Anak Krakatau eruptiert am 9. Oktober in kurzen Intervallen

Anak Krakatau eruptiert in kurzen Abständen – Aschewolken und glühende Tephra werden ausgestoßen.

Der Anak Krakatau ist weiterhin aktiv und steigerte in den letzten 24 Stunden seine Aktivität deutlich. Nachdem der Vulkan am Donnerstagabend eine Eruption erzeugte, die 4 Minuten und 45 Sekunden andauerte, folgten heute Nachmittag und Abend (Ortszeit) weitere Ausbrüche in kurzen zeitlichen Abständen. Live-Cambilder zeigen mehrere Hundert Meter hoch aufsteigende Aschewolken, die schnell vom Wind zur Seite verdriftet werden, so wie rotglühende Tephra, die besonders auf Nachtaufnahmen sichtbar wird.



Die Eruption vom 8. Oktober begann um 18:28 Uhr Ortszeit und erreichte eine maximale seismische Amplitude von 46 Millimetern. Eine Aschewolke konnte wegen der Bewölkung nicht beobachtet werden.

Anak Krakatau

Am Freitag folgten dann zwischen 16:17 und 19:57 Uhr Ortszeit 10 weitere Explosionen, bei denen Vulkanaschewolken mehrere hundert Meter hoch aufstiegen. Augenzeugen beschreiben die Wolken als dunkelgrau und dicht. Eine Eruption erzeugte eine 250 Meter über den Gipfel aufsteigende Wolke und dauerte 36 Sekunden. Die seismische Amplitude der Explosion belief sich auf 56 Millimeter.

Das VAAC Darwin kommt auf andere Höhenangaben und meldete Aschewolken, die bis auf eine Höhe von 1.800 Metern aufsteigen und mit 19 km/h nach Westen drifteten. Die Beobachtung, dass die indonesischen Vulkanbeobachter die Höhe der Aschewolken anders als internationale Agenturen einschätzen, ist nicht neu.

Die seismischen Daten vom 8. Oktober zeigen einen Anstieg der Seismizität, nachdem es in den Vortagen recht ruhig war. Das Monitoring registrierte insgesamt 20 Hybrid- bzw. Mehrphasenbeben, 18 flache und 2 tiefe vulkanotektonische Beben sowie kontinuierlichen Tremor. Diese Seismizität deutet auf vermehrte Fluidbewegung bzw. Magmaaufstieg hin.

Die aktuelle Aktivität kommt nicht völlig überraschend. Bereits Anfang Oktober meldete das Smithsonian/USGS eine Fortsetzung der Eruptionstätigkeit; zwischen dem 1. und 7. Oktober wurden unter anderem vier eruptive Ereignisse registriert.

Anak Krakatau bleibt damit klar eruptiv aktiv. Die wiederholten Explosionen in kurzen Intervallen und die erhöhte Seismizität zeigen, dass der Vulkan derzeit keineswegs zur Ruhe gekommen ist. Der Warnstatus liegt aktuell bei Stufe 2 („Waspada“/Vorsicht); der Sicherheitsradius von zwei Kilometern um den aktiven Krater bleibt bestehen.

Quellen: VAAC Darwin; CVGHM/PVMBG/MAGMA Indonesia; Smithsonian Global Volcanism Program.

Sizilien: Tornadoserie richtet Zerstörungen an

Tornado richtete Verwüstungen in Marsala auf Sizilien an – Verletzte und schwere Schäden

Erst gestern berichtete Vnet über die Unwetter in Süditalien und warnte vor den von Wetterdiensten prognostizierten Tornados, heute wurden sie dann Realität: Ein heftiger Tornado hat am Freitag die Westküste Siziliens getroffen und in der Gegend um Marsala und Petrosino ernstzunehmende Schäden verursacht. Nach italienischen Medienberichten wurden Autos umgeworfen und Dächer abgedeckt. Auch Verletzte wurden gemeldet. In sozialen Netzwerken verbreitete Aufnahmen zeigen einen gewaltigen Windwirbel, der zusammen mit weiteren Wasserhosen zunächst über dem Meer zu sehen war und anschließend auf das Festland traf.

