Eine ungewöhnliche Weihnachtsreise nach New York
Nachdem wir in den letzten beiden Jahren bereits die Westküste der USA bereist hatten, war es Weihnachten 2025 endlich mal an der Zeit, dem Osten einen Besuch abzustatten und uns New York und Washington anzuschauen. Den Anstoß zu dieser Reise lieferte Leroy, der in der Adventszeit in seinem Feed zahlreiche Videos der opulenten Weihnachtsbeleuchtung der Amerikaner angezeigt bekommen hat, was ein Zeichen dafür ist, dass Social Media nicht unbedingt verblöden muss, aber teuer werden kann. Hinzu kam, dass mein Sohn regelmäßig die Flugbörsen abklappert, ständig auf der Jagd nach günstigen Flügen zu weit entfernten Zielen, die er dann zumindest im Flugsimulator ansteuert. Diesmal fand er aber einen Schnäppchenflug, den ich dann tatsächlich einloggte, auch, weil ich keine Lust auf Weihnachtsbaumschmücken hatte und meine inzwischen verstorbene Mutter zu Lebzeiten (nein, ich höre keine Stimmen) öfter wiederholte, dass wir uns unbedingt New York anschauen müssen.
Der Flug war deshalb ein Schnäppchen, weil er Heiligabend losging und am 1. Januar zurückflog. Außerdem waren die Hotels deutlich günstiger, als sie es im Sommer sind. Womit ich nicht gerechnet hatte, war, dass die Immigration zu Heiligabend am Flughafen Newark auf Sparflamme lief und nur 4 Schalter geöffnet waren, so dass wir gut 2 Stunden Schlange stehen mussten und dadurch erst kurz vor Mitternacht im Hotel in New Jersey ankamen, das ca. 5 Kilometer von Manhattan entfernt lag. Das versprochene Flughafenshuttle fuhr um diese Zeit nicht mehr und wir mussten ein Uber bemühen, was aber trotz der ungewöhnlichen Reisezeit einigermaßen klappte.
Ziemlich platt von der langen Anreise, aber hungrig und zu aufgedreht, um zu schlafen, ließen wir uns ebenfalls via Uber Essen ins Hotel liefern, was bei uns in Deutschland zu dieser Zeit nicht unbedingt funktioniert, erst recht nicht Heiligabend.
Am nächsten Morgen ging es dann zeitig los. Da der erste Weihnachtsfeiertag in den USA groß gefeiert wird und morgens Bescherung ist, war New York Uptown fast menschenleer und wir kamen ohne Stau in die City. Es war frostig kalt mit Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt, ideal, um unsere Stadtbesichtigung an der Eislaufbahn am Rockefeller Center zu beginnen, bevor wir um 11 Uhr unsere bereits zuhause getätigte Reservierung für einen Besuch im Summit-One-Vanderbilt-Wolkenkratzer wahrnehmen wollten. Der Weihnachtsbaum am Rockefeller-Center mag für deutsche Geschmäcker ein wenig überladen wirken. En natura ist er jedenfalls imposant, besonders wenn man ihn mit den Weihnachtsbäumen deutscher Städte vergleicht. Diese wirken wie auf Temu bestellt. Aber klar, New York zählt zu den reichsten Metropolen der Welt, deren Reichtum nicht nur im Finanzsektor gründet, sondern im Hafen, der die Stadt zu einem der wichtigsten Handelsorte und Warenumschlagsplatz der letzten Jahrhunderte gemacht hat. Der Hafen liegt im Mündungsbereich des Hudson und bietet einen geschützten Zugang zum Atlantik, aber auch ins Landesinnere der USA, was früher ausschlaggebend für den Handel war.
Vom Rockefeller Center aus, wo wir noch einen Fototermin mit Posaunen blasenden Engeln wahrnahmen, spazierten wir durch die Häuserschluchten zunächst Richtung Times Square, besorgten uns ein Frühstück aus der Hand und waren ein wenig pikiert ob des Mülls, der überall rumflog. Die Städte an der Westküste hatten auf uns einen gepflegteren Eindruck gemacht. Ein wenig enttäuscht machten wir uns auf in Richtung des Summit-One-Vanderbilt, das Leroy bei seinen Recherchen entdeckt hatte und das auf 3 Etagen einen ungewöhnlichen Ausblick über die Dächer von Manhattan versprach, womit auch nicht zu viel versprochen wurde. Der Ausblick auf die Stadt wurde von verspiegelten Hallen und Gängen aus zelebriert, in denen ebenfalls verspiegelte Kunstinstallationen zu besichtigen waren. Allerdings – und das war nicht anders zu erwarten gewesen – waren wir hier nicht die einzigen, denn inzwischen war die Stadt, die niemals schläft, aus ihrem Weihnachtsschlaf erwacht und es war proppenvoll! Tatsächlich hatten wir 14 Tage vor der Reise noch einen der letzten Slots buchen können, was mit 70 € pro Nase zu Buche schlug. enthalten war ein Cocktail, den man in der Bar mit Panorama zu sich nehmen konnte. Anstatt die Aussicht in Worte zu packen, die ihr letztendlich nicht gerecht werden, füge ich hier mal ein paar Bilder ein.
Der Wolkenkratzer ist mit einer Höhe von 427 Metern das 4.-höchste Gebäude New Yorks und gibt den Blick auf die bekannteren Gebäude wie Empire State Building, Chrysler Building und das One World Trade Center frei. Als wir mit Fotografieren endlich fertig waren, stand die Wintersonne bereits tief am Horizont und wir rundeten den Tag mit Donuts im bekannten Krispy Kreme am Broadway ab und genossen die Abendstimmung am farbenfroh beleuchteten Times Square.
