Neue GFZ-Studie liefert tiefen Einblick in das Vulkansystem der Osteifel – Magmatische Fluide steigen entlang der Ochtendunger Störungszone auf
Unter der scheinbar ruhigen Vulkanlandschaft der Osteifel ist offenbar mehr Bewegung als bislang nachgewiesen werden konnte. Eine in der Fachzeitschrift Communications Earth & Environment veröffentlichte Studie von Forschenden des GFZ-Potsdam liefert direkte seismologische Hinweise darauf, dass sich magmatische Fluide in etwa 12 bis 14 Kilometern Tiefe ansammeln und entlang der Ochtendunger Störungszone aufsteigen. Die Ergebnisse stellen einen wichtigen Baustein zum Verständnis des noch immer aktiven Vulkansystems rund um den Laacher See dar.

Der Laacher-See-Vulkan brach zuletzt vor ca. 12.900 Jahren aus. Obwohl seitdem keine Eruption mehr stattgefunden hat, registrieren Geowissenschaftler seit Jahren auffällige Mikrobeben sowie einen kontinuierlichen Austritt von Kohlendioxid vulkanischen Ursprungs. Bislang fehlte jedoch der direkte Nachweis, wie diese Phänomene miteinander verknüpft sind.
Zwischen 2022 und 2023 wurde in der Vulkaneifel ein temporäres Netzwerk aus fast 500 seismischen Messstationen installiert. Es registrierte mehr als 500 kleine Erdbeben, die mit neuartigen Auswertungsmethoden analysiert wurden. Dabei entdeckten die Wissenschaftler bei zahlreichen Beben sekundäre Scherwellen, die nach der eigentlichen S-Welle der Beben zeitverzögert am Seismografen eintrafen. Solche Signale entstehen, wenn seismische Wellen an Bereichen mit stark veränderten physikalischen Eigenschaften reflektiert werden – in diesem Fall an fluidreichen Zonen in der mittleren Erdkruste.
Die Erdbebenwellen reflektierende Fluidansammlungen konzentrieren sich unmittelbar unter der Ochtendunger Störungszone. Hierbei handelt es sich um eine 15 Kilometer langen Störung südöstlich des Laacher Sees, die durch erhöhte Mikroseismizität auffällt und entlang derer magmatische Fluide aufsteigt. Nach Interpretation der Autoren handelt es sich bei der Fluidansammlung um Kohlendioxid in einem überkritischen Stadium, das aus größerer Tiefe aufsteigt und sich zunächst in strukturellen Schwächezonen sammelt.
Gerade dieser Befund besitzt große wissenschaftliche Bedeutung. Er liefert erstmals ein schlüssiges Modell dafür, wie Fluide aus dem oberen Erdmantel ihren Weg durch die Erdkruste finden. Die Ochtendunger Störung erscheint dabei nicht nur als tektonische Schwächezone, sondern als bevorzugter Aufstiegsweg für magmatische Fluide. Gelangen diese Fluide in bereits vorhandene Gesteinsbrüche, erhöhen sie dort den Porendruck und lösen die seit Jahrzehnten beobachteten Mikrobeben aus – ein Prozess, den die Autoren mit natürlichem Hydraulic Fracturing vergleichen.
Die Studie verbindet damit mehrere bislang voneinander getrennte Beobachtungen: den Austritt von Kohlendioxid am Laacher See, erhöhte Helium-Isotopenwerte, tiefe niederfrequente Erdbeben und die auffällige Mikroseismizität der Osteifel. Zusammen ergeben sie das Bild eines weiterhin aktiven magmatischen Systems, in dem Fluide kontinuierlich aus dem oberen Erdmantel in die Erdkruste aufsteigen.
Ein unmittelbar bevorstehender Vulkanausbruch lässt sich daraus allerdings nicht ableiten. Die Forschenden betonen ausdrücklich, dass weder Bodenhebungen noch andere Anzeichen für aufsteigendes Magma bis in oberflächennahe Bereiche beobachtet werden. Dennoch zeigt die Studie eindrucksvoll, dass der Vulkanismus der Osteifel keineswegs erloschen ist. Vielmehr dokumentiert sie einen lebendigen Untergrund, in dem magmatische Fluide weiterhin zirkulieren – und dabei den Schlüssel zum Verständnis der anhaltenden Aktivität des Laacher-See-Vulkans liefern.
Quelle: Zhang et al. (2026): Seismological evidence for fluid accumulation beneath the dormant East Eifel volcanic region, Germany. Communications Earth & Environment 7, Artikel 571. DOI: 10.1038/s43247-026-03778-4.