Ausnahmezustand im Pazifik: Extremer Hurrikan Polo bildete sich während eines Rekord-El-Niños
Hurrikan Polo hat im östlichen Pazifik eine außergewöhnliche Intensität erreicht. Am Dienstag registrierte ein NOAA-Hurricane-Hunter-Flugzeug im Zentrum des Wirbelsturms Windgeschwindigkeiten von bis zu 285 km/h. Der minimale Kerndruck fiel auf lediglich 892 hPa. Damit erreichte Polo einen Wert, der ihn dem Luftdruck zufolge zu einem der stärksten Hurrikane in der Geschichte des östlichen Nordpazifiks macht. Nur Hurrikan Patricia von 2015 war mit einem Tiefstwert von etwa 873 hPa noch intensiver.

Inzwischen hat Polo etwas an Kraft verloren. Nach Angaben des National Hurricane Center lag der Kerndruck am frühen Mittwoch bei 905 hPa, während die maximalen Dauerwinde mit 269 km/h angegeben wurden. Der Hurrikan verharrte zunächst nahezu stationär vor der mexikanischen Pazifikküste und sollte sich anschließend langsam nach Westnordwesten bewegen. Zwar wird bis jetzt kein direkter Landfall des Hurrikans vorausgesagt, doch Ausläufer des Sturms werden an der mexikanischen Küste erwartet. Sie sollen extreme Niederschläge bringen, die neben Überflutungen zu Erdrutschen führen können. Entsprechend alamiert ist man vor Ort.
Die außergewöhnliche Entwicklung des Hurrikans korreliert zeitlich mit einem bemerkenswert starken El Niño. Das Klimaphänomen fällt im tropischen Pazifik in diesem Jahr stärker als üblich aus. Nach der aktuellen NOAA-Analyse lagen die Meeresoberflächentemperaturen im östlichen Äquatorialpazifik im August mehr als 3 °C über dem langjährigen Mittel. Die Klimaexperten sehen inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 90 Prozent für einen sehr starken El Niño im Herbst und Winter.
El Niño kann die Entstehung und Intensivierung tropischer Wirbelstürme im östlichen Pazifik begünstigen. Neben den ungewöhnlich hohen Wassertemperaturen verändert sich die atmosphärische Zirkulation, wodurch teilweise geringere vertikale Windscherung entsteht. Dadurch können Hurrikane mehr Energie aus dem warmen Ozean ziehen. Bei Polo kamen damit mehrere für eine extreme Intensivierung günstige Faktoren zusammen.
Ähnlich verhielt es sich mit Hurrikan Patricia. Der Rekordsturm von 2015 entwickelte sich ebenfalls während eines außergewöhnlich starken El Niño. Eine NOAA-Studie kam zu dem Ergebnis, dass die lang anhaltenden El-Niño-Bedingungen, die außergewöhnlich warmen Meeresoberflächentemperaturen und die tiefe Thermokline entlang Patricias Zugbahn die Entwicklung des Sturms begünstigten. Diese Faktoren erhöhten die mögliche Intensität des Hurrikans deutlich. Patricia intensivierte sich schließlich innerhalb von nur 24 Stunden von einem Hurrikan der Kategorie 1 zu einem extremen Kategorie-5-Sturm.
Polo und Patricia zeigen damit eine auffällige Gemeinsamkeit: Beide entwickelten ihre außergewöhnliche Stärke in einer Phase extrem warmer tropischer Pazifikgewässer und eines starken El Niño. Ob El Niño auch bei Polo maßgeblich zur Rekordintensität beitrug, lässt sich allerdings erst durch eine detaillierte nachträgliche Analyse quantifizieren.