Schwere Überschwemmungen erschüttern Afghanistan – über 100 Tote und landesweite Schäden
Heftige Überschwemmungen haben in Afghanistan in den ersten Apriltagen eine schwere humanitäre Krise ausgelöst. Nach aktuellen Berichten kamen mehr als 100 Menschen ums Leben, zahlreiche weitere wurden verletzt. Tausende Häuser wurden beschädigt oder zerstört. Zahlreiche Straßen sind unpassierbar und landwirtschaftliche Flächen verwüstet worden.
Besonders betroffen sind Provinzen im Osten und Süden des Landes, darunter Nangarhar und Zabul. In mehreren Regionen mussten Rettungskräfte mit Hubschraubern eingreifen, um eingeschlossene Bewohner aus überfluteten Gebieten zu evakuieren. Augenzeugen berichten von reißenden Wassermassen, die innerhalb kürzester Zeit ganze Siedlungen überschwemmten.
In den sozialen Medien geteilte Aufnahmen dokumentieren das ganze Ausmaß der Katastrophe und zeigen reißende Ströme dort, wo vorher kleine Bäche flossen, Fahrzeuge die in den Fluten feststecken und einstürzende Hauswände, die dem Druck des Wassers nicht standhalten konnten.
Die Katastrophe ist kein einzeln auftretendes Ereignis. Auch im benachbarten Pakistan kam es zeitgleich zu Starkregen, nebst Sturzfluten und Erdrutschen, insbesondere in den grenznahen Gebieten zu Afghanistan. Meteorologen sehen darin ein großräumiges Wettermuster, das weite Teile der Region erfasst hat.
Als Hauptursache gilt eine Kombination aus saisonalen Wettereinflüssen und geografischen Faktoren. Im Frühling führen sogenannte westliche Störungen feuchte Luftmassen aus dem Mittelmeerraum nach Zentralasien. In Verbindung mit steigenden Temperaturen kommt es zudem zur raschen Schneeschmelze im Hindukusch. Diese Mischung aus Regen und Schmelzwasser lässt Flüsse anschwellen und erhöht das Risiko plötzlicher Überschwemmungen.
Eine klassische Regenzeit wie in tropischen Regionen gibt es in Afghanistan zwar nicht. Dennoch gilt der Zeitraum von März bis Mai als niederschlagsreichste Phase des Jahres – und damit als besonders anfällig für Hochwasserereignisse. In diesem Jahr scheinen Intensität und Auswirkungen jedoch deutlich über dem Durchschnitt zu liegen.
Neben natürlichen Ursachen verschärfen strukturelle Probleme die Lage. Schwache Infrastruktur, unzureichende Entwässerungssysteme und fortschreitende Bodenerosion tragen dazu bei, dass selbst moderate Niederschläge schnell katastrophale Folgen haben können. Hinzu kommt die verstärkende Wirkung des Klimawandels.
Angesichts weiterer angekündigter Regenfälle bleibt die Situation angespannt. Hilfsorganisationen warnen vor einer Verschärfung der Lage in den kommenden Tagen.