Vesuv |
Der Vesuv ist einer der bekanntesten Vulkane der Welt, dessen trauriger Ruhm auf seine Eruption im Jahre 79 n. Chr. zurück zuführen ist, bei der die römischen Städte Pompeji, Herculaneum und Stabiae zerstört wurden. Zugleich zählt der Vesuv zu den gefährlichsten Feuerbergen der Welt. Für ihn sind lange Ruhephasen typisch, um dann in einer gewaltigen Eruption zu explodieren. Umso erstaunlicher ist es, dass der Vulkan bis an seiner Flanke dicht besiedelt ist. Die Millionen-Metropole Neapel liegt nur wenige Kilometer nordwestlich des Vesuvs und ein dichtes Städtegemisch zieht sich die Küste entlang. Insgesamt leben ca. 3 Millionen Menschen unter der Fuchtel des Vulkans. Im Falle eines erneuten, großen Ausbruches wie der 79. n. Chr. wäre die Katastrophe perfekt. Selbst mit den ausgeklügelten Frühwarnsystemen der Vulkanologen dürfte es unmöglich sein so viele Menschen rechtzeitig zu evakuieren.
Eigentlich handelt es sich bei dem Vesuv um einen Doppelvulkan, der in 4 Phasen entstand. Vor gut 12.000 Jahren bildete sich in einer gewaltigen Eruption die Somma. Aus 6 Kilometern Tiefe wurde ein phonolithisches Magama gefördert. Nach einer längeren Ruhepause entstand ein 1000 Meter hoher Vulkan, die alte Somma, deren Förderschlot einstürzte. Es folgte ein 2000 Meter hoher Vulkan, die junge Somma, die bis ins 12. vorchristliche Jahrhundert sehr aktiv war. Nach einer längeren Ruhephase sprengte die Somma am 24. August 79 n.Chr. ihren Gipfel weg und eruptierte 4 Tage lang, nur von kleinen Pausen unterbrochen. Pompeji wurde unter einer 520 cm mächtigen Lavaschicht aus Aschen, Bims und Ignimbriten begraben, und Herculaneum von einem pyroklastischen Strom vernichtet. In der Literatur ist häufig zu lesen, Herculaneum wäre von einem Schlammstrom verschüttet worden. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse wiederlegen dieses. Erst im 3. Jahrhundert entsteht der Vesuv im eingestürzten Kessel der neuen Somma. Von ihr blieb nur die nördliche Wand erhalten, die als zweiter Gipfel 1132 Meter in den Himmel ragt. Der Vesuv besteht überwiegend aus Phonotephriten. Einer der bedeutensten Ausbrüche fand 1631 statt, der über 4000 Menschen das Leben kostete. Der letzte Ausbruch ereignete sich 1944. Damals wurde das Dorf Massa zerstört. Seitdem ruht der Vulkan. Sein heutiger Krater hat einen Durchmesser von 500 m und ist 300 m tief. Was bringt die Zukunft? Statistisch gesehen ist ein Ausbruch überfällig und besonders während des sogenannten "Sommerloches" entdecken die Medien den Vesuv. Regelmäßig ist in der Presse zu lesen, der Vulkan würde in nächster Zeit zum Leben erwachen, doch wissenschaftliche Hinweise gibt es dafür meistens nicht. Wir unterhielten uns im März 2001 mit dem Chefvulkanologen des Observatoriums in Neapel und er sagte uns, dass die seismischen Events und die Gastemperaturen seit 1944 rückläufig sind. Also, eher Indizien, die gegen einen baldigen Ausbruch sprechen. Besorgniserregend ist hingegen die Entwicklung der Solfatara von Pozzuolli. Hier gibt es immer wieder seismische Krisen und steigende Temperaturen, die auf einen Ausbruch in den nächsten Jahren hindeuten. Quellen: Kraft, Maurice: "Führer zu den Vulkanen Europas, Band 3" Enke Verlag Stuttgart, 1984 Schminke, H.U.: "Vulkanismus", Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, 2000 |