Erdbebenaktivität in Island: Aktuelle Schwarmbeben vor Reykjanes und am Vatnajökull
Island zählt zu den seismisch aktivsten Regionen Europas. Die Lage auf dem Mittelatlantischen Rücken, wo die Nordamerikanische und Eurasische Platte auseinanderdriften, führt zu häufigen Erdbeben und intensiver vulkanischer Aktivität. Aktuelle Daten vom Wochenende zeigen eine ausgeprägte Phase seismischer Unruhe, insbesondere vor der Spitze der Reykjanes-Halbinsel, wo es bei Reykjanestá fast 100 Erschütterungen gab, und im Bereich des Vatnajökull-Gletschers mit dem Bárðarbunga, wo mehr als 60 Beben registriert wurden.

Auf der IMO-Shakemap für Gesamtisland sind aktuell 248 Beben eingetragen, die sich in mehreren Regionen Islands entlang der Haupt-Divergenz-Zonen manifestierten. Einschränkend sei erwähnt, dass viele der Beben nur eine Signalqualität von 50 % hatten und noch nicht von einem Seismologen bestätigt wurden.
Der Fokus der Aktivität lag wenige Kilometer nordwestlich von Reykjanestá, wo am 25. April um 19:00 Uhr ein Erdbebenschwarm begann. Innerhalb kurzer Zeit wurden dort insgesamt gut 90 Beben registriert. Die meisten Ereignisse lagen unter Magnitude 2, doch es traten auch stärkere Beben auf: Ein Ereignis erreichte Magnitude 3,0, ein weiteres 2,5. Das stärkste Beben des genannten Zeitraums wurde am 26. April um 00:19 Uhr mit Magnitude 2,5 gemessen, mit einem Epizentrum, das 4,5 km westlich von Reykjanestá in geringer Tiefe von ca. 6 km lag.

Solche Schwärme sind typisch für die Region und stehen oft im Zusammenhang mit Spannungsabbau in der Erdkruste oder magmatischen Bewegungen. Erdbeben hier könnten auch mit den magmatisch bedingten Bodenhebungen bei Svartsenig in Verbindung stehen. Die neusten GNSS-Messungen zeigen, dass sich die Bodenhebung im April beschleunigt zu haben scheint. Schätzungen nach erhöhte sich die Magma-Aufstiegsrate in dem flachen Speichersystem auf über 1 Kubikmeter pro Sekunde.
Auch der Nordosten Islands zeigte erhöhte Aktivität im Bereich des Vatnajökull-Gletschers und des Bárðarbunga-Vulkansystems. Dort wurden 62 Beben registriert. Die meisten waren sehr schwach, wobei das stärkste Beben vom 25. April eine Magnitude von 3,2 erreichte. Das letzte Ereignis über Mb 3,0 manifestierte sich in diesem Gebiet Ende März (M3,8).
Die Tiefenverteilung reicht von oberflächennahen Ereignissen bis etwa 20 km, was auf komplexe Prozesse hinweist. Bárðarbunga ist bekannt für wiederkehrende seismische Aktivität, die häufig mit Druckveränderungen im magmatischen System des Zentralvulkans in Verbindung steht.
Interessant sind auch zwei Beben Mb 4,4 und 4,2, die sich am Sonntagnachmittag auf dem Reykjanes-Ridge ereignet haben. Ihre Epizentren lagen gut 200 Kilometer vor der Küste von Reykjanes. Die Herdtiefen wurden mit 10 km angegeben.