Zwei mittelstarke Erdbeben erschütterten den Reykjanes Ridge im Nordatlantik
Am 8. April 2026 erschütterten zwei mittelstarke Erdbeben den Nordatlantik entlang des Reykjanes Ridge. Das erste Beben ereignete sich um 21:29 UTC und erreichte eine Magnitude von 4,5. Knapp zwei Stunden später folgte ein stärkeres Ereignis der Magnitude 4,8 um 23:23 UTC. Beide Erdbeben hatten eine Herdtiefe von etwa 10 Kilometern und lagen nur wenige Dutzend Kilometer voneinander entfernt. Das Epizentrum befand sich weitab bewohnter Gebiete, rund 1400 Kilometer süd-südwestlich von Reykjavík sowie südöstlich von Nanortalik.

Die räumliche und zeitliche Nähe der beiden Beben deutet darauf hin, dass sie Teil derselben tektonischen Aktivität sind. Wahrscheinlich handelt es sich um eine zusammenhängende Spannungsentladung innerhalb der ozeanischen Erdkruste. Solche Sequenzen sind entlang mittelozeanischer Rücken keine Seltenheit.
Der Reykjanes Ridge ist ein Abschnitt des Mittelatlantischer Rücken, einer der markantesten geologischen Strukturen der Erde. Hier driften die Nordamerikanische Platte und die Eurasische Platte kontinuierlich auseinander. Durch diese Bewegung steigt Magma aus dem Erdmantel auf, erstarrt und bildet entlang des Rückens neue ozeanische Kruste. Die dabei entstehenden Spannungen entladen sich regelmäßig in Form von Erdbeben, die typischerweise relativ flach sind und moderate Magnituden erreichen – so wie bei den aktuellen Ereignissen.
Obwohl das Reykjanes-Ridge bei Island den Meeresspeigel durchbricht und in Form einer Grabenbruchzone Island durchzeiht, besteht kein direkter Zusammenhang der Beben mit der erhöhten Vulkanaktivität auf Island. Zwar ist Island selbst Teil dieses Rückensystems und stellt eine besonders aktive Zone dar, da hier zusätzlich ein Hotspot wirkt. Doch der Magmanachschub im Bodenhebungsgebiet des isländischen Svartsengi scheint in den letzten Wochen ins Stocken gekommen zu sein: GNSS Messungen zeigen eine Stagnation der Hebungsphase. Meiner Meinung nach nimmt die Wahrscheinlichkeit eines baldigen Ausbruchs weiter ab, vorausgesetzt, die Hebung setzt nicht wieder ein oder der Ausbruch erfolgt in kürze.