Tornado

Besonders betroffen waren die südlichen Ortsteile von Marsala, darunter Strasatti und Terrenove-Bambina. Auch in der benachbarten Gemeinde Petrosino richtete der Wirbelwind starke Verwüstungen an. Neben Wohnhäusern und landwirtschaftlichen Gebäuden wurden Straßeninfrastruktur und Strommasten beschädigt. Der kommunale Wertstoffhof von Petrosino soll ebenfalls schwer in Mitleidenschaft gezogen worden sein.

Besorgniserregend ist auch der Schaden an der Schule Alcide De Gasperi im Raum Terrenove-Bambina. Dort wurden unter anderem Fenster, Türen und Teile des Daches beschädigt. Zum Zeitpunkt des Ereignisses befanden sich Kinder und Schulpersonal im Gebäude.

Die italienische Feuerwehr leitete einen umfangreichen Rettungs- und Sicherungseinsatz ein. Berichten zufolge wurden bei einem Vorfall in Petrosino zwei Menschen verletzt, nachdem ein Fahrzeug von den Windkräften erfasst und in einen Abhang geschleudert worden war. Die Insassen wurden medizinisch versorgt und in ein Krankenhaus gebracht. Weitere Verletztenmeldungen waren zunächst nicht bestätigt.

Wasserhosen ziehen über das Meer

Nach ersten Berichten des Centro Meteorologico Siciliano bildeten sich vor der Küste von Marsala zwei Wasserhosen, die anschließend das Festland erreichten. Solche Wirbel entstehen häufig unter kräftigen Gewitterwolken, wenn feuchtwarme Luft und geeignete Windverhältnisse zusammenkommen.

Als mögliche Ursache kommt eine ausgeprägte atmosphärische Instabilität infrage. Dabei trifft kühlere Luft in höheren Atmosphärenschichten auf warme, feuchte Luft in Bodennähe. Ob zusätzlich eine starke vertikale Windscherung die Tornadoentwicklung begünstigte, muss noch untersucht werden. Generell gelten die zu hohen Wassertemperaturen des Mittelmeeres als Verstärker von Unwettersituationen.

In ersten Meldungen wurde eine Stärke von möglicherweise F2 auf der Fujita-Skala vermutet. Diese Einstufung ist bislang jedoch nicht offiziell bestätigt. Ein F2-Tornado erreicht nach der ursprünglichen Skala geschätzte Windgeschwindigkeiten von rund 181 bis 253 Kilometern pro Stunde. Für eine belastbare Klassifizierung müssen Fachleute die entstandenen Schäden systematisch untersuchen.

Ätna: Zunahme der Erdbebentätigkeit im Oktober

Erdbebentätigkeit am Ätna nimmt zu – mehr als 20 Erschütterungen in zwei Tagen

Nach einer vergleichsweise ruhigen seismischen Phase hat die Erdbebentätigkeit am Ätna in den vergangenen Tagen zugenommen. Zwischen dem 5. und 7. Oktober ereigneten sich 21 Erschütterungen unter Siziliens mächtigstem Vulkan, darunter einige Beben in Tiefen von mehr als zehn Kilometern. Zu diesen Erschütterungen zählt auch das stärkste Beben mit einer Magnitude von 2,2. Es manifestierte sich in 18,5 Kilometern Tiefe, 4,7 Kilometer westlich von Bronte.



Shakemap © INGV

Interessant ist ein kleiner Erdbebenschwarm im Bereich der Via Mareneve und des Valle del Bove, der möglicherweise mit Fluidbewegungen entlang der Pernicana-Störung in Verbindung steht. Diese markante Störung wird am Ätna häufig durch magmatische Intrusionen unter der Nordflanke des Vulkans aktiviert, wobei auch rein tektonisch bedingte Erdbeben auftreten.

Das jüngste INGV-Wochenbulletin für den Beobachtungszeitraum vom 28. September bis zum 4. Oktober enthält bei den Bodenhebungsdaten keine Hinweise auf ausgeprägte Bodendeformationen. Im vorherigen Bericht war das noch anders: Damals deuteten die GNSS-Daten auf eine Inflation des Vulkangebäudes hin. Allerdings spiegeln die Messdaten jeweils nur einen begrenzten Zeitraum wider. Daher ist es durchaus möglich, dass inzwischen wieder eine beschleunigte Inflation eingesetzt hat. Ob dies tatsächlich der Fall ist, könnte sich aus dem nächsten Wochenbericht ergeben.

