Serie von mehr als 20 Tornados richtet Zerstörungen im Mittleren Westen der USA an
Ein massiver Tornadoausbruch hat den Mittleren Westen der USA erschüttert und in mehreren Bundesstaaten eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Besonders betroffen waren die Bundesstaaten Missouri, Illinois, Wisconsin und Minnesota, wo mehr als 20 bestätigte Tornados gleichzeitig oder kurz nacheinander auftraten. Innerhalb eines rund 1.600 Kilometer langen Korridors waren mehr als 50 Millionen Menschen von schweren Unwettern bedroht. Die Wirbelstürme entwurzelten nicht nur Bäume, sondern rissen Stromleitungen nieder und beschädigten Wohnhäuser, Schulen und öffentliche Gebäude stark. Obwohl die Schadensaufnahme nicht abgeschlossen ist, steht fest, dass alleine in Wisconsin und Kansas mindestens 175 Gebäude beschädigt oder zerstört wurden. Die Schäden gehen in die Millionen.
Augenzeugen berichteten von dramatischen Szenen, als sie in den Wirkungskreis der rotierenden Wolkentrichter gerieten, die sich vom Himmel bis zum Boden erstreckten und nicht nur von starken Windböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 250 km/h begleitet wurden, sondern auch von peitschendem Regen und Hagel. In Orten wie Lena in Illinois oder Ringle in Wisconsin wurden ganze Straßenzüge verwüstet. Bilder zeigen abgedeckte Dächer, abgerissene Fassaden und zerstörte Fahrzeuge, die sogar durch die Luft geschleudert wurden. Trotz der schweren Schäden blieb die Zahl der Verletzten vergleichsweise gering – ein Umstand, der auch funktionierenden Warnsystemen und schnellem Handeln der Bevölkerung zugeschrieben wird. Schutzkeller zählen zum Standard vieler Gebäude in der Tornado-Risikozone des Mittleren Westens.
Neben den Tornados brachten die Unwetter Starkregen mit sich, was besonders in den nördlichen Gebieten der betroffenen Region zu Überflutungen führte.
Tornados gehören zu den heftigsten Wetterphänomenen der Erde. Sie entstehen meist aus sogenannten Superzellen-Gewittern, einer besonders langlebigen Gewitterform, die sich durch rotierende Wolkenformationen auszeichnet. Entscheidend für ihre Bildung ist das Zusammentreffen verschiedener Luftmassen: Feuchtwarme Luftmassen aus dem Golf von Mexiko treffen auf kühlere und trockene Luft aus dem Norden oder Westen. Gleichzeitig sorgt starke Windscherung dafür, dass die Luft zu rotieren beginnt. Wird diese Rotation durch aufsteigende Luft weiter verstärkt, kann sich ein Tornado bilden, der schließlich den Boden erreicht.
Der Mittlere Westen ist besonders anfällig für solche Extremwetterlagen. Hier liegt die sogenannte „Tornado Alley“, ein Gebiet, in dem die geografischen und klimatischen Bedingungen ideal für die Entstehung von Tornados sind. Weite, flache Landschaften bieten kaum natürliche Barrieren, sodass sich Luftmassen ungehindert bewegen und aufeinandertreffen können. Hinzu kommen jahreszeitliche Übergänge, wie im Frühling, wenn Temperaturgegensätze besonders stark ausgeprägt sind. Allerdings liegt die aktuell betroffene Region mehr am Rand der „Tornado Alley“, was das Auftreten dieser extremen Tornadoserie umso bemerkenswerter macht.