Zwei Erdbeben nahe dem Korretsberg am Laacher-See-Vulkan stehen im Zeichen der Ochtendunger Störungszone
Unweit des Laacher-See-Vulkans haben sich am Morgen des 30. September zwei schwache Erdbeben ereignet. Das stärkere Beben erreichte um 09:43 Uhr MESZ eine Magnitude von 1,6 und hatte sein Epizentrum bei 50,374° N und 7,365° E. Nur knapp vier Minuten später folgte ein paar hundert Meter entfernt ein Mikrobeben der Magnitude 0,8. Beide Erschütterungen wurden in etwa 10 Kilometern Tiefe lokalisiert. Die Epizentren liegen ungefähr 7 Kilometer südöstlich des Laacher Sees und nur etwa 600 Meter vom Korretsberg entfernt.

Die Lage der Beben ist vulkanotektonisch interessant, denn sie befindet sich im Bereich der auslaufenden Ochtendunger-Störungszone, in der seit Jahren zahlreiche Mikrobeben registriert werden. Untersuchungen des GFZ und anderer Forschungseinrichtungen zeigen, dass die Seismizität dort nicht ausschließlich durch gewöhnliche tektonische Spannungen erklärt werden kann. Eine 2026 veröffentlichte Studie lokalisiert in etwa 12 bis 14 Kilometern Tiefe fluidreiche Strukturen unterhalb der Ochtendunger Zone.
Als mögliche Fluide werden insbesondere CO₂-reiche, magmatische Fluide diskutiert. Sie könnten aus größeren Tiefen aufsteigen und sich in Schwächezonen der Erdkruste sammeln. Dabei kann der Porendruck im Gestein steigen und vorhandene Störungen reaktivieren. Die dadurch ausgelösten kleinen Brüche erzeugen die beobachtete, teilweise schwarmartig auftretende Seismizität. Die Forscher sprechen in diesem Zusammenhang von einem natürlichen, fluidinduzierten hydraulischen Aufbrechen des Gesteins.
Auch tiefere Deep-Low-Frequency-Beben, die bis in die Asthenosphäre – der Übergangszone zwischen Erdkruste und oberem Erdmantel – hinabreichen, werden in der Osteifel als Hinweise auf episodische Bewegungen magmatischer Fluide interpretiert. Damit ergibt sich ein Modell, bei dem Fluide eines tief unter dem Laacher-See-Vulkan liegenden Magmenkörpers in die mittlere Kruste gelangen und dort teilweise entlang der Ochtendunger Störungszone aufsteigen und sich teilweise dort ansammeln.
Die beiden aktuellen Beben passen aufgrund ihrer Lage, Tiefe und kurzen zeitlichen Abfolge grundsätzlich in dieses seismotektonische Muster. Aus nur zwei Ereignissen lässt sich allerdings kein aktueller Fluidimpuls ableiten. Sollten in den kommenden Tagen weitere Beben in unmittelbarer Umgebung folgen, wäre eine genauere Betrachtung der Sequenz besonders interessant. Aber selbst en Erdbebenschwarm würde nicht bedeuten, dass der Laacher-See-Vulkan unmittelbar vor einem Vulkanausbruch steht. Geoforscher gehen davon aus, dass der Vulkan lange Zeit (Jahrhunderte bis Jahrtausende) brauchen wird um eventuell erneut zu eruptieren.