Seismomagmatische Aktivität bei Mayotte hält Jahre nach der Eruption an – Vulkan Fani Maoré noch nicht vollkommen still
Auch 6 Jahre nach dem Ende der ungewöhnlich starken submarinen Eruption am Vulkan Fani Maoré vor der Küste der Insel Mayotte im Indischen Ozean gibt es Anzeichen vulkanischer Unruhe. Bei Mayotte und vor allem im Meeresgebiet östlich von Petite-Terre wird weiterhin seismomagmatische Aktivität registriert. Sie äußert sich in zahlreichen vulkanisch bedingten Erdbeben und Gasausstoß. Das aktuelle Monatsbulletin des französischen Vulkanüberwachungsnetzes REVOSIMA registrierte im August 305 vulkanotektonische Erdbeben, 39 Langperiodenbeben und ein sehr langperiodisches Ereignis. Der Schwerpunkt des Geschehens liegt 5 bis 15 Kilometer östlich von Petite-Terre in 20 bis 50 Kilometern Tiefe.

Die Erdbeben sind dabei nicht die einzigen Hinweise auf ein weiterhin aktives magmatisches System. Besonders bemerkenswert sind die magmatischen Gase, die sowohl unterseeisch als auch auf Petite-Terre nachgewiesen werden. Im Bereich der untermeerischen hufeisenförmigen Caldera Fer à Cheval treten weiterhin zahlreiche Fluidfahnen aus dem Meeresboden aus. Analysen von CO₂ und Helium belegen eine tiefe Mantelquelle. Die Gaszusammensetzung ähnelt dabei jener, die an Land auf Petite-Terre gemessen wird. Seit November 2023 ist zudem der Anteil magmatischen Kohlenstoffs in den Bodenfluiden gestiegen und erreicht teilweise Werte, die an die Frühphase der Eruption von 2018 erinnern.
Eine neue Eruption lässt sich daraus allerdings nicht ableiten. Signifikante Bodenverformungen werden seit Ende 2020 nicht mehr registriert. Auch bei den jüngsten Meereskampagnen wurden keine neuen Lavaströme am submarinen Vulkan Fani Maoré festgestellt. Die derzeitigen Aktivitätssignale sprechen daher eher für ein weiterhin tiefreichendes und fluidreiches magmatisches System als für einen unmittelbar bevorstehenden Ausbruch.
Rückblick auf die außergewöhnliche Eruption
Die heutige Situation geht auf die spektakuläre vulkanische Krise zurück, die im Mai 2018 begann. Damals setzte ein gewaltiger Erdbebenschwarm östlich von Mayotte ein. Gleichzeitig begann sich die Insel nach Osten zu bewegen und abzusinken. Später wurde klar, dass sich rund 50 Kilometer östlich von Mayotte ein bis dahin unbekannter Unterwasservulkan bildete: Fani Maoré. Der Vulkan erhebt sich rund 800 Meter über den mehrere Kilometer tiefen Meeresboden.
Die Eruption förderte nach bisherigen Schätzungen etwa 6,55 Kubikkilometer Lava und gehört damit zu den außergewöhnlich großen bekannten submarinen Eruptionen. Lavaausflüsse wurden letztmals Anfang 2021 eindeutig nachgewiesen. Die Eruption gilt inzwischen als wahrscheinlich beendet; als mögliches Ende der eruptiven Tätigkeit wird der 4. Dezember 2020 diskutiert.
Fani Maoré und umliegende Vulkansysteme haben weiterhin das Potenzial, wieder zu eruptieren. Der Vulkanismus nahe der Komoren wird vermutlich von einem großen Magmenkörper gespeist, der jüngsten Studien zufolge ein Schmelzvolumen von 200 Kubikkilometern umfassen soll. Die Herkunft des Magmas ist nicht völlig geklärt, doch es wird ein tiefer Mantelplume vermutet, der auf divergente tektonische Strukturen trifft, die durch ein Zusammenspiel des Somaliabeckens mit den Ausläufern des Ostafrikanischen Rifts in Zusammenhang stehen.