüberliegende Geländeseite damit um rund 1,38 Meter versetzt. Besonders bemerkenswert ist die Geschwindigkeit des Vorgangs: Zwischen 20 und 80 Prozent der endgültigen Verschiebung entstanden innerhalb von etwa 0,9 Sekunden. Die mittlere Verschiebungsrate lag dabei bei ungefähr 0,9 Metern pro Sekunde.

Der Vulkan Aso liegt in derselben geologisch hochaktiven Region Kyushus. Die Verbindung ist deshalb besonders interessant, weil die Region sowohl durch aktive Störungssysteme als auch durch Vulkanismus geprägt wird. Neuere Untersuchungen der Erdbebensequenz zeigen zudem Veränderungen der Seismizität im Bereich des Aso. Ein direkter Zusammenhang zwischen der aktuellen Erdbebenruptur und einer magmatischen Reaktivierung des Vulkans ist damit allerdings noch nicht nachgewiesen, obgleich die tektonsichen Prozesse auf den Vulkan einwirken könnten.

Die Studie zeigt zudem ein Potenzial von Kameraaufnahmen, das über die Untersuchung tektonischer Erdbeben hinausgeht. Immer mehr Überwachungskameras stehen in vulkanisch aktiven Regionen. Mit automatisierter Bildanalyse könnten solche Aufnahmen künftig genutzt werden, um auch die zeitliche Entwicklung von Bodenrissen und Deformationen während einer magmatischen Intrusion zu untersuchen. Kameras könnten damit eine zusätzliche Informationsquelle zur Beobachtung der Ausbreitung magmatischer Risse und von Dykes darstellen – insbesondere dort, wo klassische und oft seh kostspielige Messinstrumente nur begrenzt verfügbar sind. Eine automatische KI-Analyse der Videobilder könnte in vorhandenen Alarmsystemen integriert werden und zur schnelleren Gefahrenerkennugn beitragen.

Quelle: Enescu et al. (2026), Time-Resolved Surface-Fault Displacement During the 2026 Kumamoto Earthquake From Near-Fault Video, arXiv:2608.21045v2.

Deutschland: Spürbares Erdbeben erschüttert Worms

Erdbeben M 3,4 in Deutschland: Deutlich spürbare Erschütterung trifft Worms und Mannheim

Am Donnerstagnachmittag hat ein deutlich spürbares Erdbeben die Region zwischen Worms, Mannheim und Ludwigshafen erschüttert. Das Beben ereignete sich am 10. September 2026 um 17:27 Uhr MESZ und erreichte nach vorläufigen Daten eine Magnitude von 3,4. Das Hypozentrum lag in 10 Kilometern Tiefe bei 49,600° nördlicher Breite und 8,400° östlicher Länge. Damit befand sich das Epizentrum nur etwa 13 Kilometer nordnordwestlich von Mannheim und 13 Kilometer nord-nordwestlich Kilometer von Worms. Das Epizentrum manifestierte sich zwischen Silbersee und Rhein.



Deutschland © EMSC/Leaflet

Zahlreiche Menschen verspürten das Beben und meldeten ihre Eindrücke beim EMSC. In Worms wurde es als kurzer, aber kräftiger Erdstoß wahrgenommen. Aus Lampertheim wurden drei bis fünf Sekunden starken Rüttelns und ein ungewöhnlich hochfrequentes Geräusch beschrieben. In Frankenthal wackelte nach Angaben eines Beobachters das gesamte Haus. Auch aus Ludwigshafen, Mannheim und Viernheim gingen Meldungen über einen kräftigen Stoß, Vibrationen und klappernde Gegenstände ein. In Mannheim beschrieben Zeugen unter anderem ein tiefes Grummeln und anschließend mehrere Sekunden andauernde Vibrationen. Selbst aus Grünstadt, rund 18 Kilometer westlich des Epizentrums, wurde berichtet, dass das gesamte Haus gewackelt habe. Noch in Wiesbaden und Pforzheim gab es einzelne Wahrnehmungsmeldungen. Schäden wurden in den bisher vorliegenden Berichten nicht gemeldet.

Tektonisch liegt das Beben im Bereich des nördlichen Oberrheingrabens, einer seit dem Tertiär durch Dehnung geprägten Störungszone. Die Erdkruste wurde hier auseinandergezogen und durch zahlreiche Verwerfungen in einzelne Schollen zerlegt. Im nördlichen Abschnitt dominieren unter anderem listrische Abschiebungssysteme; im Untergrund der Rheinebene befinden sich zudem komplexe Störungsstrukturen zwischen dem Wormser und Mannheimer Raum.

Das Beben ist damit ein Ausdruck der weiterhin aktiven tektonischen Spannungen im Oberrheingraben. Vergleichbare, meist deutlich schwächere Erdbeben treten in der Region regelmäßig auf. Beispielsweise registrierte der Landeserdbebendienst erst im August ein schwaches Beben bei Worms und eines bei Mannheim.