Satellitenbilder zeigen neue Lavaflächen am Anak Krakatau – Insel wächst seit Kollaps 2018 schneller als jemals zuvor
Der Anak Krakatau ist derzeit vergleichsweise ruhig. Nach der intensiven Eruptionsphase Anfang September hat die Aktivität deutlich nachgelassen und der Vulkan scheint sich zunächst verausgabt zu haben. Was von dieser Eruption bleibt, ist allerdings deutlich sichtbar: Neue Lavaströme haben die Gestalt der jungen Vulkaninsel verändert und ihre Landfläche vergrößert.
Das zeigt ein aktueller Vergleich von Copernicus-Sentinel-2-Aufnahmen. Das erste Bild wurde am 8. August aufgenommen und zeigt den Anak Krakatau noch vor der großen Septembereruption. Auf der Aufnahme vom 20. September sind dagegen ausgedehnte dunkelrotbraune Lavaablagerungen im Süden und Westen der Insel zu erkennen. Entlang der Küste entstand zudem neues Land. Nach Angaben des Copernicus Earth Observation Programme vergrößerte sich die Insel dadurch um rund 0,2 Quadratkilometer. Außerdem entstanden vor der Küste von Anak Krakatau – wie bereits berichtet – 2 kleine Inselchen, deren Genese bis jetzt im Verborgenen liegt. Eine der Inseln sieht man im rechten Bild im Nordwesten von Anak.
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Anak Krakatau wächst ungewöhnlich schnell
Der Wiederaufbau des Anak Krakatau nach dem Kollaps von 2018 verläuft deutlich schneller als frühere Wachstumsphasen der Vulkaninsel. Das zeigt eine 2026 im Bulletin of Volcanology veröffentlichte Studie, für die historische Aufnahmen, Karten, Satellitendaten und Drohnenvermessungen ausgewertet wurden.
Besonders schnell wuchs der Vulkan zwischen 2019 und 2023. Die dabei ermittelte Wachstumsrate lag deutlich über dem langfristigen Durchschnitt seit 1960. Würde sich diese außergewöhnlich hohe Rate dauerhaft fortsetzen, könnte der Vulkan bereits in den 2030er-Jahren wieder eine ähnliche Morphologie wie vor dem Kollaps von 2018 erreichen. Auf Basis der langfristigen Wachstumsrate wäre dies dagegen erst etwa um 2100 zu erwarten.
Die Autoren gehen allerdings nicht davon aus, dass die hohe Wachstumsrate unbegrenzt anhält. Vielmehr dürfte sie mit der gegenwärtig intensiven Aufbauphase zusammenhängen. Der Anak Krakatau lagert weiterhin große Mengen neuen vulkanischen Materials an seinen Flanken und entlang der Küste ab.
Interessant ist zudem die Entwicklung der Südwestflanke: Durch die seit 2018 abgelagerten Materialien ist ihre untermeerische Neigung heute geringer als vor dem Kollaps. Dadurch hat sich die Geometrie dieser Flanke verändert, was nach Einschätzung der Forscher zu einer höheren Stabilität beitragen könnte. Gleichzeitig bleiben Faktoren wie hydrothermale Alteration und die Beschaffenheit des untermeerischen Vulkans für die zukünftige Stabilität relevant.
Verantwortlich dafür war eine ungewöhnlich lange Eruptionsphase. Zwischen dem 4. und 6. September förderte der Vulkan über rund 25 Stunden kontinuierlich Lava, Asche und vulkanische Gase. Die Lava floss nach Nordwesten, Westen und Südwesten und lagerte sich insbesondere an der West- und Südseite des Vulkankegels ab. Die indonesische Vulkanbehörde beschrieb die Aktivität zunächst als strombolianische Eruptionen. Während der intensiven Phase entwickelte sich daraus eine Serie von Lavafontänen, hoch aufsteigenden Aschewolken und kontinuierlichem Lavaausfluss, eine Aktivität, die für Paroxysmen typisch ist.
Obwohl die Eruption außergewöhnlich heftig war, setzt sich mit ihr ein Prozess fort, der den Anak Krakatau bereits seit dem Kollaps seiner Südflanke im Dezember 2018 prägt. Der Vulkan befindet sich seither in einer erneuten Aufbauphase. Nach Angaben der indonesischen Geologiebehörde hielten kleinere Eruptionen bis Dezember 2023 an, bevor im Juli 2026 eine neue Aktivitätsphase begann.
Eine 2026 veröffentlichte wissenschaftliche Untersuchung zeigt, dass die Eruptionen am Anak Krakatau nach dem Kollaps von 2018 überwiegend dem strombolianischen bis vulcanianischen Eruptionstyp zuzuordnen waren. Die Forscher untersuchten dafür die Korngrößen, Formen und inneren Strukturen von Aschepartikeln sowie die chemische Zusammensetzung der Eruptionsprodukte. Dabei zeigte sich, dass sich die verschiedenen explosiven Eruptionsformen offenbar vor allem durch die Geschwindigkeit der Druckentlastung im aufsteigenden Magma unterscheiden. Bei einer vergleichsweise langsamen Entlastung können sich Gasblasen im Magma zunehmend vergrößern und explosionsartig entweichen – typisch für strombolianische Eruptionen. Wird der Druck dagegen schneller abgebaut, kann das Magma stärker fragmentieren und es kommt zu energiereicheren vulcanianischen Explosionen.
Die Analysen liefern außerdem Hinweise darauf, dass Meerwasser in das oberflächennahe vulkanische System eindringen kann. Nach dem Flankenkollaps von 2018 wurde das Fördersystem des Anak Krakatau erheblich verändert, sodass Wasser leichter mit heißen vulkanischen Materialien in Kontakt kommen konnte. Die Forscher fanden in einzelnen untersuchten Ablagerungen chemische Hinweise auf salzhaltige Flüssigkeiten sowie Merkmale, die mit phreatischen Explosionen vereinbar sind. Meerwasser kann dabei durch die Hitze des Vulkans schlagartig verdampfen und zusätzlichen Druck erzeugen. Es könnte auf diese Weise zumindest einzelne explosive Ereignisse beeinflusst haben. Die Studie deutet damit auf ein komplexes Zusammenspiel von Magmenaufstieg, Gasentlastung und dem Eindringen von Meerwasser hin.
Von besonderem Interesse ist nicht nur die Größe der Septembereruption sondern ihre Wirkung auf die Vulkaninsel. Anak Krakatau baut seinen Körper weiterhin auf und verändert dabei seine Morphologie und Küstenlinie. Zusätzlich wurden nach den Eruptionen zwei neue, kleine Inseln nordwestlich und südöstlich des Vulkans entdeckt. Ob es sich dabei um neue Ausbruchsstellen oder um angesammeltes Eruptionsmaterial handelt, wird noch untersucht.
Die ungewöhnlich starke Eruptionsphase bestätigt den schnellen Wiederaufbau des Inselkörpers, der nicht nur anhält, sondern sich zumindest kurzfristig zusätzlich beschleunigte.
Quellen der Studien:
Wibowo et al. (2026): Identifying eruption types from the recent explosive eruptions of Anak Krakatau volcano… Journal of Asian Earth Sciences 304, 107059. DOI: 10.1016/j.jseaes.2026.107059.
Meredew et al. (2026): Forecasting future instability hazards at Anak Krakatau volcano… Bulletin of Volcanology 88, 57. DOI: 10.1007/s00445-026-01974-w.
