Studie enthüllt Hinweise auf tiefes Magmareservoir unter dem submarinen Condor-Vulkan auf den Azoren
Die Azoren sind bei uns nicht nur wegen ihrer wetterbestimmenden Hochdruckgebiete oder als Urlaubsinseln bekannt, sondern werden derzeit von einer erhöhten seismovulkanischen Aktivität geprägt, über die auf Vnet mehrfach berichtet wurde. Auf den Inseln stehen vier Vulkansysteme auf der Warnstufe V1: der Vulkan Santa Bárbara und das westliche Fissurensystem auf Terceira, das Manadas-Fissurensystem auf São Jorge sowie das submarine Cachorro-Vulkansystem im Faial-Pico-Kanal. Nun enthüllte eine neue Studie, dass sich langfristig betrachtet ein weiterer submariner Vulkan auf einen Ausbruch vorbereiten könnte.
Bei diesem Vulkan handelt es sich um den Condor-Seamount, der nur ca. 17 Kilometer westlich von Faial liegt. Der fast 50 Kilometer lange submarine Vulkanrücken besitzt wie die vulkanischen Rücken von Faial und Pico eine auffällige WNW-ESE-Ausrichtung, die mit der transtensionalen Tektonik der Azoren in Verbindung gebracht wird. Ähnliche Strukturen kontrollieren den Aufstieg von Magma in weiten Teilen der Region. Ein direkter Link in Form eines Magmenkanals zwischen Condor und Pico ist allerdings nicht nachgewiesen.

Die am 28. August in Geophysical Research Letters veröffentlichte Studie von Liu und Kollegen liefert neue Hinweise darauf, dass der Condor Seamount möglicherweise nicht vollständig erloschen ist, wie man es bis vor wenigen Jahren noch vermutete. Die Forscher untersuchten eine Erdbebenkrise, die Ende 2019 am westlichen Ende des Vulkankamms einsetzte. Damals ereigneten sich unter anderem vier Erdbeben mit Magnituden über 4,5.
Um die Vorgänge im Untergrund genauer zu untersuchen, installierten die Wissenschaftler fünf Meeresboden-Seismometer. Über einen Zeitraum von 102 Tagen registrierten die Geräte die Erschütterungen. Mithilfe eines maschinellen Lernverfahrens konnten anschließend tausende P- und S-Wellen identifiziert werden. Daraus erstellten die Forscher einen hochauflösenden Katalog mit 1.799 präzise lokalisierten Mikrobeben.
Das wichtigste Ergebnis betrifft die Tiefe der Erdbeben. Die Hypozentren konzentrierten sich über Jahre hinweg auf einen Bereich von etwa 14 bis 18 Kilometern Tiefe. Vergleiche mit der Lage der Erdkrusten-Mantel-Grenze zeigen, dass die Erdbeben wahrscheinlich im obersten Erdmantel beziehungsweise unmittelbar an der Moho stattfinden. Eine derartige Seismizität ist ungewöhnlich, weil die hohen Temperaturen und Drücke dort normalerweise eher eine plastische Verformung des Gesteins begünstigen und nicht brechen, wodurch normalerweise Erdbeben ausgelöst werden.
Die Autoren führen die Erdbebenschwärme deshalb auf mehrere Magmenintrusionen zurück. Aufsteigendes Magma könnte sich an der Grenze zwischen Erdkruste und Mantel sammeln und dort ein Magmareservoir aufbauen. Durch die fortgesetzte Magmenzufuhr steigt der Druck, wodurch das umliegende Gestein aufbricht und Erdbeben ausgelöst werden.
Im Fokus der Forschung standen die Unterschiede in der Polarität der P-Wellen. Aus der Polarität an mehreren Messstationen lässt sich ableiten, wie sich das Gestein am Erdbebenherd gegeneinander bewegt hat. Dadurch können Forscher den sogenannten Herdmechanismus eines Bebens bestimmen und beispielsweise zwischen Dehnung, Kompression und verschiedenen Brucharten unterscheiden. Beim größten Erdbebenschwarm traten neben den überwiegenden normalen Erstbewegungen auch umgekehrte Polaritäten auf. Bei drei kleineren Schwärmen fehlte dieses Phänomen. Nach Interpretation der Forscher könnte dies zeigen, dass eine größere Magmenintrusion das lokale Spannungsfeld so stark veränderte, dass neben Dehnung auch kompressive Spannungen an vorhandenen Störungen entstanden.
Die Studie liefert damit Hinweise auf einen möglicherweise noch aktiven magmatischen Prozess tief unter dem Condor Seamount. Einen unmittelbar bevorstehenden Ausbruch kann sie jedoch nicht ableiten. Die Autoren halten langfristig aber weitere Eruptionen und sogar eine weitere Verlängerung des Vulkankamms nach Westen für möglich.
Über Condor Seamount

Der Condor Seamount ist ein submariner Vulkan, der ca. 17 Kilometer westsüdwestlich der Azoreninsel Faial liegt. Der langgestreckte Vulkanrücken ist etwa 39 Kilometer lang und 23 Kilometer breit und erhebt sich bis zu 1.800 Meter über den Meeresboden. Sein Gipfelbereich reicht bis auf etwa 185 Meter unter den Meeresspiegel, während die Flanken bis in eine Tiefe von rund 2.000 Metern abfallen.
Der überwiegend ost-westlich ausgerichtete Vulkan besitzt einen vergleichsweise flachen Gipfelbereich und von Sedimenten bedeckte, sanft abfallende Flanken. Aufgrund seiner Nähe zu Faial ist der Condor Seamount für die Vulkan- und Meeresforschung besonders interessant, da submarine Vulkane normalerweise nur schwer zugänglich sind. Die Lage ermöglicht detaillierte Untersuchungen seiner Vulkanstruktur und seismischen Aktivität.
Eine Greenpeace-Kampagne erforschte 2006 die Flora und Fauna mit Hilfe eines Tauchroboters und entdeckte eine unvermutet große Biodiversität. Darunter auch Kaltwasserkorallen, die in der ewigen Dunkelheit in mehreren hundert Metern Wassertiefe angetroffen wurden.
Quelle: Liu, Y., Mitchell, N., Lange, D. & Grevemeyer, I. (2026): An inflating upper mantle magma reservoir beneath the tip of the Condor Seamount, Azores revealed by rapid-response ocean-bottom-seismometer data. Geophysical Research Letters 53, e2025GL119884. DOI: 10.1029/2025GL119884.






