
Zunahme der Seismizität in der Solfatara der Campi Flegrei – stärkste Erschütterung Md 3,1
Nach einer aus seismischer Sicht vergleichsweise ruhigen Vorwoche startet die Erdbebentätigkeit in den Campi Flegrei diese Woche wieder erhöht durch. Seit gestern ist es zu drei deutlich spürbaren Erdbeben im Bereich des Solfatara-Kraters gekommen. Das stärkste Beben hatte eine Magnitude von 3,1 und eine Herdtiefe von 2400 m. Die beiden anderen Erschütterungen brachten es auf Md 2,9 und lagen 400 bis 500 m tiefer. Damit ereigneten sie sich im unteren Bereich des Hydrothermalsystems und gingen mit Gesteinsbruch infolge von Fluidaufstieg einher. Außerdem gehörten zum aktuellen Schwarmbeben 17 weitere Erschütterungen. Auf Jahressicht wurden 59 Beben lokalisiert. Im letzten Jahr gab es übrigens 6807 lokalisierte Erschütterungen. In 2024 waren es 4899 Beben, also eine signifikante Steigerung der Seismizität.
Aus dem aktuellen INGV-Bulletin für den Beobachtungszeitraum 29.12.2025 bis 04.01.2026 ist zu entnehmen, dass es in dieser Woche „nur“ 26 Erdbeben gab. Das stärkste hatte eine Magnitude von 2,1. Wie immer, wenn es mal etwas ruhiger zugeht, feierten in den sozialen Medien einige Optimisten bereits das mögliche Ende der Krise, die aber nach wie vor mit einer Bodenhebung von 25 mm pro Monat einhergeht und daher alles andere als beendet ist. Die Erdbeben sind zwar die am deutlichsten wahrnehmbaren Manifestationen der Prozesse im Untergrund, aber im Endeffekt nur Symptome der Bodendeformationen und des zugrunde liegenden, magmatisch bedingten Aufheizungsprozesses des gewaltigen Calderavulkans. Meiner Meinung nach kann es zwar zu Fluktuationen in der Intensität der Prozesse kommen, doch dauerhaft stoppen werden sie vor einer Eruption wohl nicht mehr.
Die Vulkanologen vom INGV geben zwar keine Prognosen ab (nicht zuletzt, weil natürlich immer das Risiko besteht, mit seinen Einschätzungen falsch zu liegen und damit an Reputation zu verlieren), bestätigen in ihrem Bulletin aber den langjährigen Trend zur Druckbeaufschlagung des hydrothermalen Systems und damit auch des zugrunde liegenden magmatischen Systems. Der Gasausstoß und die Fumarolentemperaturen lagen im Bereich der Werte der letzten Wochen: Bei Pisciarelli wurden Durchschnittstemperaturen von 94 Grad gemessen, in der Solfatara bei 170 Grad mit Maximalwerten von 173 Grad.