Erdbeben am Marsili Seamount und auf Sizilien

Erdbeben Mb 2,6 am Marsili Seamount – Mehrere Erschütterungen westlich des Ätnas

Am Marsili Seamount im Tyrrhenischen Meer gab es gestern ein schwaches Erdbeben der Magnitude 2,7 mit einer Herdtiefe von fast 96 Kilometern. Das Beben ereignete sich um 15:44:58 UTC und blieb von den Anrainern unbemerkt. An der Oberfläche wirkte sich das relativ tiefe Beben nicht aus und ob ein direkter Zusammenhang mit dem Seamount besteht, ist ungewiss. Wahrscheinlich manifestierte es sich an einem Stück subduzierter ionischer Platte. Doch es könnte auch mit Prozessen der Magmaentstehung im Zusammenhang gestanden haben. Die große Sorge der Wissenschaftler und Katastrophenmanager ist, dass ein unterseeischer Ausbruch die Vulkanflanke abrutschen lassen könnte, wodurch ein Tsunami entstehen würde.

Marsili. © EMSC

Marsili ist ein großer Unterwasservulkan, dessen Basis sich in 3500 m Tiefe befindet. Sein Gipfel schaffte es bis ca. 450 m an den Meeresspiegel heran. Somit ist der Seamount rund 3000 m hoch und zählt zu den mächtigsten Feuerbergen Europas. Obwohl die Bruttohöhe des Ätnas ähnlich ist, ist seine Nettohöhe geringer, da der Sockel des Ätnas auf 500–1000 m hohem Grundgebirge aufsitzt und sich nicht vom Meeresboden aus erhebt.

Am Ätna selbst gab es heute kein nennenswertes Erdbeben und die Seismizität ist vergleichsweise gering. Dafür gab es mehrere Erdbeben westlich des Vulkans. Das stärkste hatte eine Magnitude von 3,0 und eine Herdtiefe von 33 Kilometern, was für ein rein tektonisches Beben vergleichsweise tief ist. Für ein Beben an einem Stück subduzierter afrikanischer Platte, die südlich von Sizilien in den Erdmantel abtaucht, war es aber zu tief. Nicht ausgeschlossen, dass die Beben durch Spannungsabbau deformierter Kruste ausgelöst wurden, so wie man es von Hawaii kennt, wo die Auflast der mächtigen Schildvulkane die Kruste stresst. Nicht völlig auszuschließen sind Beben durch Spannungsänderungen infolge von Fluidbewegungen am Ätna. In der betroffenen Region am Lago Ancipa kam es schon früher zu Erdbeben, kurz bevor besondere Eruptionen am Ätna eintraten. Diese Beobachtung ist aber nicht wissenschaftlich belegt.