Vulkaneifel |
Es ist gerade einmal 10.000 Jahre her, als die sanft geschwungene Hügellandschaft der Eifel ein Gebiet mit äußerst aktiven Vulkanismus war. Eruptionen, die selbst den gewaltigen Ausbruch des Mt. St. Helens an Heftigkeit übertrafen, waren nicht selten. Die frühen Siedler Deutschlands müssen Augenzeugen -und Leittragende- dieser gewaltigen Eruptionen gewesen sein, die da bis zum Ende der letzten Eiszeit andauerten. Heute scheint die Eifel ruhig und friedlich zu sein, fern von den Naturkräften, die sie einst formten. Doch wer genauer hinsieht entdeckt noch die Spuren des Vulkanismus -ja, eigentlich verfolgen sie den Interessierten auf Schritt und Tritt. Selbst wer die Eifel auf der Autobahn durchquert, fährt an zahllosen Vulkanen vorbei. Viele der niedrigen Hügel und Kuppeln der Eifel sind Vulkanbauten. Sie unterscheiden sich von den bekannten Vulkankegeln anderer Regionen aufgrund ihrer besonderen Entstehungsgeschichte. Bei den Vulkanen der Eifel handelt es sich überwiegend um Schlackenkegel und Maare. Letztere sind große Vertiefungen, die von einem Ringwall aus klastischen Material umgeben sind. Sie entstanden durch sogenannte phreatomagmatische Eruptionen, bei denen das aufsteigende Magma kurz unter der Erdoberfläche auf Grundwasser trifft. Dieses verdampft schlagartig und verursachte so gewaltige Wasserdampf-Explosionen. Das Gestein in der Umgebung des Explosionsherd wird zertrümmert, schießt mit der Lava in die Höhe und lagert sich schließlich z.T. als Ringwall um den Ort des Geschehens ab. Ein grosser Teil des klastischen Materials stürzt allerdings wieder in den Krater. In Tausenden, manchmal aber auch nur in wenigen Explosionen, vergrössert sich der Krater nach unten und die viel zu steilen Wände stürzen nach. So entsteht eine recht große Hohlform, die wir als Maar bezeichnen (siehe Zeichnung). Heute sind die Maare meistens mit Wasser gefüllt und bilden herrliche Seen.
Bei den Schlackenkegeln handelt es sich um Vulkane mit einem einfachen Aufbau, der davon zeugt, dass sie nicht lange aktiv waren. Diese Schlackenkegel sind typisch für kontinentale Intraplattenvulkane und bilden ganze Vulkanfelder. Im Fall der Eifel entstanden seit dem Tertiär zwei Vulkanfelder. Das der Westeifel und das der Osteifel. Sie gehören zum Riftsystems des Oberreihngrabens (vgl. Ostafrikanisches Rift Valley) und liegen auf den sich hebenden Riftschultern. Die Herkunft des Magmas ist noch nicht eindeutig geklärt. Umstritten ist die Hypothese einiger Wissenschaftler, die unter der Eifel einen „hot-spot", bzw. eine Zone kleindimensionierter „Mantel Plumes" vermuten. Diese ortsstabilen Fördersysteme transportieren das Magma aus den Tiefen des oberen Erdmantels an die Oberfläche. Während die Tektonischen-Platten über diese Plumes hinwegwandern, entsteht eine Vulkankette abnehmenden Alters (Bsp. Hawaii). Im Falle der Eifel soll sie das jüngste Glied in der Kette der mitteleuropäischen Vulkanzonen darstellen, die sich von Schlesien über die Oberpfalz, dem Vogelsberg, dem Westerwald bis eben in die Eifel erstreckt. Im folgenden ein kurzer Überblick über die Vulkanzonen der Eifel. Westeifel Bei dem Vulkangebiet der Westeifel handelt es sich um eine gut 20 x 50 