Ascheeruption am Ätna auf Sizilien – vermutlich durch Erdbeben ausgelöst
Nach dem kräftigen Erdbeben der Magnitude 4,5, das sich heute Morgen wie berichtet um 06:05 UTC unter der Südwestflanke des Vulkans ereignete und entgegen ersten Angaben doch Schäden verursacht hatte, kam es um 12:12 UTC zu einer spontanen Ascheeruption aus dem Ätna-Hauptkrater. Skifahrer filmten das Ereignis, welches inzwischen auch vom Istituto Nazionale di Geofisica e Vulcanologia (INGV) bestätigt wurde.
Überwachungskameras registrierten um 12:12 UTC eine plötzliche explosive Aktivität im Krater Bocca Nuova. Dabei entstand eine Ascheemission, die sich innerhalb weniger Minuten in die östlichen Quadranten des Vulkans ausbreitete. Die Eruption war nur von kurzer Dauer, stieß aber eine dichte Aschewolke aus, deren Farbe auf frisches Material hindeutet und die nicht infolge von Kollapsereignissen im Förderschlot entstand.
Parallel dazu erfassten die seismischen Instrumente ein kurzzeitiges Ereignis mit überdurchschnittlicher Amplitude, das eindeutig mit der Explosion korrelierte Dieses Signal stand zudem im Zusammenhang mit einem Infraschallereignis, das aus dem Bereich der Bocca Nuova lokalisiert wurde.
Seismische Entwicklung seit dem Morgen
Bereits in den frühen Morgenstunden – wenige Stunden nach dem starken Erdbeben Mb 4,5 – war eine moderate Zunahme der Tremoramplitude beobachtet worden. Gegen 08:40 UTC erreichte das Tremorsignal den Bereich, in dem es sich immer noch bewegt.
Das Epizentrum des vulkanischen Tremors liegt laut INGV zwischen dem Nordostkrater (NEC) und der Voragine (VOR) in einer durchschnittlichen Tiefe von etwa 3 Kilometern über dem Meeresspiegel. Diese Lage entspricht dem zentralen Gipfelbereich des Vulkans, wo sich mehrere Fördersysteme überlagern.
Zusätzlich hält eine lokalisierte Infraschallaktivität mit mittleren bis niedrigen Amplituden im Bereich des Nordostkraters an. Dies deutet auf fortgesetzte, explosionsartige Entgasungen hin. Möglich, dass es tief im Schlot stattfindende Eruptionen gibt.
Trotz der Explosion zeigen die permanenten GNSS-Stationen und Klinometer, die die Bodenverformung überwachen, keine signifikanten Veränderungen. Es wurden bislang weder neue Inflations- noch Deflationssignale festgestellt. Dies spricht gegen eine rasche Magmaintrusion in größere Tiefen oder ein stärkeres eruptives Szenario. Diese Einschätzung des INGV ist allerdings nur eine Momentaufnahme und kann sich innerhalb weniger Minuten ändern.
Meiner Meinung nach befinden wir uns relativ nahe an einer interessanten Eruptionsphase.
Die Schäden durch das Erdbeben konzentrieren sich überwiegend auf Ragalna, wo einige Decken und Hauswände eingestürzt sind. Auch eine Kirche ist betroffen.
Bisher folgten auf Erdbeben, die so stark waren, dass sie Schäden verursachten, praktisch immer größere Eruptionen des Ätnas.
Die Ascheeruption zeigt, dass das Erdbeben entweder durch Magmenaufstieg ausgelöst wurde oder/und dass das Erdbeben die Druck aufbauenden Prozesse im Speichersystem beeinflusste.
