Starker Vulkanausbruch am Fuego löst Evakuierungen aus

Erwarteter Paroxysmus am Fuego hat eingesetzt – Dorf am Fuß des Vulkans wird evakuiert

Der Fuego in Guatemala steigerte seine Aktivität weiter und gegen 22:35 Uhr Ortszeit setzte die paroxysmale Hauptphase der Eruption ein, die sich technisch in einem starken Anstieg der Tremoramplitude äußerte und visuell mit dem Beginn der Förderung einer kontinuierlichen Lavafontäne aus dem Hauptkrater. Die Aktivität führte zu ersten Evakuierungen eines Dorfes am Fuß des Vulkans, das in Abflussrichtung möglicher pyroklastischer Ströme liegt. Der Zivilschutz rief die zweithöchste Alarmstufe „Orange“ aus.

Fuego

Nach Angaben der Vulkanüberwachungsbehörde INSIVUMEH wurde eine erste Aktivitätssteigerung am Morgen des 3. August beobachtet, wobei eifrige Livecambeobachter bereits in der Nacht zuvor feststellten, dass die Explosivität des Feuervulkans genauso zugenommen hatte wie Lavaspattering und Ascheemission. Der Zivilschutz Conred reagierte sofort und schickte erste Beobachter zum Vulkan und informierte die Anwohner.

Über 14 Stunden lang steigerte sich die Tätigkeit am Fuego langsam, bis es gegen 22:35 Uhr zum beschriebenen Energiestoß kam, die Tremoramplitude stieg und die strombolianische Tätigkeit in eine Lavafontäne überging. Damit stieg das Risiko größerer pyroklastischer Ströme signifikant an und erste Evakuierungen wurden angeordnet. Betroffen ist vor allem zunächst die Ortschaft El Porvenir in der Gemeinde San Juan Alotenango. Zudem wurde die Nationalstraße RN-14 gesperrt, da sie mehrere Schluchten quert, die von pyroklastischen Strömen und später auch von Laharen erfasst werden können.

Ulrich, der Host unserer immer noch nicht einwandfrei funktionierenden LiveCam, sollte mit seiner Familie ebenfalls aus seiner Finca evakuiert werden, was sich aufgrund der gesperrten Straße als unpraktikabel erwies, weswegen er nun beschlossen hat, auszuharren, obwohl er nahe des Golfplatzes wohnt, der bei der Katastrophe von 2018 durch pyroklastische Ströme und Lahare zerstört wurde.

Aktuell besonders gefährdet sind die Schluchten Seca, Taniluyá und Ceniza, doch auch weitere Barrancas an der Süd- und Südostflanke könnten von pyroklastischen Strömen betroffen werden. Ascheniederschlag wurde bereits aus Gemeinden wie San Pedro Yepocapa gemeldet.

Als Paroxysmus bezeichnen Vulkanologen den Höhepunkt einer sich stetig steigernden Eruption, die überwiegend explosiven Charakter hat, aber wie am Ätna auch Lavaströme hervorbringen kann. Während der Hochphase steigt die Energieabgabe des Vulkans sprunghaft an. Typisch sind mehrere hundert Meter hohe Lavafontänen, heftige Explosionen, der Auswurf großer glühender Gesteinsblöcke, kilometerhohe Aschewolken und vor allem pyroklastische Dichteströme – extrem heiße Gemische aus Gas, Asche und Gesteinsfragmenten, die mit Geschwindigkeiten von weit über 100 Kilometern pro Stunde die Vulkanflanken hinabrasen. Diese Ströme gelten als größte Gefahr, weil sie nahezu alles auf ihrem Weg zerstören.

Nach INSIVUMEH-Angaben erreichen die Lavafontänen des Feuervulkans eine Höhe von 200 bis 300 Metern über dem Krater. Glühende Blöcke werden bis an die Vegetationsgrenze geschleudert. Prognosen gehen davon aus, dass die Eruptionssäule bis auf über 7000 Meter ansteigen könnte. Satellitendaten zeigen bereits Aschewolken in Höhen zwischen 5000 und 6000 Metern, die bis zu 130 Kilometer weit nach Westen über den Pazifik driften.

INSIVUMEH empfiehlt CONRED, die Bevölkerung im Umkreis von zehn Kilometern um den Vulkan unverzüglich zu informieren und die Notfallpläne zu aktivieren. Gleichzeitig wurde der Zugang zum Acatenango- und Fuego-Nationalpark für Touristen bis auf Weiteres gesperrt. Die Vulkanologen überwachen die Entwicklung rund um die Uhr mit Seismometern, Infraschallsensoren, Webcams und Satellitenbildern und warnen, dass sich die Lage jederzeit weiter verschärfen kann.