Kilometer messende Region, deren Zentrum die Stadt Daun bildet. Ca. 240 Vulkane und Maare liegen hier. Zu den bekanntesten Maaren der Region zählt das Gemündener-, das Weinfelder-, das Schalkenmehrener-, das Ulmener-, und das Pulver-Maar. Größtes Maar der Eifel ist das Meerfelder-Maar. Es misst 1480 x 1200 m. Die vulkanische Tätigkeit begann in einer ersten Periode vor gut 400.000 Jahren und endete vor 12.000 Jahren. In dieser Periode entstanden die Vulkane, die überwiegend Laven tephritischer und basaltischer Zusammensetzung förderten. Dem schloss sich direkt eine zweite Periode an, die bis vor 10.000 Jahren andauerte. Zu dieser Zeit entstand das Ulmener Maar; Deutschlands jüngster Vulkan. Sollten Sie durch die Eifel reisen, dann besuchen Sie das Vulkanmuseeum in Daun, das in Zusammenarbeit mit dem Geo Zentrum Vulkaneifel entstand. Osteifel Hier befinden sich in einem 35 x 25 Kilometer grossen Areal ca. 100 Vulkane, die in einer tektonischen Einbruchszone liegen. Der bekannteste Vulkan ist der Laacher-See-Vulkan, ein Maar, an dessen Rand heute noch Kohlendioxid-Austritte zu beobachten sind. Insgesamt werden 5 Tätigkeits-Perioden unterschieden. Die ersten Eruptionen begannen vor 570.000 Jahren mit der Enstehung erster Stratovulkane. Es wurden überwiegend Alkalibasalttuffe gefördert, aber auch Lavaströme tephritischer und leucitischer Zusammensetzung. Hauptmerkmal der 5. Tätigkeits-Periode war die Förderung großer Bimsstein- und Aschemengen aus dem Laacher-See-Vulkan. Die größte Eruption fand hier vor 12.900 Jahren statt und förderte mehr Material, als z.B. der Ausbruch des Pinatubo 1991. Die Aktivitäten endeten erst vor 11.000 Jahren, zum Ende der letzten Eiszeit. Die Geowissenschaftler vermuten, dass der Vulkan nur ruht und nicht erloschen ist. In den letzten Jahren verstärken sich die Kohlendioxid-Austritte im Bereich der „Alten Burg" am Ostufer des Laacher Sees. Vulkanologen schließen einen erneuten Ausbruch in den nächsten Jahrzehnten nicht völlig aus. Sehenswert in der Osteifel sind -neben dem Laacher See- die zahlreichen Steinbruchbetriebe um Mendig. Hier werden ganze Vulkane abgetragen, was einen unbeschreiblichen Einblick in ihren Aufbau ermöglicht. Leider wird die Natur zerstört und eines Tages werden die Vulkane wohl gänzlich verschwunden sein. Einen Besuch Wert ist auch das kleine Vulkanmuseum bei Mendig, dass von der „Deutsche Vulkanologische Gesellschaft e.V." betrieben wird. Hier starten auch die Führungen in die spektakulären Lavakeller von Mendig. Dies sind riesige Katakomben in denen Basalt untertage abgebaut wurde. In beiden Vulkanregionen gibt es die sogenannten Georouten, bzw. Geopfade die gut ausgeschildert sind und zu den sehenswertesten, geologischen Aufschlüssen, Quellen und Gasaustritten führen. Alternativ entführen wir Sie nun auf ein kleine Bildereise zu einigen ausgewählten Orten der Vulkaneifel. Quellen: Eschghi, I., et.al.: "Geo-Infoband Vulkaneifel", Geo Zentrum Vulkaneifel und Landkreis Daun 1999 Schmincke, H. U.: „Vulkanismus" Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2000 Krafft, Maurice: „Führer zu den Vulkanen Europas, Band 2" Enke-Verlag Stuttart 1984 Liebig, Volker: Hessisches Landesmuseum Darmstadt |