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Vesuv


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 Steckbrief: Vesuv
Lage: 40.82 N  14.43 E,  Italien, Kampanien

Höhe: 1.281 m

Art: Somma-Vulkan

Typ: Subduktionszonen-Vulkanismus

Petrographie: Basalt, Andesit, Leucit

Ausbruchsart: Plinanisch, LF, PF
  karte vesuv
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 Vesuv - Der Schicksalsberg am Golf von Neapel

Der Vesuv ist einer der bekanntesten Vulkane der Welt, dessen trauriger Ruhm auf seine Eruption im Jahre 79 n. Chr. zurück zuführen ist, bei der die römischen Städte Pompeji, Herculaneum und Stabiae zerstört wurden. Zugleich zählt der Vesuv zu den gefährlichsten Feuerbergen der Welt. Für ihn sind lange Ruhephasen typisch, um dann in einer gewaltigen Eruption zu explodieren. Umso erstaunlicher ist es, dass der Vulkan bis an seiner Flanke dicht besiedelt ist. Die Millionen-Metropole Neapel liegt nur wenige Kilometer nordwestlich des Vesuvs und ein dichtes Städtegemisch zieht sich die Küste entlang. Insgesamt leben ca. 3 Millionen Menschen unter der Fuchtel des Vulkans. Im Falle eines erneuten, großen Ausbruches wie der 79. n. Chr. wäre die Katastrophe perfekt. Selbst mit den ausgeklügelten Frühwarnsystemen der Vulkanologen dürfte es unmöglich sein so viele Menschen rechtzeitig zu evakuieren.

Vesuv und der Golf von Neapel

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Vesuv-Ausbruch 1944

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Vesuv von Pompeji um 1900

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Eigentlich handelt es sich bei dem Vesuv um einen Doppelvulkan, der in 4 Phasen entstand. Vor gut 12.000 Jahren bildete sich in einer gewaltigen Eruption die Somma. Aus 7 -8 Kilometern Tiefe wurde ein phonolithisches Magama gefördert. Nach einer längeren Ruhepause entstand ein 1000 Meter hoher Vulkan, die alte Somma, deren Förderschlot einstürzte. Es folgte ein 2000 Meter hoher Vulkan, die junge Somma, die bis ins 12. vorchristliche Jahrhundert sehr aktiv war. Nach einer längeren Ruhephase sprengte die Somma am 24. August 79 n.Chr. ihren Gipfel weg und eruptierte 4 Tage lang, nur von kleinen Pausen unterbrochen. Pompeji wurde unter einer 520 cm mächtigen Lavaschicht aus Aschen, Bims und Ignimbriten begraben, und Herculaneum von einem pyroklastischen Strom vernichtet. In der Literatur ist häufig zu lesen, Herculaneum wäre von einem Schlammstrom verschüttet worden. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse wiederlegen dieses.

Erst im 3. Jahrhundert entsteht der heutige Vesuv im eingestürzten Kessel der neuen Somma. Von ihr blieb nur die nördliche Wand erhalten, die als zweiter Gipfel 1132 Meter in den Himmel ragt. Der Vesuv besteht überwiegend aus Phonotephriten. Einer der katastrophalsten Ausbrüche der jüngeren Geschichte fand 1631 statt. Der letzte Ausbruch ereignete sich 1944. Damals wurde das Dorf Massa zerstört. Seitdem ruht der Vulkan. Sein heutiger Krater hat einen Durchmesser von 500 m und ist 300 m tief.

vesuv

Neue Forschungsergebnisse aus dem Jahr 2008 ergaben, dass die Magmakammer unter den Vesuv über die Jahrtausende hinweg aufstieg. Der Magmenaufstieg bewirkte eine Veränderung der Druck- und Temperaturbedingungen in der Magmakammer und somit auch eine Änderung des Chemismus der Magmen. Untersucht wurden phonolithische Gesteine der 4 stärksten Eruptionen des Vesuvs. Diese waren vor 7800 Jahren die Mercator-Eruption, gefolgt von der Avellino-Eruption vor 5600 Jahren, dem bekannten Ausbruch im Jahre 79 n. Chr. der Pompeji zerstörte und der sogenannten Pollena-Eruption von 472 n. Chr. Demnach stammte das Magma der ersten 3 plininanischen Eruptionen aus Tiefen von 7 - 8 Kilometern und förderte eine gasreiche Schmelze, die starke Explosionen verursachte. Das Magma der subplinianischen Pollena-Eruption soll schon weniger gasreich gewesen sein und aus einer flacher gelegenen Magmakammer stammen. Trotzdem generierte dieser Ausbruch pyroklastische Ströme. Dergleichen geschah bei dem Ausbruch von 1631, der die bisher letzte eruptive Phase des Vesuvs einläutete. Obwohl dieser Ausbruch nicht so stark wie die vorher genannten Eruptionen war, starben mindesten 4000 Menschen. Das Magma dieser letzten eruptiven Phase stammt aus einer Kammer in 3 - 4 Kilometern Tiefe. Dieses Magma soll heißer und weitestgehend entgast gewesen sein und war in seiner Zusammensetzung ehr basaltischen Ursprungs. In der Folge fielen die Eruptionen weniger katastophal aus. In dieser Zeit gab es Perioden strombolianischer Tätigkeit, deren Auswirkungen sich auf den Krater beschränkten und Ausbrüche von Lavaströmen, wie man sie vom Ätna kennt. Diese Lavaströme können zwar Städte zerstören, fordern aber im Allgemeinen relativ wenige Menschenleben.

Stoff für Forschungen und Beobachtungen, rund um das Thema Vulkanismus bietet das Gebiet um den Vesuv immer wieder. So wurde vor einigen Jahren die These aufgestellt, dass die Lava bei dem großen Ausbruch weniger heiß gewesen sei, als ursprünglich angenommen wurde. Mit verschiedenen Methoden (Temperatursonden oder -fühlern, aber auch über die Magnetisierung von Gesteinen, die als Rückstände in den Lawinen erhalten sind) ist es möglich, zumeist auch nach längerer Zeit noch die Temperatur der Lava nach dem Ausbruch zu bestimmen.

Was bringt die Zukunft? Statistisch gesehen ist ein Ausbruch überfällig und besonders während des sogenannten "Sommerloches" entdecken die Medien den Vesuv. Regelmäßig ist in der Presse zu lesen, der Vulkan würde in nächster Zeit zum Leben erwachen, doch wissenschaftliche Hinweise gibt es dafür meistens nicht. Wir unterhielten uns im März 2001 mit dem Chefvulkanologen des Observatoriums in Neapel und er sagte uns, dass die seismischen Events und die Gastemperaturen seit 1944 rückläufig sind. Also, eher Indizien, die gegen einen baldigen Ausbruch sprechen.

Das gibt Interessierten die nötige Sicherheit, sich den Vesuv und seine wunderbare Umgebung einmal im Urlaub genauer anzusehen und auf den freigelegten Straßen des alten Pompeji zu wandeln. Einen ganz besonderen Eindruck vermittelt die Annäherung vom Meer aus. Touristikunternehmen haben sich bereits darauf eingestellt und bieten beispielsweise Aida Kreuzfahrten mit dem Reiseziel Neapel an.


Trotzdem kann für den Golf von Neapel keine Entwarnung gegeben werden. Ein neuer plinianischer Ausbruch gasreichen Magmas könnte jederzeit mit nur wenig Vorwarnung stattfinden.

Vesuv und Herculkaneum

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Krater der Solfatara

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Marcellum von Pozzuoli

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Besorgniserregend ist hingegen die Entwicklung der Solfatara von Pozzuoli, die in 15 Kilometern Entfernung vom Vesuv ein Schattendasein fristet. Hier gibt es immer wieder seismische Krisen und steigende Temperaturen, die auf einen möglicherweise bevorstehenden Ausbruch hindeuten. Die Solfatara ist nur einer von 50 Kratern der Phlegräischen Felder. Diese erstrecken sich auf einer Fläche von 150 Quadratkilometern und befinden sich in einer Caldera, die nach einem Ausbruch der Stärke VEI 7 vor gut 39.000 Jahren entstand. Seitdem gab es zahlreiche kleinere Ausbrüche bei denen sich die 50 Krater bildeten. Der jüngste Ausbruch fand 1538 statt. Damals entstand der Monte Nuovo.

In dem Solfatara genannten Krater sind die Spuren des Vulkanismus am Eindrücklichsten. Fauchende Fumarolen, kochender Schlamm und ein, beim Aufstampfen mit den Füßen hohl klingender Untergrund, liefern Zeugnis ab, dass der Vulkanismus hier noch lange nicht erloschen ist. Davon zeugt auch ein Phänomen das "Bradyseismos" genannt wird. Seit Jahrhunderten hebt und senk sich die Küste bei Pozzuoli um mehrere Meter. Durch die Erdbewegungen wurden zahlreiche Gebäude der Altstadt sanierungsbedürftig. Das Marcellum aus römischer Zeit befand sich sogar einmal unter dem Meeresspiegel, wie die Spuren von Bohrmuscheln an den Säulen der antiken Anlage zeigen. Dieses Phänomen wird durch magmatische Fluide verursacht die aus eine tiefer gelegenen Magmakammer stammen und in flacher gelegenen Gesteinsschichten zirkulieren. Je nachdem, ob die Fluide abfließen, oder von der Magmakammer in die oberen Gesteinsschichten einströmen, hebt und senkt sich die gesamte Küstenregion.

Sollte sich eine Eruption wie vor 39.000 Jahren wiederholen, würde nicht nur die gesamte Region am Golf von Neapel zerstört werden, sondern eine Katastrophe von globalen Ausmaß die Folge sein. Aber so eine Eruption ist derzeit sehr unwahrscheinlich.

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