Auch ansonsten beschreibt das Bulletin eine eher ruhige Woche am Ätna, die von niedrigem Tremor und nachlassenden Ascheemissionen aus den Gipfelkratern geprägt war. Darüber hinaus wurden mäßige Gasemissionen beobachtet. Die Analyse der Tremorquellen zeigt jedoch, dass sich Fluide unter dem zentralen Kraterbereich bewegten. Dabei hielt die Tendenz an, sich in Richtung Nordwesten auszubreiten.

Das jüngste Copernicus-Satellitenbild vom 8. Oktober zeigte im kurzwelligen Infrarotbereich (SWIR, Band 4) keine thermischen Anomalien an den Gipfelkratern. Auf dem Bild vom 5. Oktober war dagegen noch eine winzige thermische Anomalie zu erkennen, die einen der neuen Schlote zwischen der Voragine und dem Nordostkrater markierte.

Insgesamt ist die Lage am Ätna weiterhin vergleichsweise ruhig. Die jüngsten Erdbeben könnten jedoch darauf hindeuten, dass der Wiederaufladungsprozess des Vulkans langsam voranschreitet.

Island: Schwarmbeben westlich von Eldey

Erdbebenschwarm westlich von Eldey erschüttert den isländischen Reykjanes-Rücken

Vor der Südwestküste Islands hat gestern Abend ein neuer Erdbebenschwarm eingesetzt. Das seismische Netzwerk des IMO registrierte seit 17 Uhr Ortszeit mehr als 150 überwiegend schwache Erschütterungen, die sich am Reykjanes-Rücken, gut 20 Kilometer west-südwestlich der kleinen Insel Eldey, ereigneten. Das stärkste Beben erreichte eine Magnitude von 3,4. Sein Hypozentrum lag in 11,4 Kilometern Tiefe.


Shakemap © IMO

Die Beben konzentrieren sich auf einen Bereich des Reykjanes-Rückens, an dem die Eurasische und die Nordamerikanische Platte auseinanderdriften. Die Region gehört zum Mittelatlantischen Rücken und ist sowohl durch intensive tektonische Aktivität als auch durch Vulkanismus geprägt. Erdbebenschwärme sind dort keine Seltenheit und können über Stunden oder Tage hinweg auftreten.

Vergleichbare Schwärme wurden in den vergangenen Jahren immer wieder westlich und südwestlich von Eldey beobachtet. So registrierte das IMO Ende 2024 innerhalb kurzer Zeit rund 200 Erdbeben in diesem Gebiet, darunter mehrere Ereignisse mit Magnituden über 3. In diesem Jahr gab es bislang nur wenige Erdbebenschwärme mit ähnlich starken Erschütterungen wie beim aktuellen Ereignis.

Nach gegenwärtigem Kenntnisstand gibt es keine konkreten Hinweise darauf, dass der aktuelle Schwarm durch eine neue Magmenintrusion ausgelöst wurde. Allerdings könnten die Erdbeben auf weitreichende Spannungsänderungen zurückzuführen sein, die mit einer Magmenintrusion oder der Migration von Fluiden im Untergrund zusammenhängen. Selbst die anhaltende Magmenintrusion bei Svartsengi könnte sich am Reykjanes-Rücken bemerkbar machen. Was bis vor Kurzem noch Spekulation war, wird inzwischen in mehreren Studien als plausible Möglichkeit beschrieben.

GNSS © IMO

Bei Svartsengi hält die Bodenhebung infolge der Magmenakkumulation weiterhin an. Die Vulkanüberwachung geht deshalb davon aus, dass es künftig erneut zur Bildung eines magmatischen Gangs oder sogar zu einem Vulkanausbruch im Bereich der Sundhnúkur-Kraterreihe kommen könnte. Die GNSS-Daten deuteten in den vergangenen Tagen zunächst auf eine nachlassende Hebegeschwindigkeit hin. Wie bereits mehrfach beobachtet, zeigten die jüngsten Messungen jedoch erneut einen kleinen Sprung nach oben, der den zuvor scheinbaren Rückgang ausgleicht. Somit kann weiterhin von einer nahezu konstanten Hebegeschwindigkeit ausgegangen werden.

