Erhöhte Erdbebenaktivität auf Teneriffa bleibt im Fokus der Vulkanüberwachung
Auf den Kanarischen Inseln ist in der vergangenen Woche erneut eine erhöhte seismische Aktivität registriert worden. Nach Angaben des kanarischen Vulkanüberwachungsprogramms GUAYOTA wurden zwischen dem 26. Juni und dem 3. Juli insgesamt 498 Erdbeben mit geringer Magnitude aufgezeichnet. Der Schwerpunkt der Aktivität lag auf Teneriffa, daneben wurden auch einige Erdbeben auf Gran Canaria, El Hierro und La Palma registriert. Die Anzahl der Erdbeben auf der Gesamtübersicht und jener der einzelnen Inseln weicht etwas voneinander ab, was auf eine nicht akkurate Datenverarbeitung bei den Vulkanologen von INVOLCAN hindeutet. Auf der Shakemap der Gesamtübersicht sind bei Gran Canaria 5 Beben eingezeichnet und auf La Palma 3. Das GUYOTA für La Palma zeigt hingegen 5 Beben an. Das stärkste Erdbeben der Woche erreichte eine Magnitude von 3,6 und ereignete sich am 30. Juni rund 50 Kilometer nordöstlich von Gran Canaria. Insgesamt wurde im Archipel eine seismische Energie von 2,73 Gigajoule freigesetzt.

Auf Teneriffa registrierte das Überwachungsnetz 491 Erschütterungen. Die meisten davon waren so schwach, dass sie von der Bevölkerung nicht gespürt wurden. Das ist immer noch eine sehr hohe Anzahl, aber deutlich weniger als in der letzten Woche, als mehr als 1240 Beben festgestellt wurden. Diese waren 2 außergewöhnlich starken Schwarmbeben zu verdanken gewesen und stellten eine deutliche Aktivitätsspitze dar. Dass im aktuellen Berichtszeitraum weniger Beben auftraten, ist kein Signal einer Entschärfung der Situation. Die Lage bleibt angespannt und zeugt weiterhin von einer fortlaufenden Magmenakkumulation in 10 Kilometern Tiefe.
Neben der erhöhten Erdbebentätigkeit beobachten die Vulkanologen auf Teneriffa weiterhin vergleichsweise hohe Kohlendioxid-Emissionen sowie erhöhte Gastemperaturen. Die höchsten diffusen CO₂-Emissionen der Kanaren werden nach wie vor auf der größten Insel gemessen. Wissenschaftler führen dies auf einen seit 2016 andauernden Druckaufbau im vulkanisch-hydrothermalen System zurück. Nach Einschätzung der Experten handelt es sich dabei um einen normalen Prozess, der bei aktiven Vulkansystemen über kurze bis mittlere Zeiträume auftreten kann und derzeit keinen Hinweis auf einen unmittelbar bevorstehenden Vulkanausbruch darstellt.
Veränderungen der Bodendeformation wurden nach offiziellen Angaben der Vulkanüberwachungsbehörde in der vergangenen Woche auf keiner der Inseln festgestellt. Auch die Vulkanampel für Teneriffa bleibt unverändert auf Grün. Damit bestehen für Einwohner und Urlauber keine Einschränkungen im Alltag. Nur die Warnampel für La Palma bleibt auf gelb.
Nach inoffiziellen Angaben ereignete sich auf Teneriffa sehr wohl eine Versteilung der Südflanke des Vulkans. GIS-Datenanalyst Martin Kelko, der auch von Volcanodiscovery bekannt ist, veröffentlichte in seinem LinkedIn-Profil ein neues INSAR-Bild von Teneriffa, diesmal mit einer Interpretation der Daten. Demnach hob sich die Südflanke des Teide innerhalb von 12 Tagen zwischen dem 11. und 23. Juni 2025 um 18 mm. Innerhalb von einem Monat also gut 45 mm. Deutlich zu viel, um es zu ignorieren!