Ätna: Tremorquellen weiter im Nordwesten

Tremor nordwestlich des Ätna-Kraterbereichs – Kompression registriert

Die Gipfelkrater des Ätna präsentieren sich weiterhin größtenteils kalt. Auf dem jüngsten Sentinel-Satellitenbild ist nicht die geringste thermische Anomalie zu erkennen – etwas, das vor der aktuellen Ruhephase des Vulkans nur selten vorkam. Dennoch weist der neue INGV-Monatsbericht für April auf oberflächennahen Tremor hin. Dieser hat sich in den vergangenen Monaten zunehmend verlagert und konzentriert sich nun unter dem Nordostkrater, reicht aber bis an die äußere Basis des Gipfelkraterkomplexes im Nordwesten, kurz bevor der Steilhang beginnt.

Tremor. © INGV

Die Verlagerung der Tremorquelle geht mit einer nordwestwärts gerichteten Migration magmatischer Fluide einher, bei denen es sich um Magma handeln könnte. Dieses sucht sich in der Regel den Weg des geringsten Widerstands im Gestein. Vor einem Jahr befand sich die größte Schwächezone noch unter dem Südostkrater, doch das scheint derzeit nicht mehr der Fall zu sein, da dieser Krater seit Längerem ungewöhnlich ruhig ist. Zuletzt konzentrierte sich die Aktivität verstärkt auf die Zentralkrater. Dort kam es im April zu einigen schwachen Ascheemissionen, ohne dass glühende Tephra ausgeworfen wurde. Die Infraschallaktivität blieb gering bis moderat.

Das Magma scheint derzeit also nicht mehr – wie früher üblich – nach Südosten, sondern in die entgegengesetzte Richtung nach Nordwesten aufzusteigen, wo es mangels eines offenen Fördersystems vorerst nicht weiterkommt. Es stellt sich nun die Frage, was bei einem stärkeren Druckaufbau geschieht: Kommt es zu einem Durchbruch mit der Öffnung einer Spalte an der oberen Nordwestflanke, oder wandert das Magma zurück in Richtung der Hauptkrater, wie es zuletzt der Fall war, als es zum Jahreswechsel zu Eruptionen kam?

Interessant ist zudem, dass das Bohrloch-Dilatometer DRUV, das in 180 Metern Tiefe installiert ist, eine schwache, aber anhaltende Kompression registrierte. Diese wurde nur von kurzen Phasen der Dekompression unterbrochen, die Anfang des Monats mit einer leichten Tremorzunahme einhergingen. Kompression im Bohrloch bedeutet, dass das umgebende Gestein zusammengedrückt wird und sich der Bohrlochdurchmesser minimal verringert. Dies weist auf Änderungen im Spannungs- und Druckfeld im Untergrund hin und kann mit einer Druckzunahme infolge von Inflation im magmatischen System zusammenhängen.