Erdbebenschwarm am Südwestende der Reykjanes-Halbinsel auf Island
Auf der Reykjanes-Halbinsel hat sich die Erdbebenaktivität am 24. August vor allem im Bereich von Reykjanestá signifikant verstärkt. Das Isländische Meteorologische Amt (IMO) registrierte dort fast 100 Beben, darunter ein Ereignis der Magnitude 2,5, das nur 3,9 Kilometer nordwestlich von Reykjanestá mit seinem markanten Leuchtturm verortet wurde. Wenige Stunden später folgte ein Beben der Magnitude 2,3 etwa 4,8 Kilometer westlich der Landspitze. Gleichzeitig wurde ein Beben der Magnitude 2,9 registriert, das 8,3 Kilometer westnordwestlich der Blauen Lagune festgestellt wurde. Diese liegt im Zentrum der Bodenhebung bei Svartsengi.

Die Aktivität bildet damit einen klar erkennbaren Schwarm im westlichen Bereich der Halbinsel. Nach derzeitiger Datenlage gibt es keine eindeutigen Hinweise darauf, dass der Schwarm durch eine neue Magmenintrusion verursacht wird. Für so eine Interpretation wären insbesondere eine räumliche Migration der Hypozentren, eine zunehmende Zahl flacher Beben oder eine gleichzeitige Veränderung der Bodenverformung entscheidend. Der aktuelle Schwerpunkt bei Reykjanestá liegt zudem deutlich außerhalb des zentralen Svartsengi-Sundhnúkur-Systems mit seinem flachen Magmakörper.
Unabhängig davon bleibt die magmatische Situation unter Svartsengi angespannt. Dort setzt sich die Bodenhebung weiterhin fort. Das IMO meldete zuletzt am 18. August, dass sowohl die Magmaakkumulation als auch die Hebung anhalten und die durchschnittliche Akkumulationsrate der vergangenen Wochen relativ konstant geblieben ist. Das wahrscheinlichste Szenario bleibt eine langsame weitere Ansammlung von Magma, die letztlich eine neue Ganggesteinsintrusion und möglicherweise eine Eruption auslösen könnte.
Bereits Mitte August wurde die Magmamenge unter Svartsengi auf etwa 29 Millionen Kubikmeter geschätzt, die sich dort seit der letzten Eruption Mitte Juli 2025 akkumuliert hat.
Der aktuelle Erdbebenschwarm und die anhaltende Inflation sind somit zunächst als zwei räumlich unterschiedliche Entwicklungen zu betrachten. Eine direkte Verbindung lässt sich derzeit nicht belegen. Dennoch zeigen die Ereignisse, dass das gesamte Reykjanes-System weiterhin hochgradig aktiv ist. Sollte die Seismizität bei Reykjanestá weiter zunehmen oder sich die Beben in Richtung Svartsengi verlagern, wäre dies ein wesentlich stärkeres Signal für eine Veränderung des magmatischen Systems.