Ätna: Flugwarncode am 14. September auf Rot angehoben

Wechselspiel des Alarmcodes am Ätna geht weiter – Erneute Ascheemissionen gefährden Flugverkehr

Am Ätna auf Sizilien wurde nach einem ruhigen Wochenende heute Morgen der Alarmcode für den Flugverkehr erneut von „Orange“ auf „Rot“ erhöht. Das INGV veröffentlichte um 04:43 UTC eine entsprechende Meldung. Grund für die Erhöhung sind neue Ascheemissionen, die überwiegend aus dem Nordostkrater austreten und vom starken Wind in Richtung Süden verfrachtet werden.



Ätna

Südlich des Ätnas liegt der Flughafen von Catania, doch die Ascheemissionen sind derzeit zu schwach, als dass sie den Flugbetrieb tatsächlich beeinträchtigen würden. Da eine Verstärkung der Aktivität nicht ausgeschlossen werden kann und spontan ohne weitere Vorwarnung einsetzen könnte, wurde der Alarmcode vorsorglich erhöht.

Je nach Windrichtung führt der Landeanflug vieler Maschinen in einer Schleife am Ätna vorbei. Dadurch können die Flugzeuge den Aschewolken sehr nahe kommen, und es besteht die Gefahr, dass sie diese durchfliegen. Vulkanasche kann Triebwerke beschädigen und hat auf Cockpitscheiben einen ähnlichen Effekt wie ein Sandstrahlgebläse, der umso stärker wirkt, je schneller das Flugzeug fliegt. Im Extremfall können die Scheiben dadurch matt werden und dem Piloten die Sicht rauben.

Gegen eine spontane Verstärkung der Explosivität spricht aktuell der sehr niedrige Tremor, der einen derart tiefen Stand im grünen Bereich erreicht hat, wie ich ihn schon lange nicht mehr gesehen habe. Interessant sind allerdings einzelne scharfe Peaks im Graphen, die so weit in den roten Bereich springen, dass dadurch die Skala des Tremorgraphen automatisch verkleinert wird.

Niedriger Tremor mit Peaks. © INGV

Wodurch diese Peaks ausgelöst werden, ist unklar. Einerseits könnten sie auf eine kurzzeitige Verstärkung der Magmabewegungen im Untergrund hindeuten. Andererseits können solche Ausschläge auch durch stärkere Erdbeben in der Nähe ausgelöst werden oder auf technische Probleme zurückgehen. Sprengungen in den Lavasteinbrüchen an der unteren Ätnaflanke sind ein weiterer möglicher Erklärungsansatz.

Die übrige Seismizität bleibt gering, mit einigen Erschütterungen im Valle del Bove und unter den Gipfelkratern.

Auf dem letzten wolkenfreien Satellitenfoto vom 8. September ist im SWIR-Band eine thermische Anomalie im Nordostkrater zu erkennen. Zudem zeigen sich winzige Wärmequellen entlang der Fraktur im Voragine-Kegel, die bei den Eruptionen im Juli und August entstanden ist. Aus der Bocca Nuova wurden starke Entgasungen beobachtet.

Anhand der teils widersprüchlichen Daten bleiben Prognosen zur weiteren Entwicklung des Vulkans schwierig. Thermische Signale und anhaltende Ascheemissionen sprechen für einen hohen Stand des Magmas im Fördersystem. Die geringe Tremoramplitude und Seismizität sprechen allerdings gegen einen starken Magmaaufstieg.

Möglicherweise ist das Fördersystem des Vulkans teilweise blockiert, wodurch der Druck im Vulkaninneren steigt und sich Magma nur noch eingeschränkt bewegen kann. Dies wäre ein möglicher Erklärungsansatz für den geringen Tremor bei gleichzeitig anhaltenden Ascheemissionen: Der steigende Druck könnte die Schlotfüllung im Nordostkrater zunehmend fragmentieren und dadurch die Ascheemissionen erzeugen. Aus so einer Situation heraus wären jederzeit stärkere Explosionen möglich.