Rote VONA-Warnung für den Flugverkehr – weiterhin starke Ascheemissionen am Ätna
Die aktuelle Entwicklung am Ätna wird weiterhin von passiven Ascheemissionen geprägt, die durchaus als kräftig bezeichnet werden können. Daher erhöhte das INGV am Nachmittag des 4. September den Warncode für den Flugverkehr von Orange auf Rot. Eine größere, klar abgegrenzte Aschewolke entstand nach Angaben der Vulkanbeobachter allerdings nicht. Die Asche wird in Richtung Süd-Südwest verfrachtet.
Noch am Morgen bot sich via Livecam ein anderes Bild: Man konnte eine ausgeprägte, rotbraun gefärbte Aschewolke beobachten, die aus dem Nordostkrater aufstieg. Starke Winde drückten die Aschewolke wie bereits am Vortag nieder und verhinderten einen Aufstieg in größere Höhen. Dennoch wurden beachtliche Mengen Asche gefördert. Bemerkenswert ist dies insofern, als sich der Tremor weiterhin im unteren gelben Bereich bewegt und als schwach bis mäßig bezeichnet werden kann. Der geringe Tremor lässt vermuten, dass derzeit keine starken Magmabewegungen im Fördersystem stattfinden und die Ascheemissionen vergleichsweise wenig explosiv sind.
Interessant ist dabei die Bocca Nuova. Auf aktuellen Satellitenaufnahmen im kurzwelligen Infrarotbereich (SWIR) zeichnet sich eine thermische Anomalie ab. Zusammen mit den Beobachtungen der Überwachungskameras spricht dies dafür, dass sich im Inneren des Kraters eine erhöhte thermische Aktivität entwickelt hat. Ob die Anomalie unmittelbar mit den gegenwärtigen Ascheemissionen zusammenhängt, lässt sich anhand der Satellitendaten allein jedoch nicht zweifelsfrei feststellen.
Vergleichbare Ascheemissionen aus dem Nordostkrater wurden bereits in der Vergangenheit beobachtet. Sie hängen vermutlich mit Kollapsereignissen im Schlotsystem zusammen und könnten entweder durch steigenden Druck infolge eines Magmenaufstiegs ausgelöst werden oder mit gegenläufigen Prozessen zusammenhängen.
Die Erdbeben entlang der Pernicana-Störung, über die ich bereits im August berichtete, standen in der Vergangenheit ebenfalls mit dem Aufstieg von Magma in Verbindung. Seit dem Ablaufen der Lavaseen auf Ambrym (Vanuatu) wissen wir allerdings auch, dass Magma aus höher gelegenen Speichersystemen wieder in größere Tiefen abfließen kann und dabei ebenfalls Erdbeben und Bodenverformungen verursachen kann.
Welcher dieser Prozesse aktuell am Ätna eine Rolle spielt, werden wir spätestens dann wissen, wenn es zu einer stärkeren Eruption kommt – oder eine solche gegebenenfalls ausbleibt.
