Alpen: Zwei spürbare Erdbeben in Österreich und Schweiz

Zwei spürbare Erdbeben erschüttern die Alpen – Österreich und Schweiz betroffen

In den Alpen haben sich innerhalb von gut zehn Stunden zwei Erdbeben ereignet, die stark genug waren, um von den Anwohnern zumindest theoretisch verspürt zu werden. Das erste Beben traf am Freitagabend die Schweizer Alpen, das zweite am Samstagmorgen die Region um Innsbruck im österreichischen Tirol. Beide Ereignisse erreichten Magnituden von etwa 3,5 und stehen im Zusammenhang mit den anhaltenden tektonischen Prozessen des Alpenraums.

Shakemap © EMSC/Leaflet

Das Schweizer Beben ereignete sich am 25. September um 23:42 Uhr MESZ. Das Epizentrum lag 17 Kilometer südlich von Disentis. Die Magnitude wurde mit 3,4 angegeben, die Herdtiefe mit 37 Kilometern. Damit lag der Erdbebenherd ungewöhnlich tief innerhalb der alpinen Kruste. Das Ereignis wurde von Erdbebendiensten registriert; belastbare öffentliche Wahrnehmungsmeldungen aus der unmittelbaren Region liegen bislang nur in begrenztem Umfang vor.

Deutlich mehr Rückmeldungen gibt es zum zweiten Beben. Es ereignete sich am 26. September um 9:56 Uhr MESZ nur etwa neun Kilometer südöstlich von Innsbruck. Die übermittelten Daten nennen eine Magnitude von 3,5 und eine Herdtiefe von sieben Kilometern. In Innsbruck und Umgebung wurde die Erschütterung von zahlreichen Menschen wahrgenommen. Berichtet wurde unter anderem, dass Häuser und Wohnungen kurzzeitig wackelten. Einige Beobachter nahmen einen deutlichen Knall oder ein Rumpeln wahr. Einzelne Personen wurden nach eigenen Angaben sogar aus dem Schlaf gerissen. Auch aus Hall und dem Innsbrucker Stadtgebiet gingen Meldungen ein.

Die unterschiedliche Wahrnehmung lässt sich vor allem durch die Herdtiefe erklären. Das Tiroler Beben lag mit etwa sieben Kilometern wesentlich flacher als das Schweizer Ereignis. Dadurch erreichten die Erdbebenwellen die Oberfläche mit geringerer Abschwächung. Zudem befindet sich das Epizentrum unmittelbar im tektonisch aktiven Raum des Inntals.

Die Alpen entstehen durch die fortdauernde Kollision der Adriatischen beziehungsweise Apulischen Platte mit der Eurasischen Platte. Die Bewegung führt auch heute noch zu einer Deformation der Erdkruste. Dabei werden vorhandene Störungszonen reaktiviert und Spannungen durch Erdbeben abgebaut. Besonders der Raum Innsbruck und das Inntal gehören zu den seismisch aktiveren Gebieten Österreichs.

Dass beide Beben innerhalb weniger Stunden auftraten, bedeutet allerdings nicht, dass sie miteinander verbunden sind. Die Epizentren liegen mehrere hundert Kilometer auseinander und die Herdtiefen unterscheiden sich deutlich. Es handelt sich daher um zwei eigenständige Bruchvorgänge innerhalb des großräumigen alpinen Spannungsfeldes.