Spürbares Erdbeben Md 3,3 erschüttert Südostrand der Solfatara – Teil eines starken Erdbebenschwarms in den Campi Flegrei.
Heute Nacht manifestierte sich in den Campi Flegrei um 04:32:57 UTC ein deutlich spürbares Erdbeben der Magnitude 3,3. Das Epizentrum des Bebens lag unter dem Südostrand der Solfatara am Rand des Monte Olibano. Die Herdtiefe betrug 2,4 km. Sechs Minuten später ereignete sich an genau der gleichen Stelle, nur 100 m tiefer, ein weiterer Erdstoß Md 2,6. Beide Beben wurden von der Bevölkerung deutlich verspürt. Trotz nachtschlafender Zeit liegen dem EMSC Wahrnehmungsmeldungen vor.

Die Bebenzeugen wurden von den Erschütterungen aus dem Schlaf gerissen. Unsanft geweckt wurden nicht nur die Bewohner Pozzuolis, sondern auch Menschen in angrenzenden Regionen Neapels. Ein Wahrnehmungsbericht stammt von einer Person, die von wellenförmigen Bewegungen im siebten Stock eines größeren Gebäudes im neapolitanischen Stadtteil Fuorigrotta wohnt. Die Menschen näher am Epizentrum wunderten sich, dass das stärkste Beben nur eine Magnitude von 3,3 gehabt haben soll. Ihnen kam der Erdstoß deutlich stärker vor, was an der geringen Tiefe des Hypozentrums gelegen haben kann, sowie an geologischen Strukturen der Calderafüllung, die Erdbebenwellen verstärkt. Außerdem sind nächtliche Wahrnehmungen durch die Stille anders als solche am Tag.
Die Beben waren Teil eines stärkeren Schwarmbebens, das sich aus über 50 Einzelerschütterungen zusammensetzt. Bereits am Montag gab es einen Anstieg der Seismizität im Vergleich zum Vortag. Auffällig ist, dass die Beben mit Magnituden oberhalb von 1,5 mehrheitlich in Tiefen von mehr als 2 Kilometern lagen und sich somit unterhalb des Hydrothermalsystems in der festen Gesteinsschicht des Calderadaches abspielten und vermutlich mit Rissbildung zusammenhingen. Dadurch destabilisierte sich die Gesteinsschicht zusehends.
Das INGV und die Kommune Pozzuoli gaben Mitteilungen vor den Erdbeben heraus und veröffentlichten erneut Notfalltelefonnummern, an die sich Bürger wenden können, insbesondere um Schäden an ihren Gebäuden zu melden.
Der Erdbebenschwarm zeigt, dass es trotz der aus seismischer Sicht vergleichbar ruhigen Phase der letzten Monate keinen Anlass zur Entwarnung gibt: Das Vulkansystem heizt weiter auf und in der Tiefe akkumuliert sich Magma. Dieser Prozess unterliegt Schwankungen und kann sich unangekündigt jederzeit verstärken oder abschwächen. Die Langfristprognose der Region bleibt ungünstig. Jederzeit kann es zu stärkeren Erdbeben kommen, die Schäden verursachen. Mittelfristig drohen phreatische Explosionen, langfristig ein Vulkanausbruch.

Doch wie geht man am besten mit der Bedrohungslage um? Dummerweise liegt die Zone der größten Bodenhebung nicht etwa unter dem Solfatara-Krater, sondern unter Rione Terra, dem historisch bedeutungsvollen Stadtteil Pozzuolis direkt neben dem Hafengebiet. Seit 2005 hob sich der Boden um 163 cm und übertrifft damit sogar die Hebung aus den 1980er Jahren. Die Bodendeformationen schwächen die Gebäude massiv und mit dem Renovieren kommt man kaum hinterher. Sollte es hier zu einem Vulkanausbruch kommen, wäre die Katastrophe perfekt. Macht es Sinn, an einer Stadt festzuhalten, die möglicherweise dem Untergang geweiht ist? Politik und Bewohner hoffen verständlicherweise, dass die Bodenhebungsphase ohne größere Katastrophe enden wird, so wie es in der Vergangenheit bereits vorkam, mit dem Unterschied, dass frühere Hebungsphasen nur 2 bis 3 Jahre dauerten. Doch selbst wenn das der Fall sein sollte, handelt es sich um geschenkte Zeit: Denn die Vorgänge zeigen, dass die Campi Flegrei keinesfalls erloschen sind und eines Tages das machen werden, was Vulkane am liebsten machen: ausbrechen!
Auf der Shakemap des EMSC oben sieht man nur die Erdbeben mit Magnituden über 2. Am rechten Bildrand liegt der Vesuv, unter dessen Gipfel es ebenfalls ein Erdbeben Md 2,1 in nur 400 m Tiefe unter dem Meeresspiegel gegeben hat. Auch dieses Beben war Teil eines Schwarmbebens. Später mehr dazu.
