Pyroklastischer Strom am Merapi – Anzahl hybrider Erdbeben hat zugenommen
Am Mount Merapi auf Java ist gestern erneut ein pyroklastischer Strom abgegangen. Dabei handelt es sich um eines der gefährlichsten Phänomene dieses Vulkans. Die Messstationen registrierten ein entsprechendes Erdbebensignal mit einer Amplitude von 16 Millimetern und einer Dauer von 151 Sekunden. Solche Signale entstehen, wenn heißes Gas, vermengt mit Asche und Gesteinsmaterial, infolge eines Domkollapses mit hoher Geschwindigkeit die Flanken des Vulkans hinabströmt Doch eine große Gefahr bestand nicht, denn es handelte sich um einen kleineren pyroklastischen Strom auf der Südwestflanke, der innerhalb der ausgewiesenen Sperrzone blieb. Dennoch verdeutlicht dieses Phänomen die weiterhin angespannte Lage.
Obwohl es gestern den größten Teil des Tages über bewölkt war, gelang es einem Anwohner des Vulkans, den Abgang mit seinem Handy zu filmen. Die Aufnahmen enthüllen, dass die entstandene Eruptionswolke von heller Färbung war und nur einen geringen Ascheanteil aufwies.
Begleitet wurde der pyroklastische Strom von einer hohen Anzahl weiterer seismischer Signale, die auf eine anhaltende Instabilität des Lavadoms hindeuten. Insgesamt wurden 92 Schutt- und Lawinenbeben aufgezeichnet, mit Amplituden zwischen 1 und 29 Millimetern und teils langen Signalverläufen von bis zu 184 Sekunden.
Hinzu kamen 61 sogenannte Hybrid- oder Multiphasenbeben, die mit Amplituden bis 39 Millimeter und kurzen S-P-Differenzen auf Magma- und Gasbewegungen im Fördersystem schließen lassen. Sie zeigen, dass der Magmanachschub weiterhin anhält. Die Anzahl der Hybridbeben nahm im Januar leicht zu, was bedeuten kann, dass sich der Magmenaufstieg intensivierte. Darüber hinaus registrierten die Seismologen fünf tektonische Fernbeben, die jedoch nicht in direktem Zusammenhang mit der vulkanischen Aktivität stehen.
Im aktuellen Wochenbericht wurden gemeldet:
- 520 Schuttlawinen
- 644 Multiphase-Beben
- 81 flache vulkanotektonische Beben
- 9 tektonische Fernbeben
Neue Messungen zu den Lavadom-Volumina stehen aus.
Magma/VSI warnen, dass das Hauptgefährdungspotenzial derzeit in weiteren Domkollapsen und pyroklastischen Strömen liegt, insbesondere in den südlichen und südwestlichen Abflussrinnen wie Boyong, Bedog, Krasak und Bebeng. Auch Lahare bei starkem Regen stellen eine zusätzliche Gefahr dar. Die Bevölkerung wird erneut aufgefordert, keine Aktivitäten in den Gefahrenzonen durchzuführen und wachsam gegenüber Ascheregen zu bleiben. Die Gefahrenzone ist asymmetrisch und erstreckt sich bis zu 7 Kilometer vom Krater aus gesehen. Die Alarmstufe steht auf „3“.
