Rhein erreicht historische Tiefstände – Niedrigwasser setzt Schifffahrt zu
Der Rhein führt so wenig Wasser wie seit Beginn der Messungen nicht. Am Pegel Kaub sank der Wasserstand Ende September erstmals in den negativen Bereich. Nach Angaben der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung wurden zeitweise Werte um −3 Zentimeter erreicht. Der bisherige historische Tiefststand von 25 Zentimetern aus dem Jahr 2018 wurde damit deutlich unterschritten. Auch weiter flussabwärts wurden Rekordwerte registriert: In Köln erreichte der Rhein einen historischen Tiefstand. In Düsseldorf fiel der Pegel am 29. September auf etwa −8 Zentimeter, weitere Rückgänge wurden prognostiziert.

Die Folgen für die Schifffahrt werden zunehmend sichtbar. Frachtschiffe können wegen der geringen Wassertiefe ihre Ladung nicht mehr vollständig aufnehmen. Dadurch steigen die Transportkosten, während gleichzeitig die Transportkapazität des Rheins sinkt. Bereits im Sommer konnten Schiffe teilweise nur noch einen Bruchteil ihrer normalen Ladung befördern.
Auch der Fährverkehr ist vielerorts betroffen. Die Fähre bei Kaub benötigt einen Pegelstand von mindestens 15 Zentimetern und steht weiterhin still. In Düsseldorf musste die Fähre zwischen Zons und Urdenbach ihren Betrieb einstellen. Der Betreiber hat inzwischen erstmals seit der Firmengründung Kurzarbeit beantragt. Bereits mehr als 40 Ausfalltage sind in diesem Jahr zusammengekommen.
Besonders anschaulich zeigt ein Zwischenfall im Düsseldorfer Hafen die schwierigen Bedingungen. Ende September lief dort ein rund 135 Meter langes Frachtschiff im Hafenbecken auf Grund. Die Wasserschutzpolizei nannte den niedrigen Wasserstand als mögliche Ursache. Auch in Bonn und Unkel kam es zu Problemen mit Schiffen.
Infokasten Pegelstände
Jede Pegelmessstelle besitzt einen eigenen, fest definierten Nullpunkt. Dieser liegt nicht am Flussgrund, sondern auf einer vermessenen Bezugshöhe. Sinkt der Wasserspiegel darunter, zeigt die Messstelle negative Werte an. Ein Pegelstand von −3 Zentimetern bedeutet daher nicht, dass der Rhein „drei Zentimeter unter dem Grund“ steht, sondern lediglich, dass die Wasseroberfläche drei Zentimeter unterhalb des örtlichen Pegelnullpunkts liegt. Da die Pegelmesspunkte nicht genormt sind, kann man sie untereinander nicht vergleichen. Zudem kann die verbleibende Wassertiefe bei gleichem Pegelstand unterschiedlich ausfallen.
Warum ist der Rhein 2026 so wasserarm?
Die Ursachen reichen bis in den Winter zurück. Ein schneearmer Winter in den Alpen lieferte weniger Schmelzwasser, das normalerweise im Frühjahr und Sommer zur Wasserführung des Rheins beiträgt. Hinzu kam ein niederschlagsarmes Frühjahr und insbesondere ein sehr trockener Sommer. Der Deutsche Wetterdienst registrierte im Sommer 2026 im Deutschlandmittel nur rund 171 Liter Niederschlag pro Quadratmeter – etwa 72 Prozent des langjährigen Mittels von 239 Litern. Besonders der Juli war extrem niederschlagsarm.
Auch der September brachte kaum Entlastung. In Rheinland-Pfalz fielen nach vorläufiger DWD-Bilanz lediglich rund 19 Liter pro Quadratmeter, etwa ein Drittel des langjährigen Mittelwerts. Gleichzeitig war der Monat ungewöhnlich warm und sonnenscheinreich.
Die Hitze verschärft den Wassermangel zusätzlich. Höhere Temperaturen führen zu stärkerer Verdunstung, sodass weniger Wasser in Böden, Grundwasser und Flüssen ankommt. Der DWD weist außerdem darauf hin, dass blockierende Hochdrucklagen bei extrem trockenen Sommern eine wichtige Rolle spielen können. Für 2026 lässt sich damit eine Kombination aus fehlendem Niederschlag, hoher Verdunstung und geringerem alpinem Schmelzwasser als wesentliche Ursache des historischen Niedrigwassers benennen.