Drohende Naturkatastrophe in der Schweiz: Erdrutsch bedroht Dorf Chippis
Ein beständig wachsender Riss im Hang oberhalb des Dorfes Chippis sorgt derzeit im Schweizer Kanton Wallis für große Besorgnis. Der etwa 250 Meter lange Spalt liegt im steilen Gelände des Val d’Anniviers und wird von Geologen als deutliches Zeichen einer instabilen Hangbewegung gewertet. Messungen zeigen, dass sich der Riss täglich um mehrere Millimeter weiter öffnet. Es droht ein massiver Erdrutsch.
Der Spalt ist vermutlich Teil einer sogenannten Zugzone am oberen Rand eines langsam rutschenden Hangpakets. Geoforscher schätzen, dass mehrere hunderttausend Kubikmeter Gestein und Erdmaterial in Bewegung geraten könnten. Der sichtbare Riss markiert dabei lediglich die Oberfläche eines viel größeren geologischen Prozesses, der sich im Untergrund abspielt.
Als wichtigste Ursache gilt die Erosion am Hangfuß durch den Gebirgsfluss Navisence. Bei starken Hochwasserereignissen in den vergangenen Jahren wurde das Flussbett teilweise ausgewaschen. Dadurch verlor der darüberliegende Hang einen Teil seiner natürlichen Stütze. Sobald der Hangfuß destabilisiert wird, kann sich die darüberliegende Gesteinsmasse langsam talwärts bewegen. In der oberen Zone entstehen dabei Zugspannungen, die den Boden aufreißen und lange Spalten bilden.
Auch klimatische Veränderungen könnten eine Rolle spielen. In vielen Regionen der Alpen führen das Auftauen von Permafrost und die zunehmende Intensität von Starkregen zu einer generellen Destabilisierung steiler Berghänge. Zwar lässt sich der aktuelle Fall nicht allein auf den Klimawandel zurückführen, doch es könnte sich um einen verstärkenden Faktor der sich anbahnenden Naturkatastrophe handeln.
Die Folgen eines großen Hangrutsches wären fatal. Gelangt eine große Masse an Hangrutschmasse in den Talboden, könnte sie den Fluss Navisence blockieren und aufstauen, wodurch sich ein temporärer See bilden würde. Bricht ein solcher natürlicher Damm später auf, wären gefährliche Flutwellen im Tal denkbar. Besonders gefährdet wäre das weiter unten gelegene Dorf Chippis, wo der Gebirgsfluss in die Rhone mündet.
Die Behörden beobachten den Hang deshalb rund um die Uhr mit Laserentfernungsmessern, Livecams und Drohnen. Zudem wurden Evakuierungspläne vorbereitet, falls sich die Bewegung plötzlich beschleunigt. Die Bewohner hätten 20 Minuten Zeit zur Flucht.
Erst im letzten Jahr hatte ein gewaltiger Bergsturz das Dorf Blattern verschüttet. Die zunächst verschonten Gebäude wurden später durch aufgestautes Wasser eines Flusses überflutet.