Extrem hohe Kohlendioxid-Werte im Metrotunnel der Campi Flegrei sorgen für Unruhe und Besorgnis – INGV verteidigt Veröffentlichung der Messwerte
Einen Monat nach der Sperrung des Metrotunnels der Linie 2 zwischen Pozzuoli Solfatara und Napoli Campi Flegrei infolge hoher Kohlendioxidkonzentrationen in der Luft veröffentlichte das INGV in seinem Monatsbericht zu den Campi Flegrei die tatsächlich gemessenen Werte. In der Spitze lagen sie sogar noch höher als bisher durchgesickert war, was deutlich macht, warum die Behörden offenbar versuchten, die Veröffentlichung der Messdaten zu vermeiden. Deren Publikation löste in der Region Neapel eine kontroverse Diskussion aus, aufgrund derer sich das INGV nun zu einer Stellungnahme in Form einer Pressemitteilung veranlasst sah.
Nach Angaben des INGV wurden im Tunnel lokal Kohlendioxidkonzentrationen von mehreren Volumenprozent gemessen. Zeitweise registrierten die Messgeräte Werte von bis zu etwa 7 Vol.-% CO₂, was rund 70.000 ppm entspricht. Zum Vergleich: Die normale atmosphärische Konzentration liegt derzeit bei etwa 420 ppm. Bereits Konzentrationen von einigen Tausend ppm können bei längerer Exposition zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Bei den tatsächlich gemessenen, deutlich höheren Werten besteht insbesondere in schlecht belüfteten Bereichen nicht nur die Gefahr von Schwindel, Kopfschmerzen und Bewusstseinsstörungen – es droht bereits akute Erstickungsgefahr. Kein Wunder also, dass man sich gezwungen sah, diese wichtige Metroverbindung stillzulegen.

Die Messungen bedeuten jedoch nicht automatisch, dass eine vulkanische Eskalation in den Campi Flegrei unmittelbar bevorsteht. Entscheidend für die Bewertung der vulkanischen Aktivität ist nicht ein einzelner Messwert, sondern die Entwicklung verschiedener Parameter über längere Zeiträume hinweg – darunter Bodenhebung, Seismizität, Temperatur sowie die chemische Zusammensetzung der austretenden Gase. Obwohl der Calderavulkan im Juni täglich mehr als 5.000 Tonnen CO₂ ausstieß, an denen die Emissionen des Solfatara-Kraters zu etwa einem Viertel beteiligt waren, bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass sich Magma bereits unmittelbar unter der Erdoberfläche befindet. Kohlendioxid entweicht dem Magma bereits in einem relativ frühen Stadium seines Aufstiegs und erreicht die Erdoberfläche früher als andere magmatische Gase. Die hohen CO₂-Konzentrationen, die im Juni weiter zunahmen, deuten jedoch darauf hin, dass sich in der Tiefe bereits eine große Magmaansammlung befindet.
Dass sich ausgerechnet in dem Tunnel so hohe Kohlendioxidkonzentrationen messen lassen, ist zum Teil seiner Lage in unmittelbarer Nachbarschaft zur Solfatara geschuldet. Selbst an den Straßen rund um den Krater gibt es heiße Stellen und Gasaustritte, die den Asphalt aufweichen oder sogar schmelzen lassen. Im Tunnel tritt das Gas vermutlich überwiegend diffus aus Gesteinsporen und Klüften aus und sammelt sich aufgrund der unzureichenden Belüftung in alarmierenden Konzentrationen an. Das INGV schätzt den aktuellen CO₂-Zufluss in den Tunnel auf etwa 95 ± 40 Tonnen pro Tag.
Die Bekanntgabe der Messdaten führte dennoch zu Verunsicherung in der Bevölkerung. Viele Anwohner fragten sich, ob für Fahrgäste oder Beschäftigte eine Gefahr bestanden habe. Gleichzeitig entstand eine Diskussion darüber, ob die Veröffentlichung der Daten zu einer unnötigen Alarmierung beitragen könnte. Die Sperrung der Bahnstrecke verstärkte diese Sorgen zusätzlich, da einige Beobachter darin ein Zeichen für eine außergewöhnliche Gefahrenlage sahen.

Mit der am heutigen Tag veröffentlichten Stellungnahme reagierte das INGV auf die zunehmenden Spekulationen. Das Institut betonte, dass es für die wissenschaftliche Überwachung geophysikalischer und geochemischer Prozesse verantwortlich sei, nicht jedoch für Entscheidungen über den Betrieb der Eisenbahninfrastruktur. Die Dauer einer Streckensperrung oder technische Maßnahmen des Betreibers könnten daher nicht als wissenschaftliche Bewertung der CO₂-Situation interpretiert werden.
Das INGV stellte klar, dass die gemessenen CO₂-Anomalien auf instrumentellen Daten beruhen und unabhängig von organisatorischen Entscheidungen bewertet werden müssten. Gleichzeitig warnte das Institut vor vereinfachenden Darstellungen, die zu Verwirrung in der Öffentlichkeit führen könnten. Die Veröffentlichung der Messwerte sei Teil der wissenschaftlichen Transparenz und diene dazu, die zuständigen Behörden mit verlässlichen Daten bei möglichen Schutzmaßnahmen zu unterstützen.
Für die Campi Flegrei bleibt die Situation somit aufmerksam zu beobachten. Die erhöhten CO₂-Werte im Tunnel stellen einen ernst zu nehmenden Sicherheitsaspekt dar, liefern für sich allein jedoch keinen Hinweis auf eine unmittelbar bevorstehende Eruption.
Die übrigen Überwachungsdaten zeigten im Juni keine ungewöhnlichen Veränderungen und bestätigen den langjährigen Trend einer fortschreitenden Druckbeaufschlagung des Systems. Allerdings wurde bekannt gegeben, dass an der Pisciarelli-Messstation FLXOV8 derzeit keine Wartungsarbeiten mehr durchgeführt werden können, weil sich die Zugangsbedingungen zur Messstelle weiter verschlechtert haben. Ursache dürfte die zunehmende fumarolische Aktivität sein. Darauf deutet auch der weiter angestiegene fumarolische Tremor hin, der auf eine intensivere Entgasung schließen lässt.