Island: Schadensbilanz für Grindavik steht

Schadensbilanz für Grindavik steht – Ausbruchsprognose unsicher

Seitdem im Oktober/November 2023 die von Erdbeben begleitete Serie magmatischer Gangintrusionen und Vulkanausbrüche im isländischen Svartsengi-Gebiet begann, waren Versicherer beschäftigt, die Schäden zu begutachten, die die Naturkatastrophe in Grindavik verursachte. Nun nähert sich die Aufarbeitung und Bilanzierung ihrem Abschluss. Mehr als 70 Gebäude wurden infolge massiver Bodenverformungen und direkter Lavaeinwirkung zerstört oder beschädigt. Bei der isländischen Naturkatastrophenversicherung NTÍ gingen rund 800 Schadensmeldungen ein. Die Gesamtsumme der Entschädigungen dürfte sich auf nahezu 12 Milliarden isländische Kronen (ca. 83 Millionen Euro) belaufen und könnte durch noch laufende Prüfverfahren geringfügig ansteigen.

Ein Teil der betroffenen Immobilien gilt als wirtschaftlich nicht mehr zu retten. Zwölf Gebäude wurden so stark beschädigt, dass eine Reparatur unverhältnismäßig teuer wäre, weshalb sie als finanzielle Totalschäden eingestuft werden. Bei diesen Gebäuden handelt es sich überwiegend um große Hallen oder öffentliche Einrichtungen. Es wurden auch 47 geotechnische Gutachten erstellt, um zu gucken, inwiefern für Gebäude eine Gefährdung durch große Erdspalten besteht. Dazu wurden unter Einsatz von Baggern größere Erdmassen bewegt, um verborgene Strukturen und Schäden sichtbar zu machen.

Parallel zur Schadensbewertung laufen in und um Grindavík weiterhin umfangreiche Schutzmaßnahmen. Seit Ende 2023 wurden großflächige Erd- und Lavawälle errichtet, um künftige Lavaströme von Wohngebieten und kritischer Infrastruktur wie dem Geothermiekraftwerk Svartsengi abzulenken. Diese Barrieren werden laufend angepasst, erhöht und verlängert, da sich Ausbruchszentren und Fließrichtungen der Lava mehrfach verändert haben. Die Arbeiten erfolgen mit schwerem Gerät und unter Zeitdruck, da neue Eruptionen jederzeit möglich sind. Dabei entstanden Kosten in Höhe von sieben Milliarden isländischen Kronen (rund 48 Millionen Euro). Finanziert werden sie größtenteils aus staatlichen Mitteln, für die zum Teil Kredite aufgenommen werden mussten.

Ob es zu weiteren Eruptionen kommen wird, ist ungewiss. Der Prozess der Bodenhebung durch Magmenintrusion in 4 bis 5 Kilometer Tiefe unter Svartsengi ist noch nicht abgeschlossen, verlor in den letzten 3 Monaten aber deutlich an Schwung. IMO stuft die Wahrscheinlichkeit weiterer Ausbrüche als hoch ein. Es ist aber nicht auszuschließen, dass sich die Aktivität in den nächsten Monaten oder Jahren auf ein anderes Spaltensystem von Reykjanes verlagern wird oder dass die Aktivität vorerst zum Erliegen kommt.