Ätna: Lavastrom im Valle del Leone

Kleiner Lavastrom im Valle del Leone – Tremor am Ätna steigt langsam

Am Ätna auf Sizilien gibt es nicht nur einen aktiven Schlot im Kegel der Voragine, der in den letzten zwei Wochen häufig aktiv war und letzte Nacht strombolianisch eruptierte, sondern nun auch einen kleinen Lavastrom, der heute Vormittag von INGV-Mitarbeitern während einer Feldbegehung entdeckt wurde. Der Vulkan folgt damit weiterhin dem Trend einer steigenden Aktivität, ohne dass weitere geophysikalische Anzeichen auf einen unmittelbar bevorstehenden größeren Vulkanausbruch hindeuten. Die derzeit noch milde Aktivität passt jedoch ins Muster früherer Vorzeichen der letzten Subterminaleruptionen.



Ätna. ©I NGV

Das bislang einzige belastbare geophysikalische Indiz für die Aktivitätssteigerung ist ein leichter, aber kontinuierlicher Anstieg der Tremoramplitude. Sie stieg im Verlauf der Woche von der Mitte des gelben Bereichs bis in dessen oberes Drittel an. Auf dem Tremorgraphen sind zudem drei Spitzen zu erkennen, die bis in den roten Bereich reichten. Diese Ausschläge könnten entweder von stärkeren Erdbeben in größerer Entfernung verursacht worden sein oder auf Ausbruchsversuche des Vulkans hindeuten.

Die aktuelle Aktivitätssteigerung passt in das zeitliche Muster der letzten Subterminal-Eruptionen, bei denen Lavaströme aus Schloten flossen, die sich entweder in den Flanken der Kraterkegel oder an deren Basis geöffnet hatten. Diese Ausbrüche manifestierten sich in den letzten Jahren alle 6 bis 8 Monate. Die letzte eruptive Phase am Ätna begann kurz vor Weihnachten 2025 und dauerte bis Mitte Januar.

Der aktuelle Lavastrom tritt aus einer Bocca im Valle del Leone aus, die an der nordöstlichen Basis der Kraterkegel von Voragine und Nordostkrater liegt. Von dort fließt die Lava hangabwärts in Richtung Valle del Bove. Vor gut einem Jahr ereignete sich hier ein pyroklastischer Strom, der ebenfalls mit einer beginnenden Lavastromtätigkeit in Verbindung stand, die anschließend spontan eskalierte. Da die genannten Krater in den vergangenen zwei Wochen unter erhöhten Druck geraten sind, ist es nicht völlig ausgeschlossen, dass sich ein ähnliches Szenario wiederholen könnte. Deshalb würde ich derzeit keine Wanderungen in der Region des Valle del Bove empfehlen. Wer meint, sich dem Lavastrom nähern zu müssen, sollte dies von oberhalb der Bocca tun – vorausgesetzt, der Aufstieg in die Hochlagen des Ätnas wird nicht kurzfristig gesperrt.

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Die Bocca liegt auf etwa 3000 Metern Höhe. Analysen der Tremorquellen zeigen, dass diese nur gut 100 Meter tiefer liegen. Die Förderrate ist derzeit noch gering, und vom Lavastrom selbst geht momentan nur eine vergleichsweise geringe Gefahr aus. Das kann sich jedoch schnell ändern. Im Jahr 2006 wurde ich selbst Zeuge einer solchen plötzlichen Eskalation, als sich eine zunächst milde Lavastromtätigkeit an der Basis des Gipfelkraters zu einem Paroxysmus entwickelte, der einen pyroklastischen Strom hervorbrachte. Damals entging ich dem Tod nur um wenige Minuten, weil ich die Anzeichen richtig deutete und trotz der Filmerei rechtzeitig die Flucht ergriff.