Island: Anhaltender Erdbebenschwarm bei Hengill

Erdbebenschwarm im Hengill-System hält an – mehr als 500 Beben detektiert

Der Erdbebenschwarm, der gestern Morgen im isländischen Hengill-System begonnen hat, hält auch heute Morgen weiter an. Der Schwarm konzentriert sich etwa 3 km westlich von Húsmúli auf der Hellisheiði. Laut IMO wurden mehr als 500 Beben registriert. Das stärkste Beben ist nach wie vor der Erdstoß der Magnitude Mb 3,3, der sich gestern um 17:15:14 Uhr bei Litla Kaffistofan ereignete. Inzwischen wurden 11 Beben mit Magnituden zwischen 2 und 3 registriert. Die stärksten Erschütterungen wurden von den Anwohnern der Region wahrgenommen. Es handelt sich um den stärksten Erdbebenschwarm im Hengill-System seit Juni 2024. Das Hengill-System ist das östlichste der fünf großen Spaltensysteme auf Reykjanes.

Island. © IMO

Erdbeben gibt es aber auch an anderen Stellen der Reykjanes-Halbinsel. So wurden in den letzten Stunden drei schwache Erschütterungen im Svartsengi-Gebiet zwischen Grindavík und der Sundhnúkur-Kraterreihe festgestellt. Die Bodenhebung setzt sich dort fort, und neue Messwerte zeigen, dass die Nulllinie der vergangenen Woche offenbar auf Messungenauigkeiten zurückzuführen war. Die aktuellen Daten bestätigen den Aufwärtstrend der letzten Monate, und es gibt derzeit keine Hinweise auf eine Verringerung der Hebungsrate.

In den sozialen Medien wird zudem der Erdbebenschwarm diskutiert, der in der vergangenen Woche zwischen Eldey und Reykjanestá stattfand. Analysen zeigten, dass sich die meisten Beben entlang eines schmalen Kanals erstreckten und bis in Tiefen von mehr als 10 Kilometern hinabreichten. Es wird spekuliert, dass diese Erdbeben durch aufsteigendes Magma verursacht worden sein könnten – ähnlich wie im Jahr 2020 vor der Fagradalsfjall-Eruption.

Erdbeben, die möglicherweise direkt mit dem Vulkanismus auf Island zusammenhängen, treten auch außerhalb der Reykjanes-Halbinsel auf, etwa an der Hekla im Süden Islands sowie im Bereich der Bárðarbunga im Osten des Landes. Dort wird seit Wochen eine erhöhte Seismizität beobachtet.

Auch wenn keines der beschriebenen Ereignisse derzeit als eindeutiges Anzeichen eines unmittelbar bevorstehenden Vulkanausbruchs gewertet werden kann, zeigen die Beben, dass die tektonisch-magmatischen Prozesse auf Island weiterhin aktiv sind. Zudem scheinen sich mehrere Vulkansysteme in einer Phase erhöhter Unruhe zu befinden. Als wahrscheinlichster Kandidat für einen kurzfristigen Ausbruch gilt weiterhin das Svartsengi-Gebiet.