Merapi: Vulkan erzeugte pyroklastischen Strom

Pyroklastischer Strom am Merapi – Überwachungskamera nimmt rotglühende Schuttlawinen auf

Am Gunung Merapi auf der indonesischen Insel Java ist es am Abend des 28. Juni zum Abgang eines weiteren pyroklastischen Stroms gekommen. Das Vulkanobservatorium registrierte das Ereignis um 20:56 Uhr Ortszeit. Der heiße Strom aus Gas, Asche und Gesteinsfragmenten entstand durch den Kollaps eines Lavapakets am Dom und legte auf der Westflanke in Richtung der Oberläufe von Kali Sat und Kali Putih eine Strecke von rund 2 Kilometern zurück. Das zugehörige seismische Signal erreichte eine maximale Amplitude von 50 Millimetern und dauerte 118 Sekunden. Später filme eine LiveCam die Abgänge zahlreicher glühender Schuttlawinen.

Der pyroklastische Strom war Teil einer anhaltend hohen Aktivität des Vulkans. Im Verlauf des Tages wurden außerdem mehrere Lavaabgänge auf der Westflanke beobachtet, die im Tal des Kali Krasak Reichweiten von bis zu 1,9 Kilometern hatten.

Die seismischen Daten passen in das Muster der anhaltenden Tätigkeit des Vulkans. Neben dem seismischen Signal des pyroklastischen Stroms registrierten die Messstationen 141 Steinschlagbeben, 83 Hybridbeben, die auf aufsteigendes Magma hindeuten, sowie fünf flache vulkanotektonische Erdbeben. Zusätzlich wurde ein entferntes tektonisches Erdbeben aufgezeichnet. Die hohe Zahl an Hybrid- und vulkanischen Erdbeben zeigt, dass weiterhin Magma in das Fördersystem des Merapi nachströmt und jederzeit neue Domkollapse mit weiteren pyroklastischen Strömen auslösen kann. Der Magmannachschub ist derzeit allerdings geringer, als an Schuttlawinen und pyroklastischen Strömen an Lava abgeführt wird. So verringerte sich das Volumen des Südwestdoms um 4500 Kubikmeter auf nun 4.011.900 Kubikmeter. Das Volumen des Zentraldoms bleibt unverändert bei 2.368.800 Kubikmetern.

Die Behörden belassen den Merapi daher auf der Alarmstufe „Siaga“ (Stufe III von IV). Besonders gefährdet bleiben die Täler an der Südwest- und Westflanke. Dort können Lavaabgänge und pyroklastische Ströme je nach Flusslauf Entfernungen von bis zu 7 Kilometern erreichen. Bei explosiveren Eruptionen sind zudem ballistische Gesteinsbrocken bis in einen Radius von 3 Kilometern um den Gipfel möglich. Die Bevölkerung wird aufgefordert, sämtliche Sperrzonen konsequent zu meiden. Darüber hinaus warnen die Vulkanologen vor Laharen während starker Regenfälle sowie vor möglichem Ascheniederschlag infolge weiterer Eruptionen. Eine Änderung der Alarmstufe soll erfolgen, falls sich die Aktivität des Vulkans deutlich verstärkt.