Zwei pyroklastische Ströme am Merapi hinterließen bis zu 1.800 Meter lange Glutspuren
Der ruhige Morgen des 3. Juli am Mount Merapi täuscht darüber hinweg, dass gestern zwei pyroklastische Ströme am indonesischen Vulkan abgingen, die sich aus größeren Schuttlawinen entwickelten. Dabei handelt es sich um die gefährlichsten Phänomene des Vulkanismus, die in der Vergangenheit bei deutlich größeren Ereignissen bereits zahlreiche Todesopfer forderten.
Der erste pyroklastische Strom ereignete sich um 06:01 Uhr Ortszeit. Nach Angaben der geologischen Behörde legte die heiße Mischung aus Gas, Asche und Gesteinsfragmenten eine Strecke von 1.700 Metern in südwestlicher Richtung zurück und erreichte das Quellgebiet des Flusses Krasak. Die maximale seismische Amplitude betrug 30,75 Millimeter, die Dauer des Ereignisses 139,58 Sekunden.

Ein zweiter pyroklastischer Strom folgte am späten Abend um 23:58 Uhr. Dieser erreichte mit gut 1.800 Metern eine etwas größere Reichweite und bewegte sich ebenfalls nach Südwesten, diesmal in Richtung der Quellgebiete der Flüsse Sat und Putih. Die Maximalamplitude des zugehörigen seismischen Signals lag bei 53,05 Millimetern, die Dauer betrug 92,91 Sekunden. Beide Ereignisse wurden von den Überwachungsstationen eindeutig registriert.
Interessant ist, dass der zweite Abgang kürzer dauerte als der erste und dennoch eine größere Reichweite erzielte. Das deutet darauf hin, dass sich der Dichtestrom deutlich schneller bewegte. Livecam-Aufnahmen dokumentierten das Ereignis. Meiner Einschätzung nach handelte es sich allerdings eher um eine große glühende Schuttlawine, mit einem kleinen Dichtestrom im oberen Bereich des Abgangs, als um einen klassischen pyroklastischen Strom. Das nächtliche Schauspiel war dennoch beeindruckend.
Im Tagesbericht für den 2. Juli verzeichnete das Vulkanologische Observatorium außerdem 14 Lavalawinen, die ebenfalls über den Südwesthang in Richtung Sat/Putih glitten und Entfernungen von bis zu zwei Kilometern erreichten. Insgesamt wurden 131 seismische Signale von Lavaschuttabgängen und Steinschlägen sowie 83 Hybridbeben registriert. Letztere liefern deutliche Hinweise auf anhaltende Magmabewegungen im Untergrund, während die erstgenannten Signale auf Instabilitäten des Lavadoms und dessen weiteres Wachstum hindeuten.
Die Behörde merkte an, dass die aktuelle Aktivität weiterhin von einer anhaltenden Magmazufuhr gespeist wird. Dadurch können jederzeit weitere pyroklastische Dichteströme entstehen. Besonders gefährdet bleiben die Täler der Flüsse Boyong, Bedog, Krasak, Bebeng, Woro und Gendol, die als bevorzugte Abflussbahnen für heiße Schuttlawinen und Lahare gelten.
Die Bevölkerung wird deshalb eindringlich aufgefordert, sämtliche ausgewiesenen Gefahrenzonen sowie die Flussläufe am Merapi zu meiden. Die Bilanz der vergangenen sechs Monate unterstreicht die anhaltend hohe Aktivität des Vulkans: In diesem Zeitraum registrierten die Vulkanologen bereits 93 pyroklastische Dichteströme. Die jüngsten Ereignisse verdeutlichen einmal mehr, dass die spektakuläre Landschaft des Merapi nur mit dem nötigen Respekt vor seinen vulkanischen Gefahren betrachtet werden sollte.