Island: 100 Zentimeter Bodenhebung auf Reykjanes

Das Satellitenbild zeigt sehr schön die beiden Lavafelder von Sundhnúkur und Fagradalsfjall (rechts). © Copernicus

Bodenhebung auf Reykjanes-Halbinsel hält an – 1-Meter-Marke geknackt

Unaufhaltsam hebt sich seit Oktober 2023 der Boden auf der isländischen Halbinsel Reykjanes und hat nun die 1-Meter-Marke geknackt – und das, obwohl 9 Vulkanausbrüche und Gangbildungen immer wieder einen Großteil der Hebung abbauten. Dennoch entleerte sich der Magmenkörper nur bei dem ersten Ereignis am 9. November 2023 so sehr, dass eine Deflation entstand, die unter die 0-Marke abfiel, wobei diese Bodensenkung zum Teil auch dem Rifting geschuldet war. Damals sackte der Boden um 20 Zentimeter ab, sodass man nun eigentlich bereits auf 120 Zentimeter Netto-Bodenhebung kommt.



Reykjanes. © IMO

Der Prozess der Bodenhebung verlangsamte sich in den letzten Monaten deutlich, wobei unklar bleibt, ob dies geschieht, weil in der Tiefe nicht mehr genug Schmelze vorhanden ist und der Druck nachlässt, oder ob der Gegendruck im oberen Stockwerk der Magmadomäne zu groß ist und die Speicherkapazitäten im Porenraum des Gesteins nahezu erschöpft sind, was weiteren Magmenaufstieg erschwert. Die Eruption der Krafla in den 1970er Jahren zeigte, dass die Pausenintervalle auch damals immer länger wurden und es immer größeren Druck bedurfte, damit die nächste Eruption durchstarten konnte.

Wie auch immer, die Bodenhebung geht langsam, aber relativ stetig weiter und aus der Tiefe strömt ca. 1 Kubikmeter Magma pro Sekunde in das oberflächennahe Speichersystem. Auffällig ist, dass sich die Hebegeschwindigkeit an den bei Grindavik gelegenen Messstationen zuletzt steigerte. In der Region der gebeutelten Stadt wurden in den letzten 24 Stunden 3 schwache Erdbeben registriert.

Ebenfalls auffällig ist, wie still es in der Wissenschaftswelt um die Vorgänge geworden ist. Nach einer Zeit der medialen Überpräsenz mit einer Menge Spekulationen ist in den letzten Monaten kaum noch was zu lesen, obgleich das Thema nicht vom Tisch ist. Die nächste IMO-Gefahrenanalyse soll am 3. März veröffentlicht werden. Ich greife hier mal ein wenig vor und gehe davon aus, dass im Wesentlichen die Einschätzungen vom 17. Februar bestehen bleiben und man weiterhin mit einer Eruption bei Sundhnúkur rechnen muss.

Darüber hinaus gab es in den letzten 2 Tagen eine erhöhte Seismizität unter den subglazialen Vulkanen Grimsvötn und Katla, aber auch im Gebiet der Torfajökull-Caldera und in anderen Bereichen entlang von Störungen im Süden von Island.

Update:
Ich habe hier eine Grafik einer anderen Messstation eingebunden, die bereits 120 cm Bodenhebung anzeigt.