Tödliche Sturzflut in Brasilien: Warum die Landschaft und Bergbau zur Gefahr wurden
Nach tagelangen sintflutartigen Regenfällen sind im südostbrasilianischen Bundesstaat Minas Gerais mindestens 25 Menschen ums Leben gekommen. Dutzende gelten als vermisst. Besonders betroffen sind Städte wie Juiz de Fora und Ubá. Neben den extremen Niederschlägen rücken nun auch geologische und menschengemachte Faktoren in den Fokus, die die Katastrophe verstärkt haben.

Die Bilder, die in den sozialen Medien geteilt wurden, zeigen teils dramatische Szenen, wie Wasser und Schlamm mit hohen Geschwindigkeiten durch die Straßen der Städte schießen und alles mit sich reißen, was nicht niet- und nagelfest ist Dabei wurden sogar ein schwerer LKW erfasst und umgeworfen. Das öffentliche Leben kam zum Erliegen und mindestens 25 Menschen verloren ihr Leben. Die Opferzahlen könnten weiter steigen, da zahlreiche Personen als vermisst gelten.
Meteorologisch war der Starkregen typisch für den brasilianischen Sommer, doch in seiner Intensität war er außergewöhnlich. Die Ursache für die extreme Stärke war vermutlich eine stationäre Konvergenzzone über Südost-Brasilien während des südamerikanischen Monsuns: feuchtwarme Luftmassen aus dem Amazonasgebiet trafen über Tage hinweg auf instabile Luftschichten. In der Folge gab es wiederkehrenden und langanhaltenden Starkregen, der sich über denselben Regionen entlud Solche blockierenden Wetterlagen können deutlich mehr Niederschlagsmengen innerhalb kurzer Zeit produzieren, als Böden und Flüsse aufnehmen können. Der Klimawandel kann blockierende Wetterlagen und Konvergenzzonen begünstigen.
Die Morphologie der Region Minas Gerais erhöht die Gefahr für Sturzfluten deutlich. Sie liegt im Bereich des Brasilianischen Berglands, einem stark reliefierten Hochland mit steilen Hängen und tief eingeschnittenen Tälern. Die Höhenunterschiede beschleunigen den Oberflächenabfluss des Regenwassers. Flüsse schwellen innerhalb weniger Stunden stark an, wobei kleine Einzugsgebiete besonders empfindlich reagieren.
Hinzu kommt die geologische Beschaffenheit. Weite Teile bestehen aus stark verwitterten kristallinen Gesteinen wie Gneis und Granit. Darüber liegen tropische Verwitterungsböden. Diese können bei langanhaltender Durchfeuchtung ihre Stabilität verlieren: Der Porenwasserdruck steigt und die Scherfestigkeit der Böden sinkt, wodurch ganze Hangabschnitte ins Rutschen geraten können. Schlamm- und Gerölllawinen sind die Folge.
Auch menschliche Eingriffe könnten die Katastrophe verstärkt haben. Minas Gerais ist eine der bedeutendsten Bergbauregionen des Landes. Im sogenannten Quadrilátero Ferrífero dominieren großflächige Tagebaue, Abraumhalden und künstliche Böschungen. Solche Strukturen reagieren empfindlich auf Starkregen, da lockeres Material leichter mobilisiert wird. Frühere Katastrophen wie der Dammbruch von Brumadinho haben gezeigt, wie verletzlich die Region gegenüber Massenbewegungen ist.
Ein weiterer anthropogener Faktor, der das Wettergeschehen negativ beeinflusst, ist die Rodung des Regenwaldes. Wälder stabilisieren Hänge durch ihr Wurzelwerk und bremsen den Abfluss. Das Blätterdach bremst den Niederschlag ab, bevor er auf den Boden gelangt, und verlangsamt Abflussprozesse und Erosion. Wo Vegetation fehlt, fließt Regenwasser schneller oberflächlich ab – Erosion und Hangrutschungen nehmen zu. Informelle Bebauung an steilen Hängen verschärft das Risiko zusätzlich.
Die Tragödie von Minas Gerais ist damit nicht allein eine Folge extremer Wetterbedingungen. Sie ist das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels aus tropischer Starkregenlage, empfindlicher Gebirgsmorphologie und jahrzehntelanger Landschaftsveränderung.