Merapi erzeugte drei pyroklastische Ströme und zahlreiche Schuttlawinen – Aktivität bleibt auf hohem Niveau
Der indonesische Vulkan Merapi auf Java ist weiterhin hochaktiv und erzeugte gestern (16. Juni) gleich 3 pyroklastische Ströme, die über der Südwestflanke abgingen. Das geht aus einer Meldung des PVMGB/ESDM hervor. Die Behörde des geologischen Dienstes Indonesien ist neben einer Vielzahl anderer Stellen für die Überwachung der indonesischen Vulkane und insbesondere des Merapi verantwortlich.

Das ESDM veröffentlichte eine stark verrauschte Webcamaufnahme des Nachglühens der Ablagerungen eines pyroklastischen Stroms, der sich um 19:31 Uhr WIB manifestierte. Die hier gezeigte Aufnahme wurde aufwendig nachbearbeitet und teilweise rekonstruiert, gibt die tatsächlichen Verhältnisse dennoch realistisch wieder. Die sichtbare Rotglut verdeutlicht die enormen Temperaturen eines pyroklastischen Stroms, die tagsüber nicht erkennbar sind, da die Dichteströme dann lediglich wie Aschewolken wirken, die den Vulkanhang hinabgleiten.
Pyroklastische Ströme werden in Indonesien als „Awan Panas Guguran“ bezeichnet und stoßen regelmäßig auf großes mediales Interesse, da sie in größerem Ausmaß eine Gefahr für die Bewohner der Vulkanregion darstellen können. Die drei heißen Asche- und Gesteinslawinen vom gestrigen Tag bewegten sich jedoch ausschließlich innerhalb der Sperrzone und erreichten Laufweiten von bis zu 1,7 Kilometern. Sie flossen überwiegend in Richtung des Oberlaufs des Kali Krasak an der Südwestflanke des Vulkans.
Obwohl die Abgänge keine Bereiche außerhalb des Vulkans betrafen, verdeutlichen sie die anhaltende Instabilität der Lavadome im Gipfelbereich. Derzeit ist allerdings nur der Südwestdom aktiv. Von ihm geht weiterhin ein erhebliches Gefahrenpotenzial aus.
Neben den pyroklastischen Strömen kam es zu weiteren Kollapsen am Lavadom, bei denen Steinschläge und Schuttlawinen entstanden. Die Messstationen registrierten innerhalb von 24 Stunden insgesamt 129 entsprechende seismische Signale. Darüber hinaus wurden 65 Hybridbeben aufgezeichnet. Diese gelten als wichtiger Hinweis auf Bewegungen von Magma und vulkanischen Fluiden im Fördersystem des Vulkans.
Die Vulkanologen sehen darin ein deutliches Zeichen dafür, dass die Magmazufuhr aus der Tiefe weiterhin anhält. In ihrem täglichen Bericht verweisen die Behörden darauf, dass die fortgesetzte Versorgung des Vulkans mit frischem Magma weitere Domkollapse und damit zusätzliche pyroklastische Ströme auslösen kann.
Der Merapi befindet sich weiterhin auf der Warnstufe „Siaga“ (Alarmstufe III). Die größten Gefahren bestehen derzeit durch Lavaabgänge und pyroklastische Ströme entlang mehrerer Flusstäler, darunter Krasak, Bebeng, Bedog und Boyong. Die Behörden rufen die Bevölkerung dazu auf, die ausgewiesenen Gefahrenzonen strikt zu meiden und insbesondere bei starken Niederschlägen auf mögliche Lahare sowie weitere Glutwolkenabgänge vorbereitet zu sein.