Darüber hinaus ereignete sich unter der vom Gletscher Mýrdalsjökull bedeckten Katla-Caldera ein kleiner Erdbebenschwarm. Das IMO registrierte innerhalb von 48 Stunden fast 20 Beben in diesem Gebiet.

Bemerkenswert sind auch zwei Beben M 2,2, die an unterschiedlichen Lokatinen zutrugen, wo sich sonst wenige BEben ereigne: Eines der Beben manfesteirte sich unmittelbar vor der Westküste von Heimaey auf den Westmännerinseln. Das zweite Beben trug sich im Norden von Snaeffelsjökull zu.

Auch wenn der letzte Vulkanausbruch auf Island bereits mehr als ein Jahr zurückliegt, bleibt die Insel im Nordatlantik ein Brennpunkt der Erdgewalten.

Chile: Unwetter löst Schlammfluten aus

Schlammflut verwüstet Las Condes – schwere Unwetter in Santiago

Extreme Unwetter haben in Santiago de Chile eine schwere Naturkatastrophe ausgelöst. Besonders betroffen war die östlich gelegene Gemeinde Las Condes am Fuß der Anden. Nach außergewöhnlich starken Niederschlägen verwandelten sich Bäche und Entwässerungswege in reißende Ströme aus Wasser, Schlamm und Geröll. Zahlreiche Fahrzeuge wurden von den Wassermassen erfasst und mitgerissen.



Chile

Besonders dramatische Szenen spielten sich an einem Bus der städtischen Verkehrsgesellschaft Red Movilidad ab. Das Fahrzeug wurde von der Flut erfasst und mehrere Hundert Meter weit mitgerissen. Fahrgäste konnten sich teilweise auf das Dach retten, während die Wassermassen durch die Straßen strömten. Auch zahlreiche Autos blieben in den Schlamm- und Geröllmassen stecken. Videos zeigen Menschen, die nach ihrer Rettung vollständig mit Schlamm bedeckt waren.

Nach ersten Angaben wurden mehrere Menschen verletzt, darunter auch ein Kleinkind. Todesopfer wurden bislang nicht gemeldet. Rettungskräfte waren im gesamten betroffenen Gebiet pausenlos im Einsatz.

Die Behörden sprechen von einer plötzlich anschwellenden Flut beziehungsweise einem Aluvión. Dabei können innerhalb weniger Minuten große Mengen Wasser, Sediment und Geröll aus den höher gelegenen Bereichen der Anden in bewohnte Gebiete gelangen. Die Böden waren nach den vorausgegangenen Niederschlägen bereits stark mit Wasser gesättigt. Zusätzlich könnte die Blockierung von Entwässerungsleitungen die Überflutungen verschärft haben.

Die Katastrophe wurde auch durch die Topografie Santiagos begünstigt. Die Metropole liegt unmittelbar am Fuß der Anden, sodass intensive Niederschläge in den steilen Einzugsgebieten rasch in Richtung Stadt abfließen können. In den betroffenen Hanglagen besteht zudem nach früheren Waldbränden eine erhöhte Erosionsgefahr. Darüber hinaus werden Pflanzenreste von den Wassermassen mitgerissen, was die Schlammfluten noch gefährlicher macht.

Der starke El Niño liefert einen möglichen großräumigen klimatischen Hintergrund für die ungewöhnlichen Niederschläge. Im östlichen äquatorialen Pazifik, wo sich das El-Niño-Phänomen besonders deutlich ausprägt, liegen die Oberflächentemperaturen des Meeres aktuell bei 30 Grad Celsius. Damit wird ein neuer Rekord erreicht – noch nie wurden seit Beginn der Messungen derart hohe Werte registriert. Während eines El Niño schwächen sich die Passatwinde ab oder verändern ihre Stärke und ihr Strömungsmuster. Dadurch verändern sich auch die Strömungen des pazifischen Oberflächenwassers und die Verteilung der Niederschläge. An der Pazifikküste Südamerikas kann es dadurch zu außergewöhnlich starken Regenfällen kommen, während Australien und Indonesien unter ausgeprägter Trockenheit leiden können. El Niño ist jedoch nicht allein für die Katastrophe in Chile verantwortlich. Entscheidend war das Zusammenspiel aus extremen Niederschlägen, wassergesättigten Böden, steilem Gelände und einer Entwässerung, deren Limit überschritten war.

