Erdbebenschwarm am Irazú in Costa Rica – Ausbruchsgefahr des Vulkans eher gering
Am Vulkan Irazú in Costa Rica hat sich am Sonntag, dem 20. September, ein ungewöhnlicher Erdbebenschwarm ereignet. Das Observatorio Vulcanológico y Sismológico de Costa Rica (OVSICORI) registrierte zwischen 6:30 und 11:00 Uhr Ortszeit mehr als 50 Erschütterungen. Bis 9:30 Uhr konnten 33 Beben lokalisiert werden. Die restlichen Beben wurden zwar detektiert, waren für eine genaue Lagebestimmung allerdings zu schwach. Die lokalisierten Beben lagen in weniger als drei Kilometern Tiefe und reihten sich entlang einer NW-SO-streichenden Zone auf. Mehrere Beben mit Magnituden unter 3 wurden von Anwohnern verspürt. Das stärkste automatisch bestimmte Ereignis erreichte M 3,1 und lag nur etwa 700 Meter südöstlich von San Juan de Chicuá.

Nach Einschätzung des OVSICORI-Seismologen Marino Protti steht der Schwarm nicht mit einer zunehmenden Aktivität des Vulkans in Verbindung. Ursache ist demnach eine oberflächennahe tektonische Störung innerhalb des Vulkangebäudes. Solche Erdbebenschwärme sind aus dem Irazú-Massiv bereits bekannt. Auch nach dem Erdbeben von Valle de la Estrella im Jahr 1991 kam es in derselben Region zu zahlreichen flachen Beben. Allerdings halte ich es für nicht ausgeschlossen, dass die Störungszone durch Spannungsänderungen infolge von Fluidbewegungen aktiviert wird. Dennoch liefert die Seismizität nach derzeitigem Kenntnisstand keinen Hinweis auf eine unmittelbar bevorstehende Eruption.
Der Irazú ist mit 3.432 Metern der höchste Vulkan Costa Ricas. Sein Gipfelbereich wird von mehreren Kratern geprägt; an den Flanken befinden sich zahlreiche ältere pyroklastische Kegel. Der Vulkan besitzt ein hydrothermales System und ist trotz seiner langen Ruhephase keineswegs erloschen.
Seine letzte größere Eruptionsphase begann am 13. März 1963 und dauerte mehrere Jahre bis 1965. Die überwiegend explosive Aktivität förderte große Mengen Asche und vulkanisches Lockermaterial, jedoch keine Lavaströme. Besonders während des Höhepunkts im Dezember 1963 und Januar 1964 wurden große Mengen Asche und glühende Schlacken ausgestoßen. Die Asche wurde weit nach Westen verfrachtet und erreichte auch San José. In Verbindung mit starken Regenfällen entstanden zudem Lahare, Überschwemmungen und Hangrutschungen.
Heute ist der Irazú vor allem wegen seinem grünlichen Kratersee bekannt.