Lavafontänen-Episode 55 lässt auf sich warten – Unreguläre Bodendeformation am Kilauea beobachtet
Am Kilauea auf Hawaii deutet weiterhin vieles auf den Beginn der nächsten Lavafontänen-Episode hin. Doch die für Episode 55 erwartete Eruption lässt auf sich warten. Besonders auffällig ist die Entwicklung der Bodenhebung: Nachdem der Gipfelbereich am 7. September einen Höchststand von etwa 13,2 Mikroradiant erreicht hatte, setzte eine leichte Deflation ein. Seitdem bewegt sich die Bodenverformung weitgehend seitwärts und schuf somit eine ausgeprägte Plateauphase. Damit verharrt der Kilauea auf einem Inflationsniveau, bei dem nach dem bisherigen Eruptionsmuster eigentlich mit dem Beginn der Lavafontänen gerechnet werden könnte.
Am 7. September waren die Vorläuferzeichen besonders deutlich und es sah so aus, als würde der Vulkan unmittelbar vor der Eruptionshochphase stehen: Am Nordschlot des Halemaʻumaʻu-Kraters fanden mehrere intensive Lavaüberläufe statt und die Aktivität nahm deutlich zu. Insgesamt wurden bis zum 10. September 50 Lavaüberläufe registriert. Sie dauerten zwischen 15 Minuten und gut zwei Stunden und wurden teilweise von bis zu zehn Meter hohen Domfontänen gespeist. Gleichzeitig wurden Tremor und regelmäßige Gas-Piston-Signale registriert.

Ungewöhnlich war auch eine intensive Spatteringphase am Westschlot, die sich am 9. September manifestierte. Dort wurde lebhaftes Spattering beobachtet, wie es in dieser Form während der aktuellen eruptiven Sequenz bislang nicht dokumentiert worden war. Auch am Südschlot traten gelegentlich Flammen und Spatter auf. Zwischen den Überläufen war an allen drei Schloten weiterhin Glut sichtbar.
Dennoch fehlt bislang der entscheidende Impuls zum Start der Lavafontänenphase. Nach Angaben des HVO blieb die Bodenhebung zuletzt nahezu unverändert. Am Morgen des 10. September lag die Neigung am UWD-Tiltmeter bei etwa 12,4 Mikroradiant und damit nur rund 0,3 Mikroradiant unter dem Ausgangswert von Episode 54. Die Wissenschaftler weisen explizit darauf hin, dass die Gipfelinflation seit dem 25. August ungewöhnlich unregelmäßig verläuft, was Prognosen zum Eruptionsstart erschwert.
Das Prognosefenster für Episode 55 wurde deshalb mehrfach nach hinten verschoben und lag zuletzt beim 10. bis 11. September. Am 10. September wurden zwar weiterhin kurze Vorläuferlavaflüsse registriert, doch eine erneute deutliche Inflation blieb aus. Zu beachten gilt, dass die Zeitangaben in Ortszeit erfolgen, die 12 Stunden hinter der MESZ liegt. Auf Hawaii ist noch der 10. September.