Präsident José Antonio Kast erklärte Las Condes zur Katastrophenzone. Angesichts der weiterhin instabilen Verhältnisse warnen die Behörden vor weiteren Überschwemmungen und Massenbewegungen.

Campi Flegrei: Kohlendioxid als Motor der Druckbeaufschlagung

Studie entschlüsselt Kohlendioxid als möglichen Motor der Druckbeaufschlagung des Hydrothermalsystems der Campi Flegrei

Eine neue Studie von Giulio Bini und Kollegen rückt ein Gas ins Zentrum der aktuellen Unruhe der Campi Flegrei: Kohlendioxid. Mehr als 30.000 Messungen aus 27 Jahren zeigen, dass der CO₂-Ausstoß an der Solfatara seit Beginn der aktuellen Unruhe 2005 stark zugenommen hat. Waren es zu Anfang der Krise noch 300 Tonnen am Tag, sind es jetzt durchschnittlich 1800. Besonders bemerkenswert ist, dass die Entwicklung nahezu parallel zur Bodenhebung und zur zunehmenden Seismizität verläuft. Bis Ende 2025 hatte sich der Boden bei Pozzuoli um mindestens 160 Zentimeter gehoben.



Bocca Grande Solfatara

Die Bedeutung des CO₂ liegt zunächst in seiner Herkunft: Lange Zeit wurde angenommen, dass das Kohlendioxid überwiegend durch die Entmischung von Karbonatsedimenten stammt. Inzwischen besteht allgemeiner Konsens, dass das Gas überwiegend aus einer Magmaquelle entströmt. CO₂ ist in Magmaschmelzen vergleichsweise schlecht löslich und wird deshalb bereits in größeren Tiefen aus dem Magma freigesetzt. Steigt magmatisches Fluid auf, kann eine zunehmende CO₂-Freisetzung daher anzeigen, dass mehr Fluid aus der Tiefe in das hydrothermale System gelangt. Genau diesen Zusammenhang sehen Bini et al. in ihren Langzeitdaten. Die Autoren interpretieren den Anstieg der CO₂-Emissionen als Hinweis auf eine Druckbeaufschlagung durch Ansammlung magmatischer Fluide in etwa 3 bis 4 Kilometern Tiefe.

Dabei ist nicht allein die Menge des Kohlendioxids von Bedeutung. Mit den aufsteigenden magmatischen Fluiden gelangt auch eine große Menge Wasserdampf in das hydrothermale System. Bini und Kollegen modellieren, dass zunehmender Fluidnachschub die hydrothermale Zone unter Druck setzt und Wasserdampf innerhalb des obersten Kilometers der Caldera kondensiert. Bei diesem Phasenwechsel wird viel latente Wärme an das umgebende Gestein abgegeben. Die berechnete thermische Energie übersteigt die für die 1,6 Meter Bodenhebung erforderliche Energie um etwa eine Größenordnung. Ein unabhängiger Hinweis auf diese Erwärmung ist der Anstieg der Bodentemperaturen an der Solfatara um mehr als zehn Grad seit 2005.

CO₂ wird damit zu einem indirekten Maß für einen tiefer liegenden Prozess: Je stärker magmatische Fluide aufsteigen, desto mehr CO₂ kann an die Oberfläche gelangen, während gleichzeitig Druck und Temperatur im hydrothermalen System zunehmen. Die Studie zeigt entsprechend eine enge Korrelation zwischen CO₂-Ausgasung, Deformation und Seismizität. Besonders auffällig war ein magmatischer Gasimpuls zwischen 2018 und 2022, dessen Schwerpunkt unterhalb der Solfatara lag.


Ein steigender CO₂-Ausstoß bedeutet allerdings nicht automatisch, dass Magma unmittelbar bis zur Oberfläche aufsteigt. Das CO₂ kann aus tieferen magmatischen Fluiden stammen, die in das hydrothermale System eingespeist werden.

Daraus lässt sich ableiten, dass keine Magmainjektionen in geringer Tiefe erforderlich sind, um das Hydrothermalsystem aufzuheizen und unter Druck zu setzen. Gleichzeitig kann auch ohne weiteren Magmaaufstieg eine Druckbeaufschlagung des oberflächennahen Systems erfolgen, wodurch das Risiko phreatischer Explosionen steigt.

Damit liefert das Gas einen Einblick in einen im Verborgenen ablaufenden Prozess. CO₂ ist in den Campi Flegrei nicht bloß ein Anzeichen magmatischer Aktivität. Sein langfristiger Anstieg ermöglicht es, den Zustrom magmatischer Fluide, die Erwärmung des Untergrunds und die zunehmende hydrothermale Druckbeaufschlagung miteinander zu verknüpfen und stellt eines der Puzzleteile dar, die Prozesse des gemeinhin als Bradyseismos bekannten Phänomens der seismovulkanischen Bodenhebungskrise zu entschlüsseln.

Interessanterweise gab es auch in diesem Jahr mehrere CO₂-Pulse, die in der Bevölkerung für Unruhe sorgten. Das unsichtbare und geruchslose Gas sammelte sich dabei in gefährlich hohen Konzentrationen in Kellern und im Erdgeschoss einer Schule sowie in einem Eisenbahntunnel. Im jüngsten Bulletin wurde zudem ein neuer Höchstwert der Kohlendioxidkonzentration an der Pisciarelli-Fumarole bekannt gegeben, wo sich der Ausstoß nahezu verdoppelte. Dies wirft die Frage auf, ob Seismizität und Bodenhebungsrate in absehbarer Zeit wieder zunehmen werden.

Italien: Schwere Unwetter Treffen Rom und Neapel

Schwere Unwetter über Italien: Neue Starkregen-Phase für Neapel und Süditalien erwartet

Italien wird derzeit von einer ausgeprägten Unwetterlage heimgesucht, die katastrophenartige Zustände verursacht. Besonders betroffen sind Rom und die Region Kampanien mit Neapel und dem Vesuvgebiet. Nach den schweren Gewittern der vergangenen Stunden zeichnet sich noch keine schnelle Entspannung ab. Im Gegenteil: Für Donnerstagabend und die Nacht zum Freitag wird eine weitere Intensivierung der Niederschläge erwartet.



Überflutungen

In Rom sorgte Starkregen bereits am Mittwochabend für signifikante Probleme. Innerhalb von nur rund 40 Minuten gingen große Wassermengen nieder. Straßen wurden überflutet und Wasser drang in Gebäude ein. Auch das U-Bahn-Netz war betroffen: In mehreren Stationen der Linie A sammelte sich Wasser, die Station Manzoni musste zeitweise geschlossen werden. Zudem entwurzelten Sturmböen Bäume. Zwischen Mittwochabend und Donnerstagmorgen rückten die Feuerwehren zu rund 120 Einsätzen aus.

In Neapel brachte die sogenannte Wasserbombe so viel Niederschlag mit sich, dass Senken so tief überflutet wurden, dass Fahrzeuge die Bodenhaftung verloren und auftrieben.

Der Katastrophenschutz rief für den Großraum Rom eine gelbe Wetterwarnung aus. In Kampanien hat der Zivilschutz die Warnstufe für den Raum Neapel, nebst dem Vesuvgebiet sowie Ischia, Procida und Capri auf Orange angehoben. Auch Pozzuoli und Campi Flegrei sind betroffen. Die Warnung gilt von Donnerstag, 15 Uhr, bis Freitag, 15 Uhr. Erwartet werden weitere Schauer und Gewitter, die örtlich eine hohe Intensität erreichen können.

Damit steigt insbesondere die Gefahr von Sturzfluten und Überflutungen. Der Zivilschutz warnt zudem vor oberflächlichen Erdrutschen sowie schnellen Schlamm- und Geröllströmen. Gerade in den dicht besiedelten Gebieten rund um Neapel können extreme Niederschlagsmengen innerhalb kurzer Zeit problematisch werden.

