Interessante Erdbebentätigkeit auf Island – fast 400 Beben im Laufe einer Woche
Auf Island ist es aus seismischer Sicht nicht so ruhig, wie die mangelnde Berichterstattung der letzten Wochen vermuten lässt. Im Laufe der vergangenen sieben Tage manifestierten sich 397 lokalisierbare Erdbeben unter der von Vulkanismus und tektonischen Prozessen geprägten Insel im Nordatlantik, die sich über den Mittelatlantischen Rücken erhebt. Diese transkontinentale Dehnungszone ist der Hauptmotor der Erdbebentätigkeit, die allerdings gehäuft im Bereich der Zentralvulkane auftritt. Neu hinzugekommen sind Erdbeben im Bereich des nordisländischen Vulkans Krafla am Mývatn, dessen letzte Eruptionsphase gerne als Vergleich für die aktuelle Tätigkeit entlang der Sundhnúkur-Kraterreihe herangezogen wird.

In den vergangenen Tagen ereigneten sich im Krafla-Gebiet 18 Mikrobeben, die sich überwiegend südwestlich des Spaltenvulkans manifestierten. Dort befinden sich das Geothermalgebiet Námafjall sowie ein Geothermalkraftwerk. Die Hypozentren der Beben liegen mit 3 bis 4 Kilometern relativ flach, allerdings eigentlich zu tief, um eindeutig durch menschliche Aktivitäten verursacht worden zu sein. Es lässt sich jedoch nicht ausschließen, dass die Beben mit dem Geothermalkraftwerk in Verbindung stehen. Andererseits könnten sie durch magmatische Fluide verursacht werden, die entlang von Störungszonen aufsteigen und das Spannungsfeld beeinflussen. Eine eindeutige Beben-Ursache lässt sich derzeit nicht bestimmen.
Erdbeben gibt es auch wieder gehäuft im Westen Islands, vor allem am Langjökull und am Grjótárvatn. Im Südwesten Islands bebte es praktisch an jedem der fünf großen Spaltensysteme auf Reykjanes, ausgenommen dem Bodenhebungsgebiet bei Svartsengi, wo nur vereinzelte Erdbeben registriert wurden, obwohl die Bodenhebung unverändert anhält.
Besonders auffällig sind zwei Bebencluster südöstlich und südwestlich des Kleifarvatns im Krýsuvík-System sowie ein Schwarmbeben bei Bláfjöll, über das ich bereits berichtet habe.
Weiter im Osten Islands setzte sich die Erdbebenaktivität unter Katla und Torfajökull, aber auch im Bereich des Vatnajökull fort. Die seismische Tätigkeit lässt zwar keine unmittelbaren Rückschlüsse auf bevorstehende Vulkanausbrüche zu, verdeutlicht aber, dass Island weiterhin sehr aktiv ist und dass sich mehrere Vulkansysteme auf Eruptionen vorbereiten könnten.