Steckbrief
Yasur

Lage: 19.52 S 169.42 E, Vanuatu, Tanna
Höhe: 405 m
Art: Caldera / Stratovulkan
Typ: Mittelozeanischer Rücken
Petrographie: Tholeit, Andesit
Ausbruchsart: Vulcanisch, strombolianisch
Status: Strombolianisch aktiv
 
 
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 Yasur auf Tanna - Dauerbrenner im Pazifik

Der Yasur auf der Insel Tanna ist der "Dauerbrenner" des Archipels von Vanuatu. Hinter dem exotischen Namen Vanuatu verbirgt sich ein kleiner Inselstaat im Südpazifik. 209.000 Menschen besiedeln 83 Inseln vulkanischen Ursprungs, die in Form eines liegenden "Y" angeordnet sind. Auf den Inseln werden mehr als 100 Sprachen und Dialekte gesprochen. Viel Menschen leben noch in Stammeskulturen. Auf der Insel Epi gibt es eine Bucht mit einer Dugong-Kolonie. Die Seekühe gelten als nahezu ausgestorbene Spezies.
Das Archipel liegt im Nordosten vor Australien, auf den gleichen, kontinentalen Nahtstellen, auf denen auch Indonesien liegt. Geografisch gesehen gehören die Vulkane Vanuatus zum zirkumpazifischen Feuergürtel und werden vielfach den Subduktionszonen-Vulkanen zugeordnet. Als Besonderheit kommt hinzu, dass die Subduktionszone von einer divergenten Plattengrenze gekreuzt wird. Diese geht von Neu Kaledonien aus und ist für die Förderung basaltischer Laven verantwortlich. So finden sich in Vanuatu Vulkane, die typisch für Inselbogen-Vulkanismus sind, aber auch Vulkane, wie sie an Mittelozeanischen Rücken entstehen. Das Spektrum der Vulkane Vanuatus reicht somit vom klassischen Stratovulkan, über mächtige Schildvulkane mit einer Gipfelcaldera, bis zum Schlackenkegel.
Im Inselarchipel von Vanuatu koexistieren nicht nur sehr unterschiedliche Vulkantypen nebeneinander, sondern die verschiedenen Magma-Arten vermischen sich soweit, dass sie von ein, und demselben Vulkan gefördert werden.

Der Kegel des Yasur

Strombolianische Eruption im SW-Krater

Der aktivste Schlot

Während die anderen Vulkane Vanuatus nur sporadisch aktiv sind, ist der Yasur seit mindestens 800 Jahren daueraktiv und weist einige Ähnlichkeiten mit dem Stromboli in Italien auf; selbst sein Beiname "Leuchtfeuer des Pazifiks" ähnelt dem des Stromboli. Die Aktivität des kleinen Vulkans ist denn auch strombolianisch; sie bricht sogar in kürzeren Intervallen aus als bei dem Vulkan in Italien. Im Schnitt werden pro Tag 500 Explosionen am Yasur registriert. In "wilden" Zeiten tendieren die Ausbrüche in Richtung vulcanischer Typ und können dann um ein Vielfaches stärker sein als die normalen Ausbrüche des Stromboli. So ist es beim Yasur nicht selten, dass Lavabrocken bis auf den Kraterrand fliegen. Im Herbst 2008 kamen bei einer dieser Eruptionen 2 asiatische Touristen ums Leben. Ihr Führer überlebte das Unglück.
Der 405 Meter hohe Vulkan ist leicht zugänglich. Der Kegel entstand in der Caldera eines älteren Vulkans, der nach einer großen Eruption kollabierte. Das Besondere hier ist, dass sich der Boden der Caldera pro Jahr durchschnittlich um 15 Zentimeter hebt. Diese hohe Hebungsrate ist aber nicht magmatischen Ursprungs, sondern resultiert aus der besonderen, tektonischen Situation. Die Yenkahe Caldera liegt nahe am Kreuzungspunkt zwischen einer konvergenten und einer divergenten Plattengrenze. Es entsteht eine Host-Struktur mit großen, vertikal verlaufenden Bruchzonen. Entlang dieser Störungszonen bewegt sich die Erdscholle, auf denen die Yenkahe Caldera mit dem Yasur sitzt nach oben.
Der zweigeteilte Krater des Yasur hat einen Durchmesser von mehr als 300 Metern und mehrere Förderschlote, von denen 3 zur Zeit aktiv sind.
Die Stärke und Häufigkeit der Eruptionen wechselt oft. Im Mai 2009 war ich als Kameramann auf Vanuatu und filmte die Ausbrüche eine Woche lang. In dieser Zeit waren die beiden Schlote im SW-Krater am Aktivsten. Aus dem NE-Krater gab es nur gelegentliche Schlackenwurftätigkeit. Einheimische berichteten mir, dass gerade dieser harmlos scheinende Schlot noch wenige Wochen zuvor starke Explosionen generierte und Lavabrocken bis weit über den Kraterrand schossen.

Im Mai 2010 sorgte der Yasur für Schlagzeilen. Besonders starke, strombolianische Eruptionen ließen Lavabrocken bis auf die Aussenflanke des Vulkans fliegen. Der Aufstieg zum Krater wurde zeitweise gesperrt.

Gaua, ein weiterer Vulkan des Inselarchipels scheint sich auf einen größeren Ausbruch vorzubereiten. Kleinere Ascheeruptionen und ein Anstieg des Kratersees veranlasste die Behörden zur Evakuierung der 3000 Inselbewohner.