Für den nächsten Tag hatte uns Leroy eine Fahrt mit der Staten Island Ferry herausgesucht, die auf der kostenlosen Fahrt von New York Downtown nach Staten Island nahe an der Freiheitsstatue vorbeiführt. Frühmorgens am 2. Weihnachtsfeiertag nahm diese Gelegenheit außer uns nur noch eine Handvoll anderer Touristen wahr und wir hatten die Fähre praktisch für uns allein. Die ca. 30-minütige Fahrt bietet einen tollen Blick auf die Hafengegend und führt tatsächlich wenige Hundert Meter an der berühmten Statue vorbei. Allerdings war der Wind auf Deck eisig und ließ nicht nur die Finger binnen Sekunden anfrieren, sondern trieb mir auch die Tränen in die Augen, aber durchs Fenster zu fotografieren kam nicht in Frage.
Auf der Rückfahrt steuerten wir dann auf den Finanzdistrikt von Manhattan zu, wo wir nach der Anlandung dem Bullen vor der Börse auf der Wall Street nicht am Schwanz, sondern an die Eier packten! Ein Ritual, für das es „Schlange stehen“ heißt. Von der Wall Street ist es nur ein kurzer Spaziergang bis zum 9/11-Memorial und dem neuen One-World-Center, in dessen Nähe wir bei Chick-fil-A zum Chicken-Burger-Fassen einfielen.
Nach der Mittagspause ging es dann zunächst zur Brooklyn-Bridge und anschließend in den New Yorker Untergrund, um mit der Metro nach Uptown zu fahren, wo wir über den Broadway bis zum Central Park wanderten und auf jene Felsen trafen, die erst die Gründung des modernen New Yorks mit seinen Wolkenkratzern möglich machten: Sie bestehen aus glatt geschliffenem Gneis und Schiefer und bilden einen stabilen Untergrund, auf dem die Fundamente der gewaltigen Gebäude ruhen. Ohne diese geologische Besonderheit wäre es um einiges schwieriger gewesen, so hoch zu bauen.
Auf dem Weg zurück zum Times Square knirschte bereits das Salz unter unseren Füßen, das die Stadtverwaltung vorsorglich ausbringen ließ, denn für die Nacht war ein Blizzard angekündigt. Um nicht ins glatteisbedingte Verkehrschaos zu geraten, machten wir uns am Spätnachmittag zurück auf den Weg ins Hotel. In der Nacht begann es tatsächlich zu schneien und das Thermometer fiel auf -12 Grad.
Am Morgen war New York unter einer gut 15 Zentimeter dicken Schneeschicht begraben und wir begannen den Tag dort, wo der vorherige endete: im schneebedeckten Central Park, der von zahlreichen Spaziergängern frequentiert wurde und nun eine ungewöhnliche Winterlandschaft vor der Kulisse der Wolkenkratzer bot. Vom Central Park aus wanderten wir über die East 60th Street in Richtung der Seilbahn, als wir über das italienische Sandwichrestaurant All’Antico Vinaio stolperten, wo es zu noch erträglichen Preisen (20 USD) die wohl besten amerikanisch-italienischen Grillbutterbrote der Welt gibt, die einen tatsächlich auch satt machten!
Nach dem Brunch ging es weiter zur Roosevelt-Island-Tramway, einer Seilbahn, die über den Hudson zur besagten Insel führt und die eine ungewöhnliche Perspektive auf die Straßenschluchten bietet. Am Nachmittag spazierten wir in Richtung Empire State Building, wo wir wider Erwarten ohne Reservierung noch Tickets für das Aussichtsstockwerk bekamen. Neben der Aussicht kommt man hier noch in den Genuss der Ausstellung zur Geschichte des wohl bekanntesten Wolkenkratzers Manhattans. Ein krönender Abschluss für unser Besichtigungsprogramm in der Weltmetropole. Sicherlich haben wir bei weitem nicht jede Sehenswürdigkeit abgeklappert, nichtsdestotrotz sollte es am nächsten Tag von New York nach Washington gehen, wofür wir uns abends noch unseren Mietwagen abholen mussten. Doch das ist eine andere Geschichte.
Reisetipps New York City
Warum New York im Winter? Die Winterstimmung verleiht der Metropole einen besonderen Flair und besonders über die Weihnachtsfeiertage geht es ruhiger zu als sonst. Die Preise waren sich gegenüber anderen Zielen in den Winterferien vergleichsweise moderat: Der Flug ab Düsseldorf kostete 780 €, die Übernachtungen in Mittelklassehotels zwischen 150 und 180 USD pro Nacht. Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre übernachten in manchen Hotels umsonst. Zwei Betten sind Standard, während man in Europa oft nur eine Couch für den Nachwuchs hat oder noch ein Extrazimmer buchen muss. Das und der höhere Standard bei der Zimmerausstattung relativiert die teuren Preise etwas. Wer einigermaßen bezahlbar essen will, kommt an Fast Food allerdings kaum vorbei. In New Jersey auf der anderen Seite des Hudsons sind Restaurantpreise um einiges günstiger. Auf einen Mietwagen verzichtet man besser: Parken in Manhattan kostet schnell 20 USD die Stunde. Attraktionen sollte man einige Tage vor dem Besuch online reservieren. Wer frühmorgens kommt, kann aber noch Tickets an den Kassen bekommen. Wer vor der Entscheidung steht Empire State Building oder Vanderbilt: ich empfehle letzteres, auch wenn das Empire natürlich der Klassiker für Romantiker ist. Die Basis-Eintrittspreise liegen bei ca. 40 USD p.P.














