Schwere Überflutungen in Südchina – Guangdong im Zentrum der Krise
Lange anhaltende und teils extreme Regenfälle verursachten in großen Teilen Südchinas eine akute Hochwasserlage. Besonders betroffen ist die wirtschaftlich bedeutende Provinz Guangdong, wo Städte wie Jiangmen, Foshan und Teile des Perlfluss-Deltas mit überfluteten Straßen, Evakuierungen und Infrastrukturunterbrechungen kämpfen. Behörden sprechen von einer der schwersten Frühjahrsflutlagen der letzten Jahre.
Die Ursache der aktuellen Situation liegt in der laufenden Regenzeit, genauer in der frühen und besonders intensiven Phase des ostasiatischen Monsuns. Jedes Jahr bringen feuchte Luftmassen aus dem Südchinesischen Meer und dem Pazifik ab April und Mai kräftige Niederschläge nach Südchina. 2026 fiel diese Phase jedoch außergewöhnlich stark aus: Mehrere nur langsam voranschreitende Regenfronten stauten sich über der Region und führten zu langanhaltenden Starkregenereignissen. Lokal wurden innerhalb kurzer Zeit Niederschlagsmengen von bis zu 300 Millimetern registriert. Da die Böden bereits gesättigt waren, konnte kaum Wasser versickern und ließ über die Flüsse ab, die schnell über die Ufer traten.
In den sozialen Medien geteilte Aufnahmen zeigen die gewaltigen Wassermassen durch die Flüsse und Städte schießen, die mehrere Brücken niederrissen und große Schäden an städtischer Infarstruktur verursachten.
Besonders betroffen sind die Flüsse des Perlflussbeckens, darunter der Xi Jiang (Westfluss), der Bei Jiang (Nordfluss) sowie zahlreiche Zuflüsse wie der Tanjiang-Fluss im Raum Jiangmen. An mehreren Messstationen stiegen die Pegel über Warnstufen, in einzelnen Abschnitten sogar deutlich darüber, was zu Überflutungen in tiefer gelegenen Stadt- und Agrargebieten führte.
Landesweit wurden bislang mindestens 21 Todesopfer gemeldet, während zahlreiche Menschen als vermisst gelten. In Guangdong selbst stehen vor allem überflutete Wohnviertel, beschädigte Straßen, Stromausfälle und Evakuierungen im Vordergrund. In ländlicheren Gebieten kommt es zusätzlich zu Hangrutschungen, die die Lage weiter verschärfen.
Im Vergleich zu früheren großen Flutkatastrophen in China bleibt das aktuelle Ereignis bis jetzt unter den extremsten historischen Hochwasserlagen. Die Fluten von 2016, 2008 oder die schweren Überschwemmungen in Guangdong 2024 verursachten jeweils deutlich höhere Opferzahlen und großflächigere Zerstörungen. Dennoch zeigt die aktuelle Lage, wie anfällig insbesondere das dicht besiedelte Perlflussdelta bleibt, wo natürliche Flussdynamik und massive Urbanisierung aufeinandertreffen.
Meteorologen warnen, dass die Regenzeit noch nicht abgeschlossen ist und weitere Starkregenereignisse möglich bleiben. Damit könnte sich die ohnehin angespannte Hochwasserlage in den kommenden Tagen weiter verschärfen.