Bodenhebung im Norris-Geyser-Basin festgestellt – Anomalie kehrt nach längerer Pause zurück
Die Yellowstone-Caldera ist eines der dynamischsten Vulkansysteme der Erde und für ihre mannigfaltigen Erscheinungen des Postvulkanismus bekannt. Nirgendwo sonst auf unserem Planeten gibt es so viele Geysire, heiße Quellen, Schlammbecken und Fumarolen wie hier. Diese Phänomene sind Ausdruck eines großen Hydrothermalsystems, das durch Magma in größerer Tiefe befeuert wird. Magma und die Fluide des Hydrothermalsystems bewirken Spannungen im Untergrund, die sich in Bodendeformationen und Erdbeben manifestieren. Dabei kam es in den letzten Monaten zu einigen auffälligen Veränderungen im Verhalten des Systems: Sie äußerten sich in hydrothermalen Explosionen im Geothermalfeld des Biscuit Basin – wo es im Januar auch wieder kleinere Eruptionen im Diamond-Pool gab – und neuen Heißwasserphänomenen, die sich vor allem im Norris Geyser Basin fanden. Nun wurde bekannt, dass sich hier der Boden wieder hebt.

Das Norris-Geyser-Basin zählt nicht nur zu den größten und farbenfrohesten Thermalgebieten der Yellowstone-Caldera, sondern auch zu den dynamischsten. Tatsächlich ist es einer meiner Lieblingsplätze im Yellowstone, nicht zuletzt, weil man hier die Veränderungen über die Jahre hinweg am besten beobachten kann. Auffällig ist z. B., dass zahlreiche Bäume in den letzten Jahrzehnten abstarben und mit einer Kalkkruste überzogen wurden. Zwischen 1996 und 2004 hob sich der Boden um 12 Zentimeter. Eine weitere Phase starker Bodenhebung ereignete sich zwischen 2013 und 2014, als sich der Boden um 15 Zentimeter pro Jahr aufblähte. Diese Bodenhebungen bedingten zahlreiche Spekulationen, dass der Vulkan kurz vor einem Ausbruch stehen würde. In den folgenden Jahren senkte sich der Boden aber wieder um 7 Zentimeter und der Alarmismus ebbte ab. Nun wurde bekannt, dass sich der Boden seit Juli 2025 wieder zu heben begonnen hat und das als Norris-Anomaly bekannte Phänomen wieder auftauchte. Bis Ende Januar hob sich der Boden um 2 Zentimeter. Damit einher geht eine Bodensenkung nordwestlich von Norris.
Grund für die Bodenhebung könnte eine Migration von Magma an den nordwestlichen Calderarand sein. Die langjährige Subsidenz im Zentrum der Caldera, die eine jährliche Rate von 2,5 Zentimetern aufweist, hält weiter an.
Neben den Bodendeformationen gibt es weiterhin zahlreiche schwache Erdbeben, mit einer steigenden Tendenz im Bereich von Norris. Im Januar wurden 100 dieser Erdbeben festgestellt. Das stärkste hatte eine Magnitude von 2,6.
Die Vulkanwarnstufe steht weiterhin auf Normal, der Flug-Farbcode auf Grün. Nach Einschätzung der Vulkanologen vom YVO zeigt Yellowstone derzeit keine Anzeichen für eine unmittelbare vulkanische Gefährdung. Die Vulkanologen beschreiben das Phänomen der Bodenbewegungen als den „Atem des Vulkans“. Er ist Ausdruck der lebendigen Dynamik des Yellowstones, aber kein Anzeichen einer unmittelbar bevorstehenden Eruption.
