China: Überflutungen in Qinzhou

Historische Regenfälle setzen Qinzhou in China unter Wasser und verursachten dramatische Überflutungen

Sintflutartige Regenfälle haben gestern die südchinesische Küstenstadt Qinzhou in eine Ausnahmesituation versetzt, als Wassermassen Straßen in Flüsse verwandelten, Hunderte Autofahrer in Not gerieten und in ihren überfluteten Fahrzeugen festsaßen. Zu der Katastrophe führten extreme Niederschläge: Innerhalb weniger Stunden fielen über 270 Millimeter Regen – ein neuer April-Rekord für die Region. In den überfluteten Gebieten saßen nicht nur Autofahrer fest, sondern es mussten auch zahlreiche Anwohner aus tieferliegenden Stadtteilen evakuiert werden. Einsatzkräfte waren mit Booten unterwegs, um eingeschlossene Menschen zu erreichen.

Qinzhou

Die meteorologischen Ursachen liegen in einer ungewöhnlich frühen und intensiven Aktivierung des ostasiatischen Monsunsystems. Feuchtwarme Luftmassen aus dem Südchinesischen Meer strömten mit hoher Energie ins Landesinnere und trafen dort auf kühlere Luftschichten. Diese Konstellation begünstigte die Bildung sogenannter stationärer Gewitterzellen – ein Phänomen, bei dem Regengebiete über Stunden nahezu ortsfest bleiben und sich über einem begrenzten Gebiet abregnen. Zusätzlich sorgte eine ausgeprägte Tiefdruckrinne für anhaltenden Auftrieb, wodurch enorme Wassermengen in kurzer Zeit freigesetzt wurden.

Verstärkt wurden die Überflutungen durch die geomorphologischen Gegebenheiten der Region. Qinzhou liegt in einem flachen Küstentiefland mit geringer natürlicher Entwässerungsdynamik, ähnlich wie im spanischen Valencia, wo es in den vergangenen Jahren mehrfach zu vergleichbaren Ereignissen gekommen ist. Flüsse und Kanäle können bei Starkregen schnell überlaufen, da das Gefälle gering ist und sich Wasser großflächig ausbreitet. Gleichzeitig führen zunehmende Urbanisierung und Flächenversiegelung dazu, dass Regenwasser kaum versickern kann und unmittelbar in die Kanalisation abfließt – deren Kapazität bei solchen Extremereignissen rasch überschritten ist, wie ich es erst Anfang April in Palermo erleben durfte.

Hinzu kommt die Nähe zu Karstlandschaften im Hinterland von Guangxi. Diese können zwar Wasser aufnehmen, reagieren bei extremer Sättigung jedoch mit plötzlichen Abflussimpulsen, die Hochwasserwellen verstärken. Das Zusammenspiel aus außergewöhnlicher Niederschlagsintensität, ungünstiger Topografie und menschlichen Eingriffen führte letztlich zu den dramatischen Überschwemmungen.

Die Behörden warnen, dass mit weiteren Starkregenereignissen zu rechnen ist – ein Hinweis darauf, dass sich extreme Wetterlagen in Südchina (und nicht nur dort) zunehmend häufen.