Meteorologisch steht die Entwicklung im Zusammenhang mit einer größeren Störung über dem Mittelmeer. Ein Tiefdruckgebiet über dem Tyrrhenischen Meer sorgt bereits seit Tagen für instabile Luftmassen mit großer Feuchte. Gleichzeitig nähert sich eine weitere atlantische Störung. Dadurch bleibt die Atmosphäre über Mittel- und Süditalien labil. Der Schwerpunkt der stärksten Gewitter verlagert sich dabei zunehmend nach Süden.

Besonders aufmerksam wird derzeit auf Kampanien und das südliche Latium geschaut. Prognosen deuten für Donnerstagabend bis Freitagmorgen auf eine Phase mit sehr kräftigen Gewittern hin. Lokal können dabei innerhalb weniger Stunden außergewöhnlich hohe Regenmengen zusammenkommen; einzelne Modellberechnungen zeigen für Teile Kampaniens Niederschlagsmengen von bis zu 100 Millimetern.

Die Unwetterlage könnte anschließend weiter nach Süden ziehen. Auch am Samstag, 10. Oktober, werden im Süden Italiens noch verbreitet Regen und Gewitter erwartet, bevor sich die Wetterlage voraussichtlich ab Sonntag allmählich beruhigt.

Sakurajima eruptiert häufig Aschewolken

Sakurajima bleibt hochaktiv – zahlreiche Aschewolken seit gestern

Der japanische Vulkan Sakurajima zeigt weiterhin eine hohe eruptive Aktivität. Seit gestern wurden vom Volcanic Ash Advisory Center (VAAC) Tokyo insgesamt 15 Aschewolkenwarnungen herausgegeben. Damit setzt sich die bereits Anfang Oktober beobachtete intensive Aktivität am Minamidake-Gipfelkrater fort. Das jüngste VAAC-Bulletin vom 8. Oktober meldete eine Eruption um 10:06 UTC, bei der eine Aschewolke bis etwa 8000 Fuß (2,4 Kilometer) Höhe aufstieg und sich nach Südwesten ausbreitete. In den Satellitendaten war die Aschewolke zum Beobachtungszeitpunkt allerdings nicht mehr eindeutig identifizierbar.

Sakurajima

Auch die japanische Wetterbehörde meldete am 8. Oktober eine Eruption des Minamidake-Gipfelkraters. Die ausgeworfene dunkle Eruptionswolke erreichte rund 1.000 Meter über dem Kraterrand, entsprechend etwa 6.800 Fuß über dem Meeresspiegel. Die Eruptionswolke stieg dabei nahezu senkrecht auf. Die Stärke der Aktivität wird als mittel eingestuft.

Auf den LiveCams ist zu sehen, dass die Aschewolken relativ langsam aufsteigen, was auf einen geringen Explosionsdruck schließen lässt. JMA berichtet zwar von sichtbarem Kraterglühen, doch glühende Tephra wird nur selten über den Kraterrand hinaus ausgeworfen. Vulkanische Blitze fehlen ebenfalls.

Die hohe Frequenz der Ascheemissionen steht im Zusammenhang mit einer länger anhaltenden magmatischen Unruhe des Vulkans. Im zuletzt veröffentlichten Situationsbericht für den Beobachtungszeitraum 2. bis 5. Oktober wird von fünf Eruptionen am Minamidake berichtet, darunter eine Explosion. Dabei wurden größere Gesteinsblöcke bis rund 900 Meter vom Krater entfernt beobachtet. Nachts war zudem anhaltendes Glühen sichtbar. Am Showa-Krater wurden dagegen keine neuen Eruptionen festgestellt.

Auch die längerfristigen geophysikalischen Daten sprechen für eine fortbestehende Magmazufuhr. GNSS-Messungen zeigen seit Mai 2026 eine leichte Ausdehnung des Vulkangebäudes. Gleichzeitig wird unter der Aira-Caldera, zu der Sakurajima gehört, weiterhin eine allmähliche Aufweitung registriert. Die dort gespeicherte Magmamenge und generell hohen Schwefeldioxidemissionen deuten darauf hin, dass das vulkanische System weiterhin mit Magma versorgt wird.

Die Vulkanwarnstufe 3 bleibt bestehen. Besonders gefährlich sind ballistische Gesteinsbrocken im Umkreis von etwa zwei Kilometern um die Gipfelkrater sowie pyroklastische Ströme. Hinzu kommen weitreichender Ascheregen und bei starken Explosionen Druckwellen, die Fensterscheiben beschädigen können.

Taal: Starke phreatomagmatische Eruption mit Blitzen

Taal eruptiert phreatomagmatisch – Rotglut und Blitze in der Eruptionswolke

Nach einer mehrwöchigen Phase ohne nennenswerte eruptive Aktivität erzeugte der philippinische Taal-Vulkan heute eine magmatophreatische Eruption, die stärker war als alles, was der Vulkan in diesem Jahr hervorgebracht hat. Bilder der Überwachungskameras zeigen, dass nicht nur eine Aschewolke aus dem Main Crater auf Volcano Island aufstieg und rotglühende Tephra mitführte, sondern dass sich auch vulkanische Blitze in der Eruptionswolke bildeten.



Thermalbild
Die markante Eruption begann am Donnerstagabend um 18:06 Uhr Ortszeit und dauerte nach Angaben der philippinischen Vulkanüberwachungsbehörde PHIVOLCS gut fünf Minuten. Dabei entstand am Main Crater eine dunkelgraue Eruptionswolke, die bis auf eine Höhe von 4.000 Metern über dem Krater aufstieg.

Das VAAC Tokio registrierte die Eruption um 10:06 UTC und schätzte, dass die Aschewolke bis auf Flugfläche 150 aufstieg, was einer Höhe von etwa 4.600 Metern über dem Meeresspiegel entspricht. Sie wurde in südwestlicher Richtung verfrachtet. In den unmittelbar danach verfügbaren Satellitendaten ließ sich die Aschewolke allerdings nicht eindeutig identifizieren.

PHIVOLCS erwartet leichten Aschefall in den südwestlich des Vulkans gelegenen Gemeinden Agoncillo, Lemery, San Nicolas und Taal sowie in angrenzenden Gebieten. Die Bevölkerung muss insbesondere mit kurzfristigen und lokal begrenzten Ascheablagerungen rechnen.

Auf den Videoaufnahmen ist außerdem zu sehen, wie sich die Eruptionswolke über dem Boden von Volcano Island ausbreitete und dabei pyroklastische Dichteströme bildete. Sollte sich jemand widerrechtlich in Kraternähe aufgehalten haben, hätte dies lebensgefährliche Folgen haben können.

Der Ausbruch kam nicht völlig überraschend, doch die geophysikalischen Parameter waren am Vortag nicht so ausgeprägt, dass sie auf eine derart starke Explosion am Folgetag hingedeutet hätten. Das deutlichste Signal stammte von einem vulkanischen Tremor, der 82 Minuten lang anhielt. Der Schwefeldioxidausstoß lag am 6. Oktober bei 952 Tonnen pro Tag. Zudem weist die Überwachung auf eine Inflation von Volcano Island hin, was auf eine Veränderung des Druckzustands im flachen Vulkansystem hindeuten kann. Allerdings wird dieses Phänomen bereits seit mehreren Jahren beobachtet. Zusätzlich wurde eine moderate, etwa 1.500 Meter hohe Gas- und Dampfemission registriert, die nach Südwesten driftete.
Trotz der aktuellen Eruption bleibt die Warnstufe 1 bestehen. PHIVOLCS stuft die Aktivität damit weiterhin als niedriggradige Unruhe ein. Der Zutritt zur Permanent Danger Zone, insbesondere zum Main Crater und den Daang-Kastila-Spalten, bleibt verboten. Auch der Aufenthalt auf dem Taal Lake und der Bootsverkehr sowie Flüge in unmittelbarer Nähe des Vulkans werden nicht empfohlen.

Die aktuelle Eruption zeigt, dass trotz vergleichsweise geringer Seismizität weiterhin explosive Dampf-Wasser-Interaktionen im Krater möglich sind. PHIVOLCS weist daher auch auf die Gefahr weiterer phreatischer oder gasgetriebener Explosionen, vulkanischer Erdbeben, Aschefalls und gefährlicher Gaskonzentrationen hin.