Vulkan Kupreanof in Alaska erwacht

Kupreanof erwacht: Unruhe unter Alaskas vergessenem Eisriesen

In einem abgelegenen Teil der Halbinsel Alaska regt sich ein nahezu unbekannter Vulkan, der selbst vielen Vulkanologen bislang kein Begriff sein dürfte: der rund 1.895 Meter hohe Mount Kupreanof. Über Jahrhunderte galt der stark vergletscherte Schichtvulkan als inaktiv, historische Ausbrüche sind nicht bekannt. Nun verdichten sich allerdings die Hinweise, dass sich im Untergrund etwas verändert. Am 12. Mai hat das Alaska Volcano Observatory (AVO) den Alarmcode für den Flugverkehr auf Gelb und die allgemeine Warnstufe auf „erhöhte Unruhe“ angehoben. Grund hierfür ist eine erhöhte Seismizität und Dampfausstoß.

Kupreanof. © AVO

Seit Februar 2026 registrieren Messstationen eine zunehmende seismische Aktivität unter dem Vulkan. Zunächst traten tiefe, niederfrequente Erdbeben in mehr als 20 Kilometern Tiefe auf. Diese Erdbeben deuteten darauf hin, dass Magma im tiefen Untergrund gegen die Erdkruste drückte. Im April verlagerte sich die Aktivität infolge von Magmaaufstieg zunehmend in flachere Bereiche. Mehrere Beben erreichten Magnituden über 2,0; die bislang stärksten Erschütterungen vom 12. und 22. April schafften sogar Magnitude 3,1.

Neben den Erdbeben wurden erstmals erhöhte vulkanische Gasemissionen am Kupreanof festgestellt. Seit Anfang April entdeckten Satelliten an mehreren Tagen Schwefeldioxid-Ausstoßraten zwischen 100 und 1.000 Tonnen pro Tag. Schwefeldioxid gilt als wichtiger Hinweis auf frisches Magma, das in geringer Tiefe entgast.

Nach Meinung der AVO-Vulkanologen steht ein Ausbruch nicht unmittelbar bevor. Die derzeitigen Daten sprechen eher für eine anhaltende vulkanische Unruhe. Sollte Magma weiter in Richtung Oberfläche aufsteigen, wären wahrscheinlich zusätzliche Warnzeichen zu erwarten, allem voran eine deutlich messbare Bodenhebung.

Der Mount Kupreanof zählt zu den rätselhaftesten Vulkanen Alaskas. Anders als bekannte Feuerberge wie der benachbarte Mount Veniaminof besitzt er kein eigenes lokales Überwachungsnetzwerk. Die nächstgelegenen Seismometer stehen rund 27 Kilometer entfernt. Kleine Erdbeben unter Magnitude 2 bleiben daher oft unentdeckt, und die Lokalisierung der Aktivität ist nur eingeschränkt möglich.

Westlich seines Gipfels befindet sich ein aktives Fumarolenfeld, aus dem dauerhaft Dampffahnen austreten. Diese hydrothermalen Quellen sind seit Jahren bekannt und gelten allein noch nicht als Zeichen einer bevorstehenden Eruption. Allerdings wurden hier die erhöhten Schwefeldioxid-Emissionen nachgewiesen.

Niemand weiß genau, wann der Mount Kupreanof das letzte Mal ausbrach. Historische Eruptionen sind nicht dokumentiert. Geologische Untersuchungen fanden lediglich Hinweise auf einen Schutt- oder Block-und-Asche-Strom südlich des Vulkans, der vermutlich aus dem Holozän stammt – also möglicherweise mehrere tausend Jahre alt ist.