Überflutungen und Erdrutsche verursachten Naturkatastrophen in Äthiopien und im Kongo
Heftige Regenfälle haben im Süden Äthiopiens eine schwere Naturkatastrophe ausgelöst. In der Gamo-Zone, einer bergigen Region im Süden des Landes, kamen nach aktuellen Angaben lokaler Behörden mindestens 107 Menschen bei Erdrutschen und Überschwemmungen ums Leben. Rettungskräfte und Bewohner suchen weiterhin in den verschütteten Dörfern nach Vermissten. Es wird befürchtet, dass die Zahl der Opfer noch weiter steigen könnte.
Die Katastrophe ereignete sich nach mehreren Tagen intensiver Niederschläge im Zuge der Regenzeit im Süden Äthiopiens. In der Nacht lösten sich an steilen Hängen große Mengen aufgeweichten Bodens und rutschten talwärts. Schlamm, Geröll und entwurzelte Bäume begruben Häuser und Wege unter sich. Viele Bewohner wurden im Schlaf überrascht. Da zahlreiche Siedlungen in abgelegenen Tälern liegen und nur über unbefestigte Straßen erreichbar sind, gestalteten sich die Rettungsarbeiten schwierig.
Die Region weist mehrere geologische und morphologische Eigenschaften auf, die Erdrutsche begünstigen können. Große Teile der Landschaft bestehen aus stark verwitterten vulkanischen Gesteinen und lockeren Böden. Solche Materialien verlieren bei intensiver Durchfeuchtung rasch ihre Stabilität. Gleichzeitig ist die Topografie der Gamo-Zone von steilen Hängen, tief eingeschnittenen Tälern und dicht besiedelten Hanglagen geprägt.
Hinzu kommt, dass viele Hänge landwirtschaftlich genutzt werden. Es wurden Wälder abgeholzt und Terrassenfelder angelegt und die Weidewirtschaft auf brandgerodeten Flächen verändern die natürliche Vegetationsdecke. Wurzelsysteme von Bäumen stabilisieren normalerweise den Boden; wenn sie fehlen, kann Regenwasser schneller in den Untergrund eindringen. Dadurch erhöht sich das Gewicht des Bodens und die Reibungskräfte, die einen Hang zusammenhalten, werden verringert. Kommt es dann zu anhaltenden Starkregenfällen, kann bereits eine vergleichsweise kleine Störung einen Hangrutsch auslösen.
Auch klimatische Faktoren spielen eine Rolle. In Ostafrika treten in bestimmten Jahreszeiten intensive Regenphasen auf, die lokal zu extremen Niederschlagsmengen führen können. Solche Ereignisse werden nach Einschätzung vieler Wissenschaftler durch Klimaveränderungen zusätzlich verstärkt, wodurch sich die Wahrscheinlichkeit für Überschwemmungen und Hangrutsche erhöht.
Die Tragödie in Äthiopien reiht sich damit in eine Serie jüngster Katastrophen in Ostafrika ein. Erst wenige Tage zuvor hatte ein massiver Erdrutsch im Osten der Demokratischen Republik Kongo hunderte Menschen in einer Coltan-Mine verschüttet. Beide Unglücke zeigen, wie stark extreme Niederschläge in Kombination mit empfindlichen Landschaftsformen und menschlicher Nutzung das Risiko tödlicher Naturkatastrophen erhöhen können.