USA und Kanada im Griff der Kältewelle

Ein Kontinente gefriert: USA und Kanada im Griff arktischer Temperaturen einer extremen Kältewelle

Seit Tagen stehen weite Teile Kanadas und der USA unter der Fuchtel einer massiven arktischen Kältewelle: Extreme Minustemperaturen lassen Landschaften aus Eis entstehen und bringen alles Leben zum erstarren. Der Frost streckt seine Finger bis weit in den Süden des Kontinents aus. Meteorologen sprechen von einem der markantesten Kälteeinbrüche der letzten Jahre. Er ließ nicht nur die bekannten Niagarafälle gefrieren, sondern verursachte auch einen massiven Wintersturm in den Outer Banks (North Carolina) und schädigte Obstplantagen in Florida.




In Kanada sind die Auswirkungen besonders drastisch. In mehreren Provinzen liegen die Temperaturen teils mehr als 20 Grad unter dem langjährigen Durchschnitt und das Thermometer nähert sich in Ontario der -50-Grad-Marke, wodurch lebensgefährliche Bedingungen entstehen. Das tosende Naturwunder der Niagarafälle im Süden des Landes ist nahezu zugefroren. Bizarre Eisformationen hängen wie erstarrte Vorhänge über den Felskanten, während gefrierender Sprühnebel Wege sowie Geländer in glatte Eisskulpturen verwandelt. Komplett einfrieren können die Fälle aufgrund der großen Mengen fließenden Wassers zwar nicht, doch die bizarre Eislandschaft vermittelt ein Bild der Kälte.

Outer Banks

In den USA reicht der Einfluss der arktischen Luft weit nach Süden. Im Mittleren Westen und Nordosten führte die Kältewelle zu ungewöhnlich viel Schnee. Stromausfälle und vereiste Straßen nebst Verkehrschaos waren die Folgen. Besonders ungewöhnlich ist die Situation an der US-Ostküste, vor allem auf den Outer Banks in North Carolina, die vielen Lesern von der gleichnamigen Netflix-Serie bekannt sein dürften. Dort traf die polare Kaltluft auf ein kräftiges Tiefdrucksystem über dem Atlantik. In der Folge entstand ein starker Wintersturm mit Orkanböen, der auch Schneefall und Sturmfluten brachte. Mehrere auf Stelzen stehende Strandhäuser wurden durch massive Küstenerosion beschädigt oder zerstört, während hohe Wellen Sand und Dünen abtrugen und die Haustrümmer über große Gebiete entlang der Küste verteilten.

Noch ungewöhnlicher ist der Blick nach Florida. Der für seine Palmen und milden Winter bekannte subtropische Bundesstaat erlebte frostige Nächte. Es wurden Kältewarnungen ausgegeben. Der Frost stellt eine ernste Gefahr für die Landwirtschaft dar und auch die Infrastruktur ist nicht frostsicher ausgelegt, so dass Schäden an Wasserleitungen entstanden. Landwirte versuchten, ihre Pflanzen zu schützen, indem sie bei Frost Wasser versprühten, damit sich ein schützender Eispanzer um die Gewächse legte.

Meteorologisch lässt sich die Lage durch einen gestörten Polarwirbel erklären. Normalerweise hält dieser starke Westwindgürtel in der Höhe die arktische Kaltluft über dem Norden. Aktuell ist er jedoch instabil und wellenförmig ausgeprägt, sodass eisige Luftmassen weit nach Süden ausbrechen konnten. Gleichzeitig begünstigt diese Konstellation die Entstehung kräftiger Winterstürme entlang der Ostküste.

Die Verbindung zum Klimawandel ist komplex, aber zunehmend Gegenstand der Forschung. Die Arktis erwärmt sich deutlich schneller als der globale Durchschnitt, wodurch der Temperaturunterschied zwischen Nord und Süd abnimmt. Viele Wissenschaftler halten es für plausibel, dass dies den Jetstream und den Polarwirbel schwächt und extreme Wetterlagen